Page 22 - Berlin vis-à-vis - Nr. 71 - Sommer 2017
P. 22
| STADT
Meinung:
Die meisten Investoren sind dem
Mainstream der Architektur unterworfen
Von Sven Blumers
Immer wieder wagen Architekten in Wohnung sollte nicht nur den Ansprü-
Berlin den Versuch, mit moderner Ar- chen der jetzigen Zeit genügen, son- Foto: Frank Roesner
chitektur das Stadtbild zu prägen und dern auch zukunftsweisende Innovati-
moderne Nutzungskonzepte zu entwi- onen enthalten. Da überrascht es Sven Blumers ist seit 20 Jahren selbst-
ckeln. Dies würde den Weg für mo- umso mehr, dass ein Großteil von Ent- ständiger Architekt in Berlin
derne Architektur und neue Gestal- würfen, die dies berücksichtigen,
tungsansätze ebnen. Der moderne Ar- nicht zur Ausführung kommt. Die Ar-
beitsplatz wie auch die moderne chitekten, die mit solchen Entwürfen
22
Abb.: Blumers Architekten
Nicht realisierter Wettbewerbsentwurf für ein Bürohaus an der Franklinstraße
antreten, scheitern meistens an zwei Das zweite Problem ist die Einschnü- zenden Gebäuden und durch die un-
Problemen. rung und Begrenzung durch die Be- verständliche Rechtsprechung der Ge-
Zum einen sind die meis ten Inves- hörden Diese greifen im Zuge der Ge- richte in Berlin verhindert. Auf der ei-
toren dem Vermarktungsdruck, der nehmigungsverfahren bis teilweise zur nen Seite schreien Politik und Stadt
Scheu vor dem Risiko sowie dem Fassadengestaltung und Farbgestal- nach mehr Wohnraum und Gewerbe-
Mainstream der Architektur unterwor- tung in den Entwurf ein. Hierbei ist flächen, gleichzeitig wird deren Um-
fen. Dazu kommt die Angst vor unbe- das vorgegebene Projekt durch den setzung aber verhindert.
rechenbaren Kosten und die Hürde Wunsch nach Gleichklang mit der Fazit ist, dass bei Diskussionen über
des Genehmigungsverfahrens. Das al- Umgebung wie auch von der Angst vor moderne Architektur Städte wie Lon-
les lässt extrovertierte Entwürfe meist Klagen von Bürgern, denen die Archi- don, Paris oder Moskau benannt wer-
schon im Ansatz scheitern. Die Poten- tektur nicht gefällt, geprägt. Vor allem den, nie aber Berlin. Hier wäre ein
tiale, die ein besonders gestaltetes die Erhöhung der Baumassen im In- Umdenken dringend notwendig, um
Gebäude birgt, erschließen sich oft nenstadtbereich wird durch eine Welle die Stadt für die Zukunft innovativ
erst nach der Fertigstellung. von Klagen von Nachbarn aus angren- und attraktiv zu gestalten.
ART_Blumers Architekten.indd 22 03.08.17 13:39

