Fluch oder Segen? – Auto News von Reinhard Wahren

Zu zweit Roller fahren gehört neuerdings zum Stadtbild [Foto: obs/Präventionskampagne kommmitmensch/tomas rodriguez]

Kaum waren die E-Scooter auf der Straße, ließen die Debatten über die neuen Verkehrsteilnehmer nicht lange auf sich warten. Während die einen sie als umweltfreundliche Mobilitätsergänzung für die Stadt feiern, weil sie wie E-Roller und Pedelecs den Straßenverkehr entlasteten, für bessere Luft und außerdem noch für ordentlich Fahrspaß sorgen, sehen andere die Leihscooter als gefährliche Hindernisse im Straßenverkehr mit häufig rücksichtslosen Fahrern. Oder sie werden als lästige Spielzeuge abklassifiziert, die hauptsächlich von Touristen und Schülern benutzt werden und den hektischen Großstadtverkehr noch gefährlicher machen.

Tatsächlich unterschätzen viele Fahrer die angeblich so leicht zu bedienenden Fahrgeräte, die immerhin bis zu 20 Stundenkilometer schnell sein können. Zwar sind E-Scooter grundsätzlich nur auf Radwