Page 37 - Berlin vis-à-vis - Nr. 76 - Herbst 2018
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In Berlin hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan. Beson-
ders im Osten der Stadt ist viel neuer Wohnraum entstanden.
Und es wird weiterhin gebaut, weil es immer mehr Menschen in
die Städte zieht. Denken Sie, dass Berlin auf den Wachstums-
kurs richtig vorbereitet ist?
Gewers: Berlin ist eine atypische Großstadt ohne richtiges Zent-
rum, es gibt die City West, die City Ost und mittendrin den Pots-
damer Platz sowie viele kleine ehemalige Dorfanger, die jetzt die
Mittelpunkte der Bezirke mit eigener autarker Struktur bilden.
Entsprechend heterogen passiert auch das Wachstum, es gibt kei-
nen Masterplan, wie und wo Wachstum passieren soll und nach-
haltig zur Stadtentwicklung beiträgt. Es gibt ein Konglomerat aus
Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen, die teilweise noch
die autofreundliche Stadt der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts
mit Stadtautobahnen zur Grundlage haben. Solche Planungs-
grundlagen müsste man proaktiv in die Gegenwart mit den neuen
Anforderungen und Rahmenbedingungen überführen, um sich auf
Veränderungen vorzubereiten. Berlin ist auf dieses Wachstum
nicht vorbereitet, weder inhaltlich noch strukturell.
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