Page 77 - Berlin vis-à-vis - Nr. 75 - Sommer2018
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variante. Diese Sessel erzählen eine an-
                  dere Geschichte als etwa ein opulenter,
                  mit sagenhaftem Aufwand handgefer-
                  tigter „Peacock“-Fauteuil, ein „Pfau-
                  ensessel“ mit all seiner dekorativen
                  Pracht und Verspieltheit. Lineare Struk-
                  turen, Gitterfl echtungen, luftige und
                  überaus verdichtete Wickeltechniken,
                  derbe und feine Oberfl ächen,  ausla-
                  dende Thronformen oder puristisches
                  Design, Blüten- und Sonnenformen –
                  vor allem Sessel und Stühle fi nden sich
                  in verwirrender Vielfalt. Die Beliebtheit
                  von Rattan- und Bambusmöbeln ist al-
                  lein schon an den Postings auf der In-
                  ternetplattform Pinterest abzulesen.
                  Und in der Tat lässt sich hier von däni-
                  schen Midcentury-Vintagemöbeln, den
                  Trendsettern mit zumeist kreisrunden
                  oder ovalen Sitzkörben auf staksigen
                  Metallbeinen, bis zu Tom Dixons artifi -
                  ziellem Banana-Chair aus den Siebzi-
                  gern so ziemlich alles fi nden, was das
                  Herz höher schlagen lässt. Man könnte
                  meinen, ohne Rattan, Binsen und Bam-
                  bus kein Leben. Ein tolles Exemplar ist
                  etwa der strahlenförmig gefertigte
                  Korbsessel aus den Sechzigern von
                  Franco Albini und Janine Abraham.
                  Nicht nur sitzen, auch liegen oder gar
                  schaukeln!

                  Der Designer Jan Armgardt hat für die
                  Firma Katz eine musikalische Linie
                  entworfen. Seine Rattan-Liege „Raa“,
                  erinnert mit ihrem Namen an den
                  ägyptischen Sonnengott. Dank zweier
                  Räder kann sie mühelos dem Lauf der
                  Sonne nach bewegt werden. Als Stars
                  des Sommers gelten Hängestühle,
                  aber auch schlichte Bänke. „Ent-
                  spannt abhängen“, die Dänin Nanna
                  Ditzel hat mit ihrem „Hanging Egg“
                  aus dem Jahr 1959 Designgeschichte
                  geschrieben.

                                 Anita Wünschmann











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