Page 52 - Berlin vis-à-vis - Nr. 76 - Herbst 2018
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| KULTUR
Foto: © Sven Ihlenfeld
In den BKA-Programmen vermischen sich Alltagskritik und Witzeleien aus der Welt der Politik
tiger, bunter. Und das politische Kaba- hoch. Es braucht manchmal ein biss-
rett? „Das ist immer da“, sagt Berger. chen“, sagt Berger. Er sieht das bei
Christian Ehring, Arnulf Rating, um nur den Poetry-Slam-Leuten, die zuhauf
zwei Namen zu nennen, stehen hier re- auf die Bühnen strömen, und er erin-
52 gelmäßig auf der Bühne. „Nur“, nert sich an einen fast traurigen Fall.
schiebt Rubbert ein, „viele der jungen Ein Schweizer, der zweifellos gut war,
Kabarettisten nennen sich heutzutage funktionierte in Berlin nicht. Der Hu-
lieber ‚Comedian‘, das klingt schicker, mor kam hier weniger an.
moderner.“ Und in den Programmen
vermischen sich Alltagskritik und Wit-
zeleien aus der Welt der Politik. Beson-
ders auffällig gut gelingt diese Art des
Kabaretts, wenn sich Künstler eine
Bühnenfigur erschaffen, die aus dem
Kiez kommt. So wie Edith Schröder, Ein Schweizer, der zweifellos gut
die von Ades Zabel zum Leben erweckt war, funktionierte in Berlin nicht.
wurde. Die Dame, 52, bezieht allerlei Der Humor kam hier weniger an
Leistungen vom Staat und stammt aus
Neukölln, ehemals Problembezirk und
heute extrem angesagt (siehe Döner-
stand). Diese Bühnenfigur hat sich so-
weit verselbstständigt, dass sie sogar
Stadtrundfahrten anbietet. La Signora
ist die italienische Mama mit dem Ak- Und das Haus setzt in seinem Spiel-
kordeon. Carmela de Feo stattet sie plan einen einzigartigen Kontrapunkt:
reichlich mit Musik und sogar Tanz die wöchentliche Reihe „Unerhörte
aus. Das ist sozusagen verlässliche Co- Musik“ mit zeitgenössischer Tonkunst
medy. des ausgehenden 20. und des 21.
Jahrhunderts.
Experimente sind schwieriger. „Die
Humor-Reizschwelle ist in Berlin sehr Martina Krüger
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