Page 21 - Berlin vis-à-vis - Heft 63 - Sommer 2015
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Die Menschen müssen Einsicht: Mehr Straßen bringen nicht weniger Stau sondern mehr Autos. Lust haben, hinaus auf Jan Gehl nimmt die alte europäische Stadt Siena mit ihrer muschelför- die Straße zu gehen. migen Piazza del Campo und die Fuß- gängerstadt Venedig als Konstante eines faszinierenden Lebensgefühls und setzt mit seiner Kritik am städte- Planer um. Aber seit 40 Jahren treibt wurde, ob die Straßen und Plätze der planerischen Konzept der Nachkriegs- er ein Umdenken im Städtebau voran. Alltagsperspektive der Menschen moderne an. Er fordert, nicht allein Dabei geht es um den Wandel der wirklich gerecht würden. Der Maßstab verschiedene Planungsblickwinkel zu Größenverhältnisse. Städteplanung der Sechziger war die Beschleunigung verschränken, sondern explizit vom kann nicht allein aus der Vogelper- schlechthin, ein Neubeginn und Auf- menschlichen Maß, den Sinnesein- spektive gelingen. Ein wichtiges Bei- bruch mit positiv gedachtem, weitem drücken und Bewegungstempi (Wie spiel dafür sei das „Brasilia-Syn- Raum. lange braucht man, um einen Platz zu drom“. Die in den Fünfzigern spekta- Die Kritik an der freien Bebauung, an überqueren? Wie zermürbend ist die kulär durchgeplante Millionenstadt entgrenzten Wohngebieten und an Wartezeit für Fußgänger an der Am- lasse von oben effektvolle Stadtsym- von Schneisen zerfurchten Städten pel?) des Menschen auszugehen, um bolik erkennen: der Adler mit ausge- lief spätestens seit den Achtzigern zur generell das Lebensgefühl, soziale In- breiteten Schwingen. Nicht bedacht Hochform auf. Damit kam auch die teraktion, Kommunikation und VIS_ART_Jan_Gehl_v3.indd 21 24.07.15 13:55
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