Page 18 - Berlin vis-à-vis - Nr. 71 - Sommer 2017
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| STADT
WIR KÖNNTEN IN BERLIN
VIEL MUTIGER SEIN
Andreas R. Becher ist seit 2015 Vorsitzender des
Bundes Deutscher Architekten, Landesverband
Berlin. Hauptberufl ich ist er geschäftsführender
Gesellschafter der brh Architekten + Ingenieure
GmbH in Berlin. Wir sprachen mit ihm über
Architektur in Berlin.
Foto: brh berlin
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Herr Becher, Sie sind Vorsitzender aussagt. Der Bund besteht seit mehr tesk nennen. Ich freue mich auf die In-
des Bundes Deutscher Architekten. als 100 Jahren. betriebnahme des BER vor 2020! Aber
Was macht für Sie außergewöhnliche der Flughafen ist ja nun mal nicht al-
Architektur aus? Wie viel außergewöhnliche Architek- les, daher sollten wir zulassen, wenn
Das Entscheidende liegt ja schon im tur braucht eine Stadt, um interes- an der Spree, am Alexanderplatz oder
Wort: Das Außergewöhnliche! Ge- sant zu sein? etwa in Schmargendorf vorhandene
wöhnlicher Hochbau wird in dieser Je mehr, desto besser. Aktuelles Bei- Flächen mutig entwickelt werden.
Stadt ja schon haufenweise abgela- spiel ist die Elbphilharmonie in Ham-
den. Gehen Sie davon aus, dass die burg. Wir könnten in Berlin viel mu- Trotz jahrelanger Abstimmungen mit
BDA-Architekten, und da kann ich für tiger sein und sollten die Diskussi- den Behörden wird die „Investorenar-
alle meine Kollegen sprechen, auch onen nicht immer gleich abwürgen. chitektur“ am Hauptbahnhof kriti-
eine besonders durchdachte Architek- Ich wünsche mir etwa einen offenen siert. Wie lassen sich denn architekto-
tur abliefern, und zwar auch in städ- Diskurs über eine Hochhaus-Skyline nische Standards für herausragende
tebaulicher sowie in baukultureller in der City West. Hier sehe ich noch Orte in der Stadt festlegen?
Hinsicht. viel Raum für Verbesserungen. Das ist ganz einfach: Wettbewerbe,
Wettbewerbe, Wettbewerbe! Und im-
Welche Aufgabe hat der BDA in Berlin? Welche Bauten in der Hauptstadt fi n- mer schön an die Generationen nach
Wir melden uns zu Wort, wenn es um den Sie außergewöhnlich? uns denken. Dabei gibt es von unserer
aktuelle Fragen der Stadtentwicklung, Leider kommen viele außergewöhn- Seite aus auch den Wunsch, dass die
Architektur und Baukultur geht. Un- liche Projekte erst gar nicht zur Aus- Entscheidungen von einer qualifi zierten
sere 352 Mitglieder bewegen etwa ein führung, weil die Politiker sie vorher Jury getroffen werden. Außerdem emp-
Drittel des gesamten Bauvolumens in zerreden oder die Entwicklung auf die fehlen wir die Teilnahme von mehr als
Berlin. Vor dem Hintergrund von ins- lange Bank schieben. Ja, BER ist ein nur drei Architekten – damit erhalten
gesamt 8 000 in dieser Stadt tätigen außergewöhnliches Bauprojekt. Als Sie immer das bessere Ergebnis.
Architekten ist das ein beeindru- Fachmann kann man die gesamte Ent-
ckendes Verhältnis, das auch viel wicklung und die Aneinanderreihung Der aktuelle Senat möchte mit seiner
über die Qualität der BDA-Architekten von Fehlentscheidungen nur noch gro- Hochhausplanung den Bau von Hoch-
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