Page 46 - Berlin vis-à-vis - Heft 63 - Sommer 2015
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| PERSÖNLICHKEITEN BERLIN-MACHER DASS BERLIN DAZU VERDAMMT IST, IMMERFORT ZU WERDEN UND NIEMALS ZU SEIN, WUSSTE SCHON IM JAHR 1910 DER PUBLIZIST UND KUNSTKRITIKER KARL SCHEFFLER. EIN OFT ZITIERTER SATZ, DER NOCH HEUTE GILT. UMSO MEHR SIND MENSCHEN GEFRAGT, DIE VOR ODER HINTER DEN KULISSEN ETWAS BEWEGEN UND DIE STADT EIN STÜCK VORANBRINGEN. WIR STELLEN SIE IN JEDER AUSGABE VOR, DIE BERLIN-MACHER. DIESMAL PROF. HANS GEORG NÄDER. Der Mann kommt viel rum. So um die langen Schatten des Vaters ist der up-Leute in ihren kurzen Hosen auf der 200 Nächte im Jahr verbringt er in Ho- Sohn, der die Firma 1990 übernimmt, anderen Seite noch argwöhnisch be- 46 telbetten, die rund um den Globus ver- längst herausgetreten. Hans Georg Nä- äugt“, erinnert sich Näder. Aber das sei teilt in New York, London, Paris oder der ist dabei den von Max Näder einge- längst vorbei. Er selbst habe sich da ir- sonst wo stehen. Und doch treibt es schlagenen Weg zu einem globalen Un- gendwie „in between“ gefühlt, sagt der den Kosmopoliten förmlich nach Ber- ternehmen konsequent weiter gegan- Mann, der bei der offi ziellen Eröffnung lin, dorthin, wo 1919 sein Großvater gen und hat Ottobock zu einem unter seinem Jackett mit Poloshirt und Otto Bock den Grundstein für ein Un- internationalen Familienunternehmen buntem Seidenschal zu sehen ist und ternehmen gelegt hat, das heute mit 4.0 entwickelt. auch bei unserem Treffen ganz locker einem Umsatz von rund einer Milliarde „Erfi ndungen – globale Präsenz – der und leger rüberkommt. Allerdings sollte Euro und fast 8 000 Mitarbeitern Welt- Mensch“, sind für den 53-jährigen Un- man sich nicht täuschen: Da sitzt je- marktführer im Bereich Medizintechnik ternehmer die Fundamente für den mand, der weiß, was er will und wie er ist. An der Spitze dieses Unternehmens wirtschaftlichen Erfolg. Der wiederum es durchsetzen kann. „Ich bin so erzo- steht Hans Georg Näder, dessen Leben ermöglicht es ihm, auch in Berlin kräf- gen worden, Verantwortung zu überneh- am 4. September 1961 in Duderstadt tig zu investieren. 250 Millionen Euro men und zu führen“, sagt er und nennt beginnt. nimmt Hans Georg Näder in die Hand, gleich die unerlässlichen Attribute von In der niedersächsischen Stadt hat sein um das Gelände der alten Bötzow-Brau- „leadership“: Vertrauen und Verläss- Vater, der Schwiegersohn von Otto erei an der Prenzlauer Allee zu entwi- lichkeit. Bock, 1946 sozusagen die unterneh- ckeln und, wie er es formuliert, „die So kann man getrost davon ausgehen, merische Reset-Taste gedrückt. „Aus alte und neue Welt zusammenzufüh- dass der „Masterplan“ für das 24 000 dem Nichts baut Max Näder in Duder- ren“. Mit dem „Open Innovation Quadratmeter große Bötzow-Areal auch stadt ein neues Unternehmen auf, wäh- Space“ haben Ottobock und Fab Lab so umgesetzt wird, wie ihn Näder im rend Otto Bock in Königsee gegen seine Berlin dort gerade einen Ort der Begeg- vergangenen Jahr vorgestellt hat: Ne- Enteignung kämpft. Produktionsstand- nung und des Austausches für Kreative ben der Revitalisierung des Denkmals ort und neuer Lebensmittelpunkt der aus aller Welt geschaffen, die Zugang entstehen drei Neubauten, worin das Familie wird die Industriehalle einer zu 3-D-Druckern, Lasercuttern, CNC- Ottobock Future Lab, eine Brauerei mit ehemaligen Munitionsfabrik“, heißt es Fräsern und CAD-Software suchen, um Biergarten, Lebensmittelmanufakturen, in einer Broschüre, die zum 100. Ge- ihre Ideen in Prototypen zu verwandeln. Restaurants, ein Schwimmclub, ein burtstag von Max Näder dessen Ver- „Anfangs haben sich die Krawattenträ- Boutiquehotel mit Reha-Lofts und eine dienste um die Firma würdigt. Aus dem ger auf der einen Seite und die Start- Galerie ihren Platz fi nden werden. Bis VIS63_BG3.indb 46 24.07.15 16:08

