Page 80 - Berlin vis-à-vis - Nr. 76 - Herbst 2018
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                  und Jahresvogel. Der Tiefpunkt war   wachsene Junge beobachtet worden“,
                  Ende der 1990er Jahre erreicht. Durch   erklärt Henrik Watzke. An den anderen
                  die industrielle Landwirtschaft fehlten   beiden Standorten sind die jungen Trap-
                  Lebensräume und Nahrung. Man zählte   pen vor allem ausgewildert worden. Im
                  in ganz Deutschland nur noch 57 Tiere.   Alter von acht bis zehn Wochen werden
                  Das Aussterben schien besiegelt. Doch   sie ausgesetzt, aber weiterhin betreut.
                  Brandenburg ist es zu verdanken, dass   Später schließen sich die Vögel ihren
                  die Trappe vorerst gerettet ist. Es gibt   Artgenossen in der freien Wildbahn an.
                  drei Standorte in der Mark, wo Großtrap-  Großtrappen leben gesellig in Gruppen
                  pen anzutreffen sind: im Havelländi-  zusammen, nach Geschlechtern ge-
                  schen Luch bei Buckow, im   Fiener   trennt. Ist der Winter nicht zu streng,
                  Bruch (ein Teil liegt in Sachsen-Anhalt)   bleiben sie an ihrem Standort, nur bei
                  und auf den Belziger Landschaftswie-  Schnee und strengem Frost ziehen sie in
                  sen. Die Zahl der Großtrappen hat mitt-  etwas mildere Gefilde, meist nur einige
                  lerweile einen neuen Höchststand er-  hundert Kilometer, aber auch bis in die
                  reicht. Bei ihrer letzten Bestandsauf-  Niederlande und nach Frankreich.
                  nahme  haben die  Mitarbeiter  des   Dass es die Großtrappen heute in Bran-
                  Fördervereins Großtrappenschutz e.V.   denburg gibt, ist auch und vor allem









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                            Großtrappen brauchen zum Überleben große offene Grünflächen


                  insgesamt 259 Vögel gezählt. Daran ha-  dem Biologenehepaar Bärbel und Heinz
                  ben die Naturschützer einen nicht un-  Litzbarski aus Nennhausen zu verdan-
                  wesentlichen Anteil. „Immer noch müs-  ken. Sie kümmern sich seit über 40 Jah-
                  sen wir beim Ausbrüten der Eier helfen.   ren um die Vögel und haben dafür ge-
                  Aus eigener Kraft hätten es die Groß-  sorgt, dass es die drei Schutzgebiete in
                  trappen nicht geschafft“, so Henrik   Brandenburg gibt. Als  in den  1990er
                  Watzke, Geschäftsführer des Vereins.   Jahren die Schnellbahnstrecke Hanno-
                  Ganze Gelege, die Weibchen legen zwei   ver – Berlin direkt durch das Trappenge-
                  bis drei Eier, werden eingesammelt und   biet gebaut werden sollte, haben sie be-
                  in den Brutkasten der Naturschutzsta-  wirkt, dass zahlreiche Maßnahmen zum
                  tion gebracht. Die Bodennester werden   Schutz der Vögel ergriffen wurden. Bis
                  sonst gern von Krähen und Füchsen ge-  heute profitiert die Population davon.
                  plündert. Außerdem sind die Hennen   Gleichzeitig war der Beweis erbracht,
                  während der Brutzeit sehr störungsan-  dass  Verkehrsinfrastrukturinteressen
                  fällig und geben nach Gelege schnell   und Naturschutz nicht nur unversöhn-
                  auf. Ein Zaun hilft da nur bedingt. „Vor   lich gegeneinander stehen müssen.
                  allem im Havelländischen Luch sind
                  aber auch in der freien Natur aufge-                Karen Schröder










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