Page 98 - Berlin vis-à-vis - Nr. 71 - Sommer 2017
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angebot. Schränke sind heute vor
allem Systemmöbel, deren Einzelbe-
standteile, Schübe, Einlegeböden, Foto: ANDERSEN Furniture
Kleiderstangen und Türen, deren Ober-
fl ächen und Maße bis hin zu Griffen
zunehmend individuell kombinierbar Stilvolles Aufbewahrungsmöbel: Der S3 byKATO, angeregt von den dänischen Klassikern
sind. Andererseits geht es um das be-
sondere Einzelmöbel. Ein Schrank ist
eben nicht nur ein Schrank, sondern
neben seiner Funktion, die verschie- von Gestaltern und Benutzern an. Das gangsbehauptung von der Verlegen-
densten Dinge zu beherbergen – toll Midcentury ebenso wie Moderneklas- heit der Designer beim Thema Schrank,
übrigens immer wieder Apotheker- siker und Industriemöbel liefern eine wird in alle Richtungen gedacht und
und Sammlerschränke – auch ein Fundgrube für Reeditionen, Zitate experimentiert: Materialinnovationen,
98 Statement, ein Objekt der Begierde, und Interpretationen. Aldo van de Ni- ökologische Herstellungsweisen, alt-
Zufallsfund oder Erbstück. Das Ver- euwelaars säulenartige und farben- neue Verbindungstechniken und Vere-
delungspraktiken. Die Zukunft macht
sich mit ersten Protagonisten bemerk-
bar: Es sind Schränke aus dem Drucker
(Kanada) und Roboterschränke, die zu-
gleich die Wäsche reinigen und nett
wieder einsortieren (Japan). Zuvor aber
werden Systemmöbel älteren Datums
gern auch zersägt, neu gefügt, gestri-
Foto: moooi.com chen und variiert, bis aus dem ein-
stigen Serienprodukt ein individuelles
(skulptural-architektonisches) Möbel
entsteht. Upcycling als ressourcen-
schonende Verfremdungstechnik ist
Patchwork: der Moooi Paper Schrank nach einem Entwurf der Agentur Job auch hier eine Erfolgsformel. Das Ma-
terial: alte und neue Hölzer, Metall,
schwinden des Schrankes als breit- frohe Rolltürenschränke gehören dazu Kunststoffe, satiniertes Glas, Beton,
schultriger Raumfresser geht einher oder der vom Designerduo byKato ent- matte und glänzende Anstriche vor
mit der Entdeckung des Einzelmö- worfene S3 Kabinettschrank auf ho- allem Sperrholz und MDF. Für den
bels. hen schwarzen Beinen mit mehrfar- freundlichen Kiefernschrank, er grüßt
Spätestens mit dem italienischen bigen Türen und Schüben. Aus einer aus den Neunzigern herüber und hat es
Memphis-Design der Achtziger, mit anderen Tradition schöpfte das Desi- ob seines Mangels an Raffi nesse ge-
seiner schrillen Buntheit, mit Glamour gnteam Studio Job und entwickelte rade nicht leicht, steht zumeist schon
und eklektizistischer Attitüde rückte den „Fränkischen Schrank“, eine Art der Farbeimer bereit.
der solitäre Schrank wieder ins Blick- Bauernschrank aus Papier für Urba-
feld und feuert seitdem die Phantasie nisten. Ganz im Gegensatz zur Ein- Anita Wünschmann
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