Alles wird gut – Schlössertour durchs Havelland

Der Skulpturenpark Schlossgut Schwante wurde 2020 eröffnet und zeigt auf 15 Hektar Arbeiten von nationalen und internationalen namhaften Künstlern. Verstreut in der Weitläufigkeit des Schlossparkes lassen 29 Außenskulpturen uns den Park neu erleben [Foto: Steffen Höft]

Der bekannteste Schlossherr des Havellands, der Herr von Ribbeck, hat seine Berühmtheit einem Birnbaum und Theodor Fontane zu verdanken. Der Dichter liebte das Havelland. Doch auch die alteingesessenen Herren von Bredow und von Redern müssen sich nicht verstecken. Auch sie haben im Havelland eindrucksvolle Spuren hinterlassen und Schlösser, die es zu entdecken gilt. Dass auch Nichtadlige prachtvoll bauen und für architektonische Überraschungen sorgen können, bewies Ende des 19. Jahrhunderts der Berliner Geschäftsmann Richard Sommer.


Die drei Schlösser lassen sich bequem per Rad, Auto oder auch als Wanderung erkunden

Man hat den Eindruck, hier ist alles ein wenig grüner als anderswo in Brandenburg. Wasserläufe, Gräben und Feuchtgebiete prägen das Havelland. Wir sind in Schwante. Unser Ziel ist das dreiflügelige Schloss mit seinem 15 Hektar großen Skulpturenpark. Zur Einstimmung wird der Besucher mit den Worten empfangen: „Everything is going to be allright“. Als Leuchtschrift schweben die Buchstaben über dem nahegelegenen Teich. Und tatsächlich, hier mag man dem Satz glauben. In Schwante gehen Kunst und Natur eine gelungene Symbiose ein. Alte knorrige Apfelbäume schmücken das Gelände, und immer wieder überrascht ein anderes Kunstobjekt. Inzwischen sind es 29 Werke. Die riesige Streuobstwiese, die der Schlossherr selbst mäht, wird eindrücklich um verstreute Kunst bereichert. Gartenbistro und Hofladen laden während der Öffnungszeiten des Skulpturenparks die Besucher in ländlicher Atmosphäre ein.

Erasmus Wilhelm von Redern hatte einst das Schloss von 1741 bis 1743 errichten lassen. Heute gehört das Anwesen Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel. Beide arbeiten in Berlin als Kunsthändler und -berater. Schnell waren sie dem Charme des Ortes erlegen. 2019 haben sie das Schloss samt Park gekauft. Doch wie das Gelände nutzen? Es entstand die Idee für einen Skulpturenpark. „Uns war es wichtig, Kunst und Natur zusammenzubringen und dadurch den Skulpturenpark lebendig für unsere Besucher erfahrbar zu machen“, sagt Loretta Würternberger. Während das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert von der sechsköpfigen Familie rein privat genutzt wird, steht der Skulpturengarten von April bis Oktober dem Publikum offen. Doch auch im Winter bekommt man von außen einen Eindruck von der Idee, Kunst und Natur zu verbinden.

Natürlich kommen dem Besitzerpaar seine beruflichen Kontakte zugute. So ist es ihnen gelungen, Kunstschaffende wie Tony Cragg, Björn Dahlem, Maria Loboda und Ai Weiwei nach Schwante zu holen. Wie nah sich Kunst und Natur ihrem Wesen nach sind, wird an diesem Ort erlebbar. „Wunder von Schwante“ titelte ein Kunstmagazin.

Wer im Skulpturengarten noch nicht genug Natur hatte: Nichtweit vom Schloss beginnt der zweistündige Rundwanderweg um den Mühlensee, der auch in der kalten Jahreszeit ein Erlebnis ist. Besonders der Teil des Weges, der auf Holzstegen direkt über das Wasser führt, bleibt in Erinnerung.

Nur zweieinhalb Kilometer von Schwante entfernt warten in Sommerswalde das nächste Schlossensemble und die Möglichkeit, sich kulinarisch zu stärken. Das familiär geführte Restaurant „Forsthaus“ am Schloss mit Küchenchef Joachim Schöber passt in jeder Jahreszeit die Speisekarte entsprechend an. Frisch und regional ist die Küche, egal ob Fleisch, Fisch oder vegan. Allein das „Forsthaus“ mit dem ausgedehnten Außenbereich und den Sportmöglichkeiten ist schon einen Stopp wert. Aber gleich nebenan verblüffen das imposante weiße Schloss und die anderen architektonischen Hingucker in der Parkanlage. Gebaut hat sich das alles im Jahre 1891 der Berliner Geschäftsmann Richard Sommer. In Sommerswalde residierte er mit seiner Frau und zwölf Kindern wie ein Fürst. Die Familie Sommer war in Berlin reich geworden vor allem durch Immobilienspekulationen. So gehörten ihr Grundstücke rund um das Brandenburger Tor. Das Schloss in Sommerswalde selbst zeigt deutliche Ähnlichkeit mit Paul Wallots erstem Entwurf für das Berliner Reichstagsgebäude, auch wenn aus statischen Gründen in den 1920er-Jahren die Kuppel bereits wieder entfernt wurde. Heute hat im Schloss Sommerswalde eine buddhistische Gemeinschaft ihren Sitz. Auch die Nebengebäude folgten dem ausgefallenen Geschmack des exzentrischen Schlossbesitzers. Die „Orangerie“ wurde einst im Stil einer Moschee errichtet und der Pferdestall als „Rotes Rathaus“. Das alles ist umrankt von kuriosen Geschichten und Legenden. Besonders alles Orientalische hatte es Sommer angetan. So soll neben türkischen Prinzen auch der Begründer der modernen Türkei Kemal Atatürk im Havelland zu Gast gewesen sein.

Wer dann noch Zeit hat und länger im Havelland verweilen will, dem sei zur stilvollen Übernachtung das nächste Schloss empfohlen. In Schloss Groß Ziethen erwarten den Gast 44 individuell eingerichtete Zimmer. Am Abend ist das Restaurant „Orangerie“ geöffnet, wegen seiner regionalen nachhaltigen Küche vom aktuellen Slow Food-Führer empfohlen.

Bekannte märkische Adelsgeschlechter haben auf Schloss Ziethen ihre Spuren hinterlassen, bis heute. Den Grundstein legte im 14. Jahrhundert einst die Familie von Bredow. Später gehörte unter anderem Feldmarschall von Blücher zu den Besitzern. Nach den Jahren der DDR ist das Schloss heute wieder in Adelsbesitz. Das Hotel wird seit den 1990er-Jahren standesgemäß geführt von Familie von Thüngen-Reichenbach. Diese wiederum sind direkte Nachfahren der einstigen Schlossherren, derer von Bülow, alter märkischer Landadel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Karen Schröder

 

91 - Winter 2022/23
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