Page 12 - Berlin vis-à-vis - Nr. 76 - Herbst 2018
P. 12
| STADT
„Wer das beste Bild bietet, soll bauen!“
Zum Auftakt der Grabungen und des Baubeginns hat der Verein Forum
Stadtbild Berlin e. V. im Oktober in der Parochialkirche in einer Ausstellung
die Geschichte und Planungsgeschichte des Projektgebietes gezeigt. Sie
war der Auftakt für eine öffentliche Debatte um die Reurbanisierung der
Berliner Mitte. Wir sprachen mit Hans-Karl Krüger aus dem Vereinsvorstand.
Was ist die Aufgabe Ihres Vereins? mit einem privaten Investor. Bauträger
sagen oft: Ich muss bloß sehen, was
Wir kommen mit Bildern und zeigen Vi- beim Verkauf zu erzielen ist und die
sionen von Stadt, wie sie sein könnte. Fassade muss nur zweckmäßig sein,
Wer das beste Bild bietet, soll auch aber nicht schön, mehr nicht.
12 bauen. Wir wollen weg von den Kuben
und hin zu städtischen Parzellierungen. Es gibt einen Bebauungsplan. Wie
Sie sollen ihr eigenes Gepräge haben. verhalten sich Ihre Stadtbilder dazu?
Wann ist Architektur gelungen? Wir konterkarieren die Planung nicht.
Foto: Anne Schäfer-Junker Wenn sie Unterschiedlichkeiten her- wusst auf und wollen die Möglichkei-
Wir nehmen die Grundstruktur be-
ten aufzeigen. Wir wollen eine offene,
ausstellt. Uns geht es darum, dass
bisschen auflöst und fragt, was kann
Hans-Karl Krüger vom Verein Forum Stadtbild man die Rasterarchitektur mal ein öffentliche Diskussion anstoßen.
man denn sonst noch machen? Die An welche Möglichkeiten denken Sie
Leute suchen nach einem Zuhause, dabei?
von dem sie nicht nur sagen können:
Herr Krüger, wie wünschen Sie sich Ich verschwinde in einem Loch. Sie Wir versuchen, dem Senat Steue-
die Zukunft am Molkenmarkt? wollen sagen können: Das ist mein rungsanregungen zu geben für einen
Eingang. Das ist mein Haus. qualitätvolleren Umgang mit dem, was
Man sollte versuchen, ein möglichst man hier bauen will. Dazu gehört auch
lebendiges Quartier hinzukriegen. Da Was beurteilen Sie den Neubau des das Gewerbe, nicht bloß das Wohnen,
soll was passieren. Da soll Leben ins Motel One an der Grunerstraße? nicht bloß die Fassade. Man muss
Erdgeschoss reinkommen. Wir plädie- Man kann Hotels anders gestalten. auch über sozialverträgliche Gewerbe-
ren dafür, dass der Molkenmarkt als Man muss nur den Mut haben und sa- mieten reden, über Gewerbe, das mehr
Platz in irgendeiner Form wieder in gen: Lieber Bauherr, mach mal! Das auf Kultur ausgerichtet ist. In die Alte
Erscheinung tritt. Und dass die Fuß- ist der Ansatz, den wir geben wollen. Münze zieht das House of Jazz.
gänger sich von einem Quartier in das Wir haben mit den Berliner Woh-
andere bewegen können und nicht das nungsbaugesellschaften am Molken- Das Gespräch führte André Franke.
Gefühl haben, sie gingen über eine markt Gesprächspartner, mit denen
Autobahn. man vielleicht besser reden kann als
VIS76 BG1.indb 12 05.11.18 09:17

