Page 76 - Berlin vis-à-vis - Nr. 76 - Herbst 2018
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beitsweise, besonders durch den An- geboten werden, sondern in geringe- denburger Winzer zur großen Jung-
bau unbekannter und neuer pilzwider- rem Umfang auch Rotweine und Sekt. weinprobe. So viel ist mittlerweile
standsfähiger Rebsorten“, so Manfred Eine ähnliche Strategie verfolgen auch klar: Der Brandenburger Wein muss
Lindicke, promovierter Gartenbauin- andere Brandenburger Winzer. Sie ha- sich auch qualitativ nicht mehr verste-
genieur. 60 Prozent der Rebfläche, ben sich in der Fachgruppe Weinbau cken. Das wird zu verschiedenen An-
mittlerweile ist auch der traditionsrei- beim Landesverband Gartenbau Ber- lässen auch von Experten der traditio-
che Galgenberg in Werder wieder Wein- lin-Brandenburg e.V. zusammengetan. nellen Weinbaugebiete etwa aus dem
anbaugebiet, seien mit diesen neuen Durch neu gepflanzte Weinberge hat Rheinland und der Pfalz anerkannt.
Sorten, darunter Cabernet Blanc, sich auch die erzeugte Weinmenge So konnten sie auch bei diversen
Muscaris und Pinotin, bepflanzt. So deutlich erhöht. Im Jahr 2010 waren Weinprämierungen schon Preise ge-
könne man den Pflanzenschutz-Auf- es nur etwa 300 Hektoliter und im winnen. Nur von der Gastronomie und
wand drastisch herunterfahren. Es Jahr 2017 schon 1 337 Hektoliter. Je- den Hoteliers wünschen sich die orts-
sind also nicht nur Weißweine, die an- des Jahr im Frühjahr laden die Bran- ansässigen Winzer etwas mehr Unter-
stützung. „Denn zu einem regionalen
Essen gehört auch ein regionaler
„Denn zu einem regionalen Essen Wein“, davon ist Manfred Lindicke
überzeugt.
gehört auch ein regionaler Wein“, Neben dem Havelland gilt der Bran-
denburger Süden als Hauptweinbau-
76 davon ist Manfred Lindicke überzeugt. gebiet, so auch die Lausitz. Eine son-
nenverwöhnte Gegend. In Großräschen
ist ein Weinberg sogar auf einem ehe-
maligem Tagebaugelände entstanden,
direkt an der Abbruchkante, jedoch
auf natürlich gewachsenem Boden.
„Eine Besonderheit des Großräsche-
ner Weinbergs ist die Ausrichtung
nach Süden, bei einer Hangneigung
bis zu 33 Prozent, was weinrechtlich
eine Steillage bedeutet. Außerdem ha-
ben wir gut geeigneten Boden aus Ge-
schiebemergel“, so Winzer Andreas
Wobar. Die Großräschener Weine wer-
den im sächsischen Meißen ausge-
baut, auch hier pilzresistente Weiß-
weinsorten. Heute sitzt man auf den
Foto: weinbau-lindicke.de IBA-Terrassen und schaut gleichzeitig
auf den Weinberg und den gefluteten
Tagebau. Das gibt es nicht so oft in
Seit 2012 werden am Galgenberg Reben angebaut Deutschland zu sehen.
Karen Schröder
VIS76 BG5.indb 76 02.11.18 15:40

