Page 68 - Berlin vis-à-vis - Nr. 75 - Sommer2018
P. 68
| BRANDENBURG
die heiligen Hostien kurzerhand. Das Domkapitel von Havel-
berg, das seinerzeit noch auf päpstlicher Seite stand, war em-
pört und forderte seinen Tod. Ellefeld wurde verhaftet und auf
besagter Plattenburg festgesetzt. Hier sprach Landeshaupt-
mann Curd von Rohr schließlich ein relativ gnädiges Urteil. Der
Theologe wurde vom Dienst suspendiert und musste das Land
verlassen, was damals lediglich bedeutete, sich einige Kilome-
ter nördlich im Lauenburger Land anzusiedeln. Mit den Wun-
derblut-Hostien verschwanden auch die Pilger und mit ihnen
vorerst der wirtschaftliche Erfolg.
Foto: AdobeStock.de | 183569292 Angekommen in Bad Wilsnack, seit 1929 Kurort, sollte der
erste Weg tatsächlich in die St. Nikolaikirche führen. Eine im-
posante gotische Backsteinkirche und das Zentrum der märki-
hierher. Es gibt zwar nicht mehr die legendären Hostien, aber
Pilgern ist auch ein Ausfl ug in die Tierwelt schen Kleinstadt. Über 30 000 Besucher zieht es jährlich
immer noch die Wunderblutkapelle zu bestaunen. Die Türen
des hölzernen Schreins aus dem 15. Jahrhundert sind auf bei-
den Seiten reich bemalt. Im oberen Giebelfeld halten zwei En-
gel eine Monstranz mit dem Heiligen Blut. Die Kirche beher-
bergt aber auch noch zahlreiche andere bemerkenswerte
Kunstwerke, wie mittelalterliche Glasfenster und eine
schmuckvolle Kanzel, gestiftet 1695 von Jakob Friedrich von
Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann Wilsnack. Das Schloss ist 1976 abgebrannt und an gleicher
68 Saldern. Letzterer besaß ein Schloss gleich neben der Wun-
derblutkirche und eben auch besagte Plattenburg unweit von
Stelle soll längerfristig ein neues Pilger- und Kulturzentrum
entstehen, denn so etwas fehlt in Bad Wilsnack. Mit dem Geld,
erst einmal die wichtigsten Sanierungsarbeiten fi nanziert. „Wir
Ankunft in der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack das vor allem Bund und Land zugesagt haben, werden aber
kommen gut mit den Arbeiten voran, der dritte Bauabschnitt
wird noch in diesem Jahr in Angriff genommen“, so Christian
Richter nicht ohne Stolz. Der Dachstuhl ist bereits verstärkt
worden, denn bei Sturm konnte der schon mal ins Wanken ge-
raten. Ein Teil des Dachs wurde neu gedeckt. Darüber hinaus
gibt es auch einiges am Mauerwerk und an den Fundamenten
zu tun, der Feuchtigkeit wegen. Am 18. August wird in Bad
Wilsnack das alljährliche Pilgerfest gefeiert mit Kulturpro-
gramm und Mittelaltermarkt.
Bad Wilsnack ist auch gut mit dem Fahrrad zu erreichen, ein
Abstecher vom Elberadweg ist es allemal wert. Wer auf wel-
chem Weg auch immer den Kurort erreicht und die Kirche ge-
sehen hat, dem sei ein Besuch in der Therme empfohlen, um
die müden Knochen zu versöhnen. Auf dem dortigen Salzsee
lässt es sich gut schweben. Auch das Wilsnacker Vitalhotel
Ambiente bietet entsprechende Wellnessanwendungen, inklu-
sive Moorpackungen, für die Bad Wilsnack bekannt ist.
Karen Schröder
27.07.18 12:52
VIS75_BG5.indb 68 27.07.18 12:52
VIS75_BG5.indb 68

