Page 52 - Berlin vis-à-vis - Nr. 75 - Sommer2018
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| KULTUR
NEUES VOM BÜCHERBERG
Man müsste so viel lesen. Aber was? Susann Sitzler hat sich schon mal durch die
aktuellen Neuerscheinungen gewühlt. Hier ihre Empfehlungen.
STADTBESCHIMPFUNG
MIT FAHRRAD
Über Berlin meckern kann ja jeder.
Das fl eckige, nervige Berlin aber wirk-
lich anzuschauen, seine Fransen und
Ränder gezielt zu erkunden, den Un-
mut in vor Witz kullernder Galligkeit
auszumalen und dabei präzise zuzu-
52 spitzen, das erfordert schon wirkliche
Hingabe. Mit sehr viel Hingabe schil-
dert Günter Steinmeyer in „Wo Haken-
käuzchen plärren“ die Ergebnisse sei-
ner Erkundungen, die er regelmäßig
mit dem Fahrrad unternimmt. Unterti-
tel: „Poetische Polemiken“. Sie ver-
binden Fahrten entlang der Randbe-
zirke mit Entdeckungen von Oasen im
Innern, etwa am Brixplatz oder ent-
lang der Wuhle. Zwischendurch wird
sogar einem Ausfl ugsdampfer zuge-
winkt: „Fast verzweifelt wird zurück-
gewunken. Von den Menschen, die
sich auf eine ungewisse Fahrt in die
unerforschten Gebiete jenseits von
Berlin-Mitte begeben.“ Steinmeyer,
Gründer und viele Jahre Betreiber der
legendär schrundigen Z-Bar in Mitte,
benennt genüsslich die vielen stadt-
Information
planerischen, baulichen und mensch- Günter Steinmeyer: „Wo Hakenkäuzchen plärren. Poetische Polemiken“.
lichen Ärgernisse Berlins und verweist Edition paradogs, 80 Seiten, 11,90 Euro.
auf die dahinterliegenden Schönhei-
ten. Damit spricht er nicht nur allen,
die sich täglich darin bewegen, aus
dem Herzen. Sondern erinnert auch Stadt gegenüber und gleichzeitig der absurden Kleidung und den bizarren
an das, was die Bewohner verbindet: Frust, dass da leider noch all diese an- Lebensstilen sind, ohne die es ja noch
die Ergebenheit dieser verwachsenen deren nervigen Leute und mit ihrer viel schöner wäre.
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