Page 10 - Berlin vis-à-vis - Nr. 75 - Sommer2018
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Abb.: Finest Images / O&O Abb.:Gehry partners, hines
Geplantes Hochhaus Capital Tower. Investor ist die russische Monarch-Gruppe. Das amerikanische Unternehmen Hines
Der Entwurf stammt von Ortner & Ortner plant diesen Wohnturm nach einem
Entwurf von Frank O. Gehry
10 Das Jahr 2018 scheint nun die Wende in der lange umstrittenen
Hochhausplanung einzuleiten, denn alle Beteiligten, Senatsver-
waltung und Investoren, melden sich mit konstruktiven Absichts-
erklärungen zu Wort und die ursprünglichen Hochhauspläne
nehmen erste Gestalt an.
Es war Peter Behrens, der mit seinen an die 1920er Jahre, als der Krimi-
Bauten dem Berliner Alexanderplatz nalkommissar Ernst Gennat vom Poli-
um 1930 ein neues Gesicht gab und zeipräsidium aus, der sogenannten
maßgeblich die Platzstruktur prägte. Zwingburg am Alex, auf Verbrecher-
Bald sollen nun Hochhäuser den le- jagd ging. Und es erinnert an „Berlin
gendären, aber inzwischen architekto- Alexanderplatz. Die Geschichte von
nisch vernachlässigten Alex zu einem Franz Biberkopf“, den legendären
neuen innerstädtischen Zentrum ma- Großstadtroman von Alfred Döblin,
chen. der dem Platz ein literarisches Denk-
mal setzte. Was ist aber vom Mythos
Der Alexanderplatz gehört derzeit zu Alexanderplatz nach seiner Zerstörung
den gefährlichsten Orten der Stadt. durch den Zweiten Weltkrieg und der
Nahezu 20 Straftaten pro Tag regist- anschließenden Neubebauung mit
riert noch immer die Polizei, obwohl DDR-Architektur geblieben? Es sind
neben der Weltzeituhr eine Wache vor allem zwei Gebäude, das Berolina-
eingerichtet wurde und dreißig Polizis- und das Alexanderhaus, die aus jener
ten rund um die Uhr auf dem Areal Zeit stammen, als Areal und Bahnhof
präsent sind. Das erinnert ein wenig zum größten innerstädtischen Ver-
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