Auto News von Reinhard Wahren: Das Maß aller Dinge

Die Zukunft der Mobilität könnte so aussehen: BMW i Vision Circular [Foto: BMW Group @ IAA Mobility 2021]

Ein zu 100 Prozent recycelbares Auto, mit einem von der Produktion bis zur Verschrottung komplett emissionsfreiem Autoleben, aus nachwachsenden Rohstoffen und Recycling-Aluminium hergestellt, ohne Lackierung und mit einem Akku, der ebenfalls aus wiederverwendbaren aufbereiteten Materialien besteht – ein solches Zukunftsauto gibt es bereits tatsächlich, leider aber nur als Konzeptversion. Vorgestellt auf der IAA, präsentierte BMW die Studie BMW i Vision Circular und gab so schon mal vor, wie sich der Münchener Premiumhersteller die Zukunft der Mobilität vorstellt, zumindest die der Kompaktwagen.

Nicht ganz so futuristisch, aber als neuer Technologieträger gefeiert, zeigt sich indes das rein elektrische SUV BMW iX, das sowohl in puncto Reichweite, Vernetzung, Multimedia und automatisiertem Fahren für BMW derzeit das Maß aller Dinge ist. Gern als Flaggschiff bezeichnet, vereint das Oberklasse-SUV alles, was zur Zeit technisch möglich ist und schrittweise auch in die künftigen Modelle einfließen wird sowie bereits eingeflossen ist, beispielsweise in das Gran Coupé BMW i4, das ebenso wie der iX bereits im nächsten Jahr ausgeliefert werden soll. So verstehen sich die neuen Stromer als Nachfolger der ersten i-Generation von BMW.
Dass der BMW iX nun neue Maßstäbe setzt, wird an vielen Stellen deutlich. Mit 523 PS Systemleistung und einer Reichweite bis zu 630 Kilometern, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 200 Kilometern angegeben, ist nur ein kleiner Teil der neuen iX-Qualität beschrieben.

Wirklich zukunftsweisend ist die Implementierung des Wagens mit dem 5G-Mobilfunkstandard. Dadurch wird die schnelle Übertragung von Daten möglich, auch in eine externe Cloud – und das autonome Fahren auf Level 3. Dabei überwachen fünf Kameras, fünf Radar- sowie zwölf Ultraschall-Sensoren ständig das Umfeld des iX und unterstützen den Fahrer beim Fahren, Rekuperieren, Spur halten und Parken. Der Fahrkomfort des iX erfüllt zudem höchste Ansprüche, das Fahren ist auch bei Tempo 200 nahezu geräuschlos. Wem das unheimlich ist, der kann am „Curved Display“ mittels Touchbefehl oder per Sprache den synthetischen „Iconic Sound“ zuschalten, exklusiv für BMW vom Filmmusikproduzent und Oscar-Preisträger Hans Zimmer komponiert. Der Sound richtet sich nach Fahrmodus und Geschwindigkeit. Allzu sehr sollte man sich beim Fahren aber nicht in ein bestimmtes Klangbild verlieben, sonst gerät das Straßenverkehrsgeschehen leicht zur Nebensache. Ein derartiger Technologieträger wie der iX hat natürlich seinen Preis.

Das BMW SUV iX 50 kostet ab 98 Tausend Euro, der iX40 mit kleinerer Batterie ab 77 Tausend Euro. Nicht unbedingt wesentlich preiswerter ist dagegen der BMW i4. Für die Limousine sind immerhin noch rund 70 Tausend Euro aufzubringen.

Wenn diese Preise nicht sinken, werden etliche KundInnen zur Konkurrenz gehen. Die trägt den Namen eines berühmten Elektroingenieurs.

 

Das beste Auto der Welt


Foto: © Mercedes-Benz AG

Die S-Klasse von Mercedes ist so etwas wie das Nonplusultra eines Straßenautos, einer Ikone gleich, der Leuchtturm einer Automarke. So gilt die S-Klasse allseits bislang als „bestes Auto der Welt“, vielen gar als Traumauto. Jetzt müsste es nur noch in die elektrische Zukunft fahren und das „S“ würde weiterhin für die oberste und perfekteste Fahrzeugkategorie von Mercedes-Benz stehen. Doch für die Transformation schien dem Stuttgarter Konzern die S-Klasse wenig geeignet. Ein neues Modell, ein noch besseres, musste her, der EQS.

Tatsächlich ist am EQS alles anders, das Design, der futuristische, nahezu überwältigend gestaltete Innenraum, automatisiertes Fahren auf Level 3, die eigenständig konstruierte elektrische Baureihe. Nur die großen separaten Bildschirme der Basisvariante erinnern an die S-Klasse. Ab 2022 soll der Wagen auf Autobahnen bei Stop-and-Go bis Tempo 60 im Level 3 autonom fahren können. Im Stadtverkehr steigert die Allradlenkung des EQS noch das ohnehin schon angenehme Fahrgefühl.

