Page 12 - Berlin vis-à-vis - Nr. 71 - Sommer 2017
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                  Sachfrage, keine zuvorderst politische,   ris, Frankfurt oder München zu werden,   zehntausend Starts und Landungen im
                  und  auch hier  gehen  die  Meinungen   scheint ohnehin verpasst. Aber ein wei-  vergangenen Jahr. Aber neue Technolo-
                  weit auseinander.                 terer Terminal sei in der Planung. Und   gien würden die Flugzeuge leiser ma-
                  Ja, sagen die Befürworter; Schönefeld   die Phantasie kennt keine Grenzen. Zur   chen. Leiser bleibt trotzdem laut.
                  stößt schon bald an seine Kapazitäts-  Not, lautet etwa ein Vorschlag, könnte   Lange Wege und Verkehrschaos auf der
                  grenze von 39 Millionen Passagieren,   man eine weitere Startbahn bauen,   A 113 von und nach Schönefeld pro-
                  wenigstens die Geschäfts- und Regie-  etwa in Sperenberg, mit Schnellzug   gnostizieren die Befürworter im Falle
                  rungsflieger sollte man weiter in Tegel   von Schönefeld, wo weiter eingecheckt   einer Schließung Tegels. Der hat ja
                  starten und landen lassen, acht Millio-  wird.                     nicht mal einen U- oder S-Bahnan-
                  nen künftig  statt  jetzt zwanzig  Millio-  Berlin braucht Tegel, sagen die Befür-  schluss und die Zufahrt sei ein Nadel-
                                                                                     öhr, kontern die Gegner. Rechtlich geht
                                                                                     das alles sowieso nicht, werfen die ei-
                                                                                     nen ins Feld, mit Datum vom 29. Juli
                                                                                     2004 ist die Betriebsgenehmigung für
                                                                                     Tegel  widerrufen und  mit  der Aufhe-
                                                                                     bung der Planfeststellung vom 2. Fe-
                                                                                     bruar 2006 ist Tegel nach BER-Eröff-
                                                                                     nung kein  Verkehrsflughafen mehr.
                                                                                     Nein, nein, geht schon rechtlich, sagen
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                                                                                     nat muss es auch wollen. Und der will
                                                                                     nicht.
                                                                                     So geht das hin und her, Argument, Ge-
                                                                                     genargument, so wird es weiter heiß
                                                                                     hergehen bis zum Volksentscheid. Und
                                                                                     vermutlich auch danach, egal, wie die
                                                                                     Sache ausgehen wird.
                                                                                     Die einen sehen in zehn oder zwanzig
                                                                                     Jahren die Flugzeuge am Himmel eines
                  Fluglärm über der Innenstadt ist eines der Argumente der Tegel-Gegner  prosperierenden Berlin Richtung Tegel
                                                                                     fliegen.  Die anderen  auf  der  ehema-
                                                                                     ligen Flughafenfläche, zweieinhalb Mal
                                                                                     so groß wie der Tiergarten, 17 500
                                                                                     Menschen rund um die Beuth-Hoch-
                  nen. London oder Paris betreiben auch   worter, die Lage sei einfach einzigartig   schule in einer „Urban Tech Republic“
                  mehrere Flughäfen.                – stadtnah, leicht erreichbar, kurze   an  modernen  Technologien arbeiten,
                  Nein, sagen die Tegel-Gegner; zwei   Wege zu den Gates, ohne viel Kom-  gleich daneben 10 000 Wohnungen,
                  Flughäfen machen wirtschaftlich kei-  merz. Ein Unikat im internationalen   zentrumsnah, gut angebunden, einma-
                  nen Sinn, es braucht ein hohes Passa-  Großflughafen-Einheitsbrei außerhalb   lig in Berlin. Egal wie es ausgeht, Ber-
                  gieraufkommen, um sich als Umsteige-  der Städte.                  lin wird es verkraften. Aber auf dem
                  flughafen zu rechnen und für Interkon-  Tegel sei damals nur erlaubt worden,   Weg dorthin, so oder so, kann weiter
                  tinentalflüge interessant zu sein. Und   weil es gar nicht anders ging, halten    eine Menge Vertrauen in die Politik und
                  was den internationalen Vergleich be-  die Gegner dagegen. Heute würde nir-  ihre Versprechen und Entscheidungen
                  trifft: London hat 160 Millionen Passa-  gendwo auf der Welt ein Flughafen in   verloren gehen. Oder gewonnen wer-
                  giere, Paris 100 Millionen. Berlin 30   dieser Lage grünes Licht kriegen. Flug-  den. Das ist das eigentlich Brisante an
                  bis 40 Millionen. Die Chance, ein inter-  lärm ab 6 Uhr morgens, von dem   der Frage, wie es weitergeht am Him-
                  nationales Drehkreuz wie London, Pa-  300 000 Menschen betroffen sind, fast   mel über Berlin.










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