Tanken an der Laterne

Die Gasag entwickelt nachhaltige Verkehrskonzepte und bietet bereits Mobil-Strom an [Fotos: ubitricity]

Hier sieht es heute schon aus wie morgen: Autos an Ladekabeln, verbunden mit Wänden oder circa ein Meter hohen, schmalen Säulen. Smarts, VWs, BMWs und andere laden sich für künftige Fahrten auf. Kein Benziner oder Diesel stinkt mehr rum. Wenn es überall so wäre, könnte es mit der sauberen Umwelt klappen – wenn auch noch Ökostrom drin steckt. 

Auf dem Euref-Campus in Berlin-Schöneberg ist Zukunft spürbar. Und das unter dem Schirm des fast 80 Meter hohen Gasometers aus dem Jahre 1913, in dem einst Stadtgas für Berlin gespeichert wurde. Der Gasag gehörte dieses Wunderwerk, das damals so faszinierend war, das selbst Lyonel Feininger es malte. Seit 170 Jahren versorgt die Gasag Berlin mitEnergie und bleibt dabei innovativ. 

Der Gasometer ist längst Gerippe und steht seit 1994 unter Denkmalsschutz, doch unter ihm – auf dem Euref-Campus – brodelt es. Unternehmen und Forschungsprojekte haben sich angesiedelt, die sich in ihrer Mehrzahl mit der Nutzung und dem Einsatz von Energie beschäftigen. Mit dabei die Gasag sowie das junge Unternehmen „ubitricity“, Gesellschaft für verteilte Energiesysteme. Beide Unternehmen haben sich für ein gemeinsames Projekt gefunden: Elektromobilität. Das neue Zauberwort, wenn es um Zukunft und Umwelt geht. Es ist kein Geheimnis, dass es Befürworter und Unterstützer des Elektroautos gibt, aber die Zahl der Skeptiker noch größer sein dürfte. 

In Berlin sind schätzungsweise 1800 Elektroautos unterwegs, die meisten davon als Firmenwagen. Circa 1,2 Millionen zugelassene Pkw fahren insgesamt in der Stadt. Aber an diesem noch zögerlichen Verhalten wird die Zukunft nicht scheitern. Die Gasag ist bereits einen Schritt Richtung morgen gegangen, indem sie sich mit Mercedes-Benz und smart-Berlin zusammengetan hat. So kann der smart electric drive, ein kleiner, wendiger Stadtflitzer, der auch quer in fast jede Parklücke passt, zu günstigen Konditionen geleast werden. 

„Neue Alternativen benötigen am Anfang immer Förderung, bis sie richtig etabliert sind. Wir wissen auch, wie wichtig es ist, dass alle Akteure an einem Strang ziehen“, sagt Matthias Trunk, Gasag-Vertriebsvorstand. Die Gasag setzt dabei auch auf einen positiven Nebeneffekt: Werbung. Jeder smart fährt im Gasag-Outfit, wofür das Unternehmen einen Zuschuss zahlt. Wie heißt es doch so schön: „Tue Gutes und rede darüber.“ Eine smart-Batterie-Füllung reicht immerhin für circa 160 Kilometer. 

Bleibt die entscheidende Frage, die die größte Skepsis unter Autofahrern auslöst: Wie und wo Strom tanken? Die GASAG bietet dafür einen Mobilstrom, der über Wallboxen sowohl unterwegs als auch von zu Hause aus geladen werden kann. Und wie lange muss das Auto an der Stromader hängen, bis es wieder fahrbereit ist? Sind die ersten beiden Probleme gelöst, wird es für die Tankdauer auch eine Lösung geben. 

Dabei kommt die Firma mit dem Fantasienamen „ubitricity“ ins Spiel. Der setzt sich aus den englischen Worten „ubiquitous“ – allgegenwärtig, überall vorhanden – und „electricity“, also Strom, Elektrizität, zusammen. Meint im Zusammenhang mit Elektromobilität: „Überall da, wo Strom vorhanden ist, können wir einen Ladepunkt bauen.“ Die geniale Idee dabei ist, die vorhandene Infrastruktur zu nutzen. Das heißt, jede Straßenlaterne ist eine potenzielle Stromtankstelle für ein E-Auto. In London sind sie schon in Betrieb. 

Auch in Berlin gibt es schon einige Laternen-Tankstellen. Ubitricity hat der traditionellen Stadtbeleuchtung eine weitere Funktion hinzugefügt: 

Infrastruktur-Lösungen für den privaten und öffentlichen Raum. Das Unternehmen verlagerte wesentliche Bestandteile des Ladepunktes, den Stromzähler und das Mobilfunkmodul in das Ladekabel. Eine kleinere und kostengünstigere Dose ist so möglich, und die ist neben der schon erwähnten Laterne oder dem Strommast auch an jede Hauswand oder jede Säule zu montieren. Nur Strom muss drin sein. Eine Steckdose für ein Ladekabel ist einfach zu installieren. Der mobile, integrierte Stromzähler im Kabel ist ebenfalls ein Novum. Für Gasag-Kunden bedeutet das, sie nehmen ihren Stromvertrag mit zur Ladesäule. Punktgenau wird abgerechnet. Auch einen auf Gasag-Kunden zugeschnittenen Service aus erster Hand vom Pre-Check bis zur Inbetriebnahme des Ladepunktes bietet das Unternehmen an.

Mit dieser Lösung dürften einige Fragen für Skeptiker in Richtung E-Auto positiv entschieden sein. Matthias Trunk ist stolz auf die Initiative des Unternehmens: „Wir von der Gasag haben bereits mit unserem E-smart-Leasingangebot unser Engagement für die Verkehrswende gezeigt. Für unsere Kunden und auch für die Stadt Berlin.“
 

Noch sind E-Autos und die dafür notwenigen Ladesäulen im öffentlichen Raum selten zu sehen, aber für zu Hause und im Betrieb bieten ubitricity und die Gasag eine einfache und kostengünstige Alternative. Man kann so auch in Mehrfamilienhäusern, Tiefgaragen, Höfen von kleineren Unternehmen unkompliziert einen Ladepunkt einrichten. Alles ist im Kabel. Exakte Abrechnung ist immer möglich. Der mobile Stromzähler registriert auch, wo getankt wurde. Ein wichtiger Aspekt für Dienstwagenfahrer.

Die passenden Autos, die Stromversorgung und Tankmöglichkeiten sind bereits heute vorhanden. Alle Zeichen für die Zukunft stehen also auf umweltfreundliches Fahren in der Stadt. 

Martina Krüger

 

73 - Winter 2018
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