Mit dem Einstiegsmodell EQS 450 gelingt der Spurt von Null auf Tempo 100 in 6,1 Sekunden, bei abgeregelten 210 Kilometern pro Stunde. Im Normalbetrieb sind Reichweiten zwischen 500 und 600 Kilometern erreichbar. Der EQS 580 legt dagegen den Spurt in nur 4,3 Sekunden zurück und kommt fast 700 Kilometer weit.

Einzig die Reichweite bei sehr langen Strecken ist ein Wermutstropfen. Schnelles Fahren geht natürlich immer zu Lasten der sonst durchaus ansprechenden ausgewiesenen Basisreichweite, ganz abgesehen von den Lademöglichkeiten unterwegs. Aber das ist kein autospezifisches Problem mehr. Wenn die entsprechende elektrische Infrastruktur vorhanden ist, wird der EQS das beste Auto der Welt sein.

 

Erstes VW Elektro-SUV-Coupé


Der ID.4 kommt mit einem völlig neuen Raumkonzept, das Freiheit verspricht [Foto: Volkswagen AG]

Getreu seiner Elektrooffensive bringt der Volkswagenkonzern im nächsten Jahr sein erstes Elektro-SUV-Coupé auf den Markt. Nach ID.3, ID.4 heißt es folgerichtig ID.5. Volkswagen bringt nicht nur den ID.5 als erstes SUV-Coupé, auch eine Sport-Version GTX krönt die Baureihe. Rund 500 kg wiegt die Batterie, die serienmäßig 77 kWh speichert. Sie hält Strom für zwei Motoren bereit, wobei der hintere permanent arbeitet und rund 200 PS leistet. Wird mehr Leistung benötigt, schaltet sich der vordere Motor hinzu und unterstützt mit weiteren 100 PS.
Technisch sind das ID.5 Coupé und der ID.5 GTX identisch. Für das SUV wird eine Reichweite von rund 480 Kilometern angegeben. Angeblich schafft der GTX dank seiner windschnittigeren Karosserie fast 500 Kilometer. Für 200 Kilometer reichen zwanzig Minuten an der Schnellladesäule. Im Übrigen ist der ID.5 in der Lage, Software-Updates „Over-the-Air“, also drahtlos über Funkstandards, zu empfangen, und verfügt über alle heute üblichen Assistenzsysteme, bis hin zum assistierten Fahren. Neu sind integrierte Car-to-X-Technologien, über die die FahrerInnen Informationen von äußeren Sendeeinheiten empfangen können, beispielsweise Warnmeldungen über ein Einsatzfahrzeug mit Signalfahrt.

 

Zweirad-Alternative


Elektroroller für die Zukunft? [Foto: BMW Group]

Noch nicht im Trend, aber zukünftig könnten Motorroller eine echte Alternative zum Auto sein, zumindest für Kurzstrecken und in der Stadt. So sieht man das auch bei BMW und hat mit dem CE 04 vorgelegt. Ob ein Elektroroller wirklich zu einem neuen Trendmobil werden kann, hängt letztlich von der potenziellen Käufergruppe ab, die hauptsächlich im Motorradkundenkreis zu finden ist. Am BMW CE 04 wird das nur allzu deutlich. Der Motorroller wiegt immerhin rund 230 Kilogramm und hat 15 PS. Damit fällt der Scooter in die 125er-Klasse und AutofahrerInnen benötigen den so genannten B196-Schein. Der scheint allerdings derzeit sehr gefragt zu sein, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamts hervorgeht. Ein Zeichen dafür, dass der Umstieg auf ein Zweirad oder als Alternative zum Auto durchaus von verstärktem Interesse ist. Zumal, wie beim CE 04, die Höchstgeschwindigkeit mit 120 Kilometer pro Stunde und der Ampelspurt von Null auf Tempo 50 in 2,6 Sekunden für kürzere Strecken oder in der Stadt völlig ausreichend ist. Bei vollem Akku beträgt die Reichweite bis zu 130 Kilometer. Aufladen an der Steckdose oder Ladesäule dauert über vier Stunden. Viel schneller geht es mit einem stärkeren Ladegerät. Ansonsten wird Sicherheit beim CE 04 groß geschrieben. Zur Serienausstattung gehören Traktionskontrolle, Kurven-ABS, Fahrmodi, großes TFT-Farbdisplay mit Kartennavigation und Konnektivitätsfunktionen. Rund 12 Tausend Euro kostet der Elektroroller CE 04. Seine Auslieferung soll im Frühjahr 2022 starten.

 

87 - Winter 2021/22
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