Page 86 - Berlin vis-à-vis - Nr. 71 - Sommer 2017
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Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
                            | BRANDENBURG







                                                                                     Schloss Branitz


                                                                                     Am 25. Juli 1864 war Köni-

                                                                                     gin Augusta in Branitz ange-
                                                                                     kommen. Der Hausherr hatte
                                                                                     sie immer wieder eingeladen.
                                                                                     Für einen königlichen Empfang
                                                                                     wurden eigens drei Schloss-
                                                                                     räume neu eingerichtet.
                                                                                     Augusta war denn auch hoch-
                                                                                     zufrieden mit den „genialen
                                                                                     Ausschmückungen“ und der

                                                                                     „sehr liebenswürdigen Gast-
                                                                                     freundschaft des alten Herrn“.
                                                                                  Foto: codiarts


                  Die Salons gehören zu den kostbarsten Raumgestaltungen des Pückler-Schlosses:
                  Blauer Salon und Schlafkabinett (unten)

                  dem Pleasureground. Der Fürst wollte   letzte Ruhe fi n-
           86     schließlich aus dem Schloss in ein   den. Drei Arten

                  gut bestelltes Gartenwohnzimmer tre-  Wein ranken sich
                  ten. Vor seiner Haustür legte er präch-  am  legendären
                  tige Blumenbeete an, stellte Plastiken   Ort und tauchen
                  auf und pfl anzte teils exotische Zier-  ihn im Herbst in
                  gehölze. Die Zone um die Pyramiden   leuchtendes Rot.
                  folgte später, im westlichen Innenpark.   Vor einigen Jah-
                  Überhaupt die Pyramiden. Sie sind in   ren ist die See-
                  dieser Form auch international einzig-  pyramide  noch                                            Foto: Gabriela Weidner
                  artig. 1856 ließ Fürst Pückler die See-  einmal  aufwen-
                  pyramide, von ihm Tumulus genannt,   dig  restauriert
                  anlegen. Knapp 20 Jahre, nachdem   worden.  Sogar
                  er auf seiner großen Orientreise einst   die Weinpfl anzen wurden aus den his-  ten, um das Gedeihen ihrer Liebe zu
                  in Ägypten selbst Pyramiden bestaunt   torischen Reben eigens nachgezüch-  prüfen. „Da ich auch ein Wende bin“,
                  hatte. „Keine Architektur repräsentiert   tet. Ganz in der Nähe auf einem künst-  so ist ein wenig bekannter Satz Pück-
                  die Unvergänglichkeit so gut wie eine   lichen Hügel erwartet den Besucher   lers überliefert. Für Cottbus noch ein
                  Pyramide“, so Parkleiter Claudius We-  dann die stufi ge Landpyramide. Oben-  Grund, auf seinen Fürsten stolz zu sein.
                  cke. „Wie die ägyptischen Pharaonen   auf die Inschrift Pücklers: „Gräber sind
                  wollte der Lausitzer Gartenpharao mit   die Bergspitzen einer fernen neuen           Karen Schröder
                  den Pyramiden wohl dem Himmel nä-  Welt.“ Der Gartenkünstler Fürst Pück-
                  her sein und der Nachwelt ein blei-  ler hat neben orientalischen Elementen
                  bendes Bauwerk hinterlassen.“ Gebaut   immer auch antike Mythologien und   Information
                  wurde die Seepyramide zunächst auf   slawisches Brauchtum seiner Lausit-  Bis zum 31.10.2017 ist im Schloss
                  einer Wiese. Die Wasserfl äche um sie   zer Heimat verarbeitet, so dachte er   täglich von 10 bis 18 Uhr noch die
                  herum entstand später. Gegraben per   bei den Doppeleichen seiner Parks si-  Sonderausstellung „AUGUSTA von
                  Hand, mit Hacke und Schaufel. In die-  cher auch an die verliebten sorbischen   PREUSSEN. Die Königin zu Gast in
                  ser Pyramide wollte Fürst Pückler seine   Paare, die diese Art Bäume pfl anz-  Branitz“ zu sehen.











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