Page 9 - Berlin vis-à-vis - Nr. 76 - Herbst 2018
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Mammutprojekt
Molkenmarkt
Von André Franke
Berlins ältester Marktplatz liegt unter
Asphalt, irgendwo zwischen Rathaus,
Nikolaiviertel, Alter Münze und Altem
Stadthaus. Ursprünglich dreieckig,
kommt er in halbrunder Form in den
Stadtgrundriss zurück
Der Molkenmarkt ist eine Mammut-
aufgabe. Das zeigt schon der Umfang
der Grabungen, die im Vorfeld statt- 9
finden. Wir werden Zeugen des bis-
lang größten Ausgrabungsprojekts im
mittelalterlichen Stadtkern von Berlin-
Cölln. Michael Malliaris, der es leitet, Foto: Eginhard Teichmann
beziffert die Grabungsfläche mit
25 000 Quadratmetern. Sie sei damit Gasse im Klosterviertel mit Sicht auf den
größer als die am Schlossplatz, wo vor Turm des Alten Stadthauses
Jahren die Reste des alten Dominika-
nerklosters dokumentiert wurden.
„Beim Molkenmarkt geht es jetzt vor
allem um bürgerliches Wohnen und
Arbeiten durch die Zeiten“, sagt Malli-
aris. Bei den Ausgrabungen an Rat-
haus und Petriplatz ging es in der Ver-
gangenheit eher um Themen wie: re-
präsentative Bauten der Bürgerschaft Foto: I.H./Berlin vis-à-vis
und Sakralarchitektur. Um Kirchen,
weiß der Archäologe aber, kommt er Die Grunerstraße verläuft künftig hinter
auch bei diesem Projekt nicht vorbei. dem Roten Rathaus entlang – so der Plan
Da warten die Spuren des Franziska-
nerklosters und der Französischen
Klosterkirche schon. Malliaris plant
mit Grabungen bis 2023. Vor dem Al- Mit dem Start der Ausgrabungen geht
ten Stadthaus beginnen sie 2019, und eine 15-jährige Planungsgeschichte
am Mühlendamm entsteht eine Refe- zu Ende. 2003 aufgestellt, ruhte der
renzfläche noch in diesem Jahr. Bebauungsplan 1-14 Molken-
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