Page 80 - Berlin vis-à-vis - Heft 63 - Sommer 2015
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| WOHNEN Zu Hause sollte man ruhig mal seiner werden aufwändig poliert, dabei das Spiellust frönen, wenn es ums Tisch- Wechselspiel von matt und glänzend decken geht. Porzellan oder Stein- ausbalanciert, ein Hauch von Grau, zeug, ruhig auch beides zusammen. Rosé und Sand vermittelt stille Edle und Alltagsdinge bilden einen Schönheit. Der Tisch ist also die Lein- schönen Kontrast. Die Gruppendyna- wand und das Geschirr liefert die Mal- mik von Vasen und Gläsern hilft der mittel für temporäre Gemälde. Oder Fantasie auf die Sprünge. „Das Auge besser für Collagen, von deren Materi- isst mit“ oder es guckt soviel, dass es alverschiedenheit der Reiz ausgeht. vielleicht mit einem stilvollen Bissen Wir essen multikulturell oder eben zufrieden ist. Nur schön muss es sein! globalisiert und das bedeutet: Man Aber was ist schön? Material, Maß braucht eine Vielzahl von Verschie- 80 und Dekor – eine weitschweifi ge denem – oder wenig: eine Schüssel, Frage: Also bleibt mitzuteilen, was ein Teller, ein Trinktöpfchen. Zuneh- Trendfi rmen beobachtet haben: „ur- mend sind es auch einfache Dinge, ban jungle“ als opulente Dekore nebst die mit äußerster Sorgfalt handge- Insekt mit grünen Blättern (Villeroy & macht sind wie die schönen Keramik- Boch), oder ganze Safariszenerien gefäße von Ditte Fischer aus Kopen- hagen, die den Alltag verzaubern. Manchmal genügt ein antikes Fa- yence-Tellerchen „Oiseau Bleu“, von „Das Auge der französischen Firma Gien oder ein Gustavsberg-Teller aus Schweden, um an einer sonst puristischen Tafel ins isst mit“ Blaue hinein zu schwärmen. Wer kennt das „wirkliche Blau“? Blau ist ja auch nicht wegzudenken. Kornblu- menblau, Meeresblau, Kobaltblau. mit Großwild (Gien) in leuchtendem Blau schwimmen Fischschwärme Orange. Man muss es mögen. Blau über das weiße Biskuitporzellan – das bis türkis kommt zart gezeichnet oder härteste der Porzellane, von Stefanie malerisch aquarelliert aufs Porzellan. Hering. Natürlich fürs feine Fisches- Gold und Silber in feinen Linien, sen. Und blauäugig lugt der Krebs Strahlen (etwa von der Designerin vom Tellerrand, denn dort hat ihn sich Laura Straßer, Kahla) oder tellerrand- die Berliner Illustratorin Eleonore breite Farbblocks bedienen das Lu- Gerhaher hingedacht und hingemalt. xusbedürfnis. Die pure Form – ein- „Royal Copenhagen kann immer nur fach geometrisch, origamigefaltet, or- blau“, heißt es über die Geschichte ganisch im reinen Weiß – wer will von 240 Jahren „Reinterpretation of schon darauf verzichten? Oberfl ächen patern No. 1“ der 1770 gegründeten VIS_ART_Wohnen_Gedeckter_Tisch.indd 80 24.07.15 14:47

