Ausflug in die Calauer Schweiz – Mit dem Rad zum Plinsen essen

Die etwa 35 Kilometer lange Rundtour im Naturpark Niederlausitzer Landrücken führt vorbei an Quellen, Mooren und Teichen zu den Plins-Dörfern und nach Altdöbern [Foto: Claudia Donat]

Die Schweiz ist in Brandenburg: Neben der Märkischen und der Ruppiner Schweiz ist die Calauer Schweiz die wohl weniger bekannte. Der Brandenburger freut sich eben über jeden Hügel und feiert ihn mit alpiner Begrifflichkeit. Beispielhalft dafür sind auch die Glindower Alpen. Wenn es nun auf eine Fahrradtour durch die Calauer Schweiz geht, braucht es kein Mountainbike, ein normales Tourenrad reicht völlig. Nur etwa 80 Höhenmeter sind zu überwinden, und auch die Strecke ist insgesamt gut befahrbar.

Als Ausgangspunkt der Tour bietet sich die Kleinstadt Calau an. In der Touristeninformation vor Ort kann man sich mit Kartenmaterial versorgen. Es geht südlich nach Werchow entlang des Sagenpfads. Auf zwölf Findlingen sind die Sagen der Region aufgeschrieben, darunter die vom Goldborn, einer eisenhaltigen Quelle, die in der Gegend sprudelt. Der Legende nach soll in ihr eine goldene Kutsche versunken sein und dem Quelltopf seine Farbe gegeben haben. Eine Zeitlang wurde das Wasser sogar zu Heilzwecken eingesetzt. Sie ist die ergiebigste sichtbare Quelle der Niederlausitz und Naturdenkmal. Ohne den nahen Tagebau wäre sie noch viel wasserreicher. Der nahegelegene Lugteich speist sich ebenfalls aus einer Quelle.

Südlich von Werchow befindet sich die „Hölle“, ein Hangmoor, dessen Revitalisierung derzeit losgeht. Durch wasserbauliche Maßnahmen soll eine Austrocknung verhindert werden. Dem ökologischen Wert von Mooren hat man in der Klimadiskussion einen hohen Stellenwert eingeräumt. „Waldmoore haben zudem für den Waldbesitzer den großen Vorteil, dass sie das Wasser für den umliegenden Waldbestand speichern und kleinklimatisch ausgleichend wirken“, so Udo List, Leiter des Naturparks Niederlausitzer Landrücken. In der Hölle gedeiht auch die Niederlausitzer Tieflandfichte, eine Varietät der Gemeinen Fichte. Als heimischer Baum ist er perfekt angepasst an die klimatischen Bedingungen der Gegend.

Weiter geht es bergan vorbei am 161 Meter hohen Kesselberg in Richtung Gosda, Zwietow und Weißag, die auch als die Plinsdörfer bekannt sind. Plinsen, Eierkuchen meist aus Hefeteig, sind eine Spezialität des Spreewalds und der Lausitz. In Zwietow betreibt Beate Richter einen Ferienhof. Jeden Sonntag backt sie zur Kaffeezeit in ihrem Gasthof „In den Bergen“ Plinsen. „Die Besonderheit in den Plinsdörfern ist der Buchweizen, auch Heedekorn, Heidekorn genannt, weil ihn heidnische Völker Asiens einst nach Europa brachten“, sagt sie. „Es handelt sich dabei ja nicht um Getreide, sondern um ein Knöterichgewächs“. Charakteristisch ist der herbe nussartige Geschmack. Buchweizen wird heute wieder in der Niederlausitz angebaut. Ohne Kunstdünger wächst er auch auf mageren Böden. Nordöstlich von Weißag ist der neue aus regionalen Klinkern gebaute 43 Meter hohe Aussichtsturm einen Abstecher wert.

Das nächste Ziel der Tour ist Altdöbern. Der Ort strahlt mit einem imposanten Barockschloss, Französischen Garten und weitläufigen Landschaftspark. In der liebevoll wieder errichteten Orangerie auf dem Schlossareal werden Eis, Kaffee und Kuchen serviert. Zur Zeit wird empfohlen, einen Tisch zu reservieren. Wer in Altdöbern die Tour beenden möchte, kann die Regionalbahn besteigen.

 

Der Radrundweg zurück nach Calau führt über Muckwar und Buchwäldchen. Die Strecke belohnt mit herrlicher Natur. Linkerhand des Weges liegt eine große alte Teichlandschaft, heute ein Naturschutzgebiet. Neun von den Zisterziensern im 17. Jahrhundert angelegte Fischteiche reihen sich aneinander, der größte von ihnen ist der Große Paul – ein Paradies für Kranich, Schwarzstorch und Seeadler. „Hier befindet sich auch ein landesweiter Schwerpunktbereich für den Erhalt der strenggeschützten Rotbauchunke.“, sagt Udo List vom Naturpark. Zusammen mit der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg kümmert er sich um den Erhalt und die Pflege dieses ökologisch wertvollen Gebietes. Veranlasst wurde beispielsweise der Rückbau des Kiefernwaldes mit dem Ziel, einen gesunden Mischwald zu begründen.

83 - Sommer 2020
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