Kunstwerke in der Blockchain

Der Künstler Beeple, mit bürgerlichem Namen Mike Winkelmann, war bis Februar 2021 auf dem klassischen Kunstmarkt völlig unbekannt. Der Digital-Künstler hat 5 000 Tage lang jeden Tag ein Bild kreiert und die Arbeit auf Tumblr veröffentlicht. Sein NFT-Bild, auf dem diese 5 000 Werke zu einer Collage zusammengefasst wurden, fiel bei Christie‘s auf, die gerade dabei waren, die erste NFT-Versteigerung im traditionellen Kunstmarkt der Geschichte zu initiieren. Das Werk wurde für 69,3 Millionen US-Dollar versteigert und brachte Winkelmann daraufhin in die Top 3 der teuersten lebenden Künstler [Foto: Ascannio, stock.adobe.com]

Die Technologie der Non-Fungible Token (NFT) spielt seit einiger Zeit eine wichtige Rolle bei der Vermarktung digitaler Kunstwerke. Dabei werden die Eigentumsrechte in einer Blockchain-Datenbank eingetragen, die durch kryptografische Methoden und eine vielfache Verteilung im Internet fälschungssicher gemacht wird. NFT ist in den letzten Jahren bei Künstlern und Sammlern immer populärer geworden. Aber was genau ist von diesem Hype zu halten? Die Berliner Künstlerin Romy Campe beschäftigt sich aktuell mit NFT-Kunst, bleibt dabei aber trotzdem bei Farbe und Pinsel.

 


Romy Campe ist Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin [Foto: Kunstleben Berlin, Bildausscnitt: BEOND NOW von Romy Campe]

 

Ihre Bilder vermitteln eine altmeisterliche Aura, da denkt man nicht an Computer. Was fasziniert Sie an NFT-Kunst?

Ich bin eine klassische Künstlerin, male und zeichne also auf Leinwand, Holz oder Papier. Doch seit einiger Zeit fesselt mich das Thema NFT so sehr, dass ich gerade an meiner ersten NFT-Kollektion arbeite.

Was genau sind NFTs?

Die Abkürzung NFT (Non-Fungible Token) steht für ein einzigartiges, digitales Kennzeichen, dass auch als Echtheitszertifikat zu verstehen ist. Besonders ist, dass man dieses Kennzeichen weder ersetzen, noch kopieren kann, da es dezentral, also auf vielen Servern, in den sogenannten Blockchains gespeichert wird und somit auch für Hacker nicht angreifbar ist.

Wozu genau dienen NFTs überhaupt, abgesehen von Kunstwerken?

Sie werden genutzt, um digitale Dateien oder Kunstwerke zu markieren. Aber auch um Verträge zu sichern, etwa im Finanzsektor, oder um reale Gegenstände, wie Luxusuhren oder Designertaschen, zu zertifizieren und digital handelbar zu machen. Wichtig bei einem NFT ist die Exklusivität, die man kauft. Im Prinzip erwirbt man einen exklusiven Eintrag auf der jeweiligen Blockchain, der an das jeweilige Produkt geknüpft ist.

Welche Rolle werden NFTs in Zukunft spielen?

NFTs werden bald überall in unserem Leben eine Rolle spielen. Ob wir nun Konzert- oder Fußball-Tickets kaufen, die durch NFTs kontrolliert ausgegeben werden und somit nicht mehr auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden können. Oder ob es Teilnehmerzertifikate sind, die wir automatisch erhalten oder Verträge aller Art, die in Zukunft sicher und dauerhaft in einer Blockchain gespeichert werden, und damit möglicherweise sogar Notare überflüssig machen.
Und wie wird sich die Kunstwelt verändern?

Für Kunstschaffende und andere Akteure des Kunstbetriebs, wie Galerien oder Museen, bieten NFTs eine neue Möglichkeit, Kunst sichtbar zu machen, mit ihr zu handeln sowie neue Märkte zu erschließen. NFTs haben in manchen Kreisen einen regelrechten Hype ausgelöst, der damit einhergeht, dass unvorstellbare Summen für digitale Bilder gezahlt werden. Ein bekanntes Beispiel ist der Digitalkünstler Beeple alias Mike Winkelmann, dessen Werk „Everydays“ für knapp 70 Millionen Dollar versteigert wurde.

Worin sehen Sie den Erfolg der „Bored Apes“ begründet?

Der Bored Ape Yacht Club ist meiner Meinung nach zu Recht das erfolgreichste NFT-Projekt aller Zeiten. Das Konzept und das Team sind fantastisch. Yuga Labs, das Startup hinter dem Bored Ape Yacht Club, wird mittlerweile mit rund vier Milliarden Dollar bewertet. Das günstigste computergenerierte Affenbild kostet derzeit etwa 290 000 Euro. Superstars wie Eminem präsentieren stolz ihren Affen als Profilbild in ihren Social Media Accounts und so wird der Affe zum neuen Statussymbol. Dabei geht es um Marketing, um Community-Aufbau und um Wertschaffung durch Verknappung. Mit Kunst hat das nicht viel zu tun.

Wie wirkt sich die NFT-Technologie auf den klassischen Kunstmarkt aus?

Wesentlich für Kunstschaffende wird sein, dass auch der klassische Kunstmarkt mit seinen Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen an NFTs nicht vorbeikommen wird. Gerade hier eröffnen sich wirklich spannende Märkte und Berufsfelder. Physische Kunst digital handelbar zu machen, ist ein nachhaltiger Mehrwert und eine enorme Chance.

Sie sagen, die Blockchain steht für Dezentralität und Chancengleichheit. Wer profitiert davon?

Die ersten, die in diesem Markt mitspielen, sind die Künstlerinnen und Künstler selbst. Galerien müssen anfangen, über neue Businessmodelle nachzudenken und sich fragen: Wie kann die Rolle einer Galerie in der Zukunft aussehen.

Sie kreieren gerade Ihre eigene NFT-Kollektion mit dem Titel ROMS.

ROMS ist zunächst ein Experiment, um herauszufinden, was NFT für den klassischen Kunstmarkt insgesamt bewirken kann. Ich nehme jeden, der Interesse hat, auf meine persönliche NFT-Reise mit. Von der Entstehung der Kunstwerke, dem Finden von Partnern, der Vermarktung, bis hin zum hoffentlich erfolgreichen Minting, wie man das Eintragen in einer Blockchain nennt. Ab diesem Moment ist das NFT auch handelbar.

Wie ist Ihre Vorgehensweise in diesem Experiment?

Ich habe mich für eine Kombination aus physischer Kunst, gepaart mit digitaler Bearbeitung (Animation) entschieden. Das nennt man „digitale Zwillinge“, da es einerseits das physische Kunstwerk gibt (in meinem Fall die Malerei-Collage) und ein digitales Kunstwerk, das sich vom physischen in einigen Details wie der Animation unterscheidet. Auf kunstleben.art werden wir in Zukunft über das Projekt berichten. Im Juli gibt es auch das erste NFT-Camp, bei dem wir Leute aus der Kunstwelt fit für die NFT-Welt machen wollen.

Danke für das Gespräch.

Ina Hegenberger

 

NFT steht für „Non-Fungible Token“
(übersetzt: nicht austauschbares Kennzeichen)
Blockchain ist eine Datenbank, die durch kryptografische Methoden
und eine vielfache Verteilung im Internet fälschungssicher gemacht wird
Minting ist der Prozess, mit dem NFTs bzw. Tokens erzeugt und in der
Blockchain unveränderlich eingetragen werden
NFT-Statussymbole sind meist computergenerierte Profilbilder wie,
z. B. Bored Ape Yacht Club
Digitale Kunst ist rein digitale erzeugte Kunst, z. B. Beeple
Verbriefte Kunst ist ein reales Kunstwerk (z. B. Gemälde), das
digitalisiert und als NFT digital handelbar gemacht wird
Digitale Zwillinge nennt man ein reales Kunstwerk, das sich von seinem digitalen Zwilling unterscheidet, z. B. durch eine Animation

 

 

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