Page 84 - Berlin vis-à-vis - Heft 63 - Sommer 2015
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| WOHNEN Über 300 Jahre Geschichte liegen hinter dem alchemistischen Beginn im sächsisch-königlichen Auftrag, und die legendären Manufakturen von Meißen bis KPM werden, auch wenn sie zwischenzeitlich ins Schlingern geraten waren, nachgefragt. Nicht zu- letzt, weil vor allem in Asien Tische ebenso groß gedeckt werden wie eine Mittelschicht sich der historischen Liebe zum weißen Gold mit ausge- wählten Stücken hingeben kann und Hunderttausende zumindest zweck- mäßige Kleinigkeiten brauchen. Eine alltagstaugliche Schönheit für den Massenbedarf zu schaffen, das bleibt eine populäre Frage. Die skandina- vischen Moderne-Macher wie Alvar Aalto, Aino Aalto und Kaj Franck ha- ben in den Fünfziger- und Sechziger- jahren beispielgebend ein Formenre- 84 pertoire für Porzellan und Glas erar- beitet, das zum Gründungsmythos der Firma Iittala gehört. Mit Iittala verbin- det man heute nicht allein das promi- nente Retrodesign, die schlichten Formen, die formschönen Allzweck- schalen, Teller und Trinktöpfe mit mo- nochromen Glasuren und später die fl irrenden Liniendekore von Alfredo Häberli (1999 „Origo“), sondern seit wenigen Jahren auch die plakativen Iittala veröffentlicht zum 100. Geburts- tag von Tapio Wirkkala einige seiner schöns- ten Glasobjekte als neu aufgelegte Edition Foto: Jens Bösenberg VIS63_BG6.indb 84 27.07.15 11:48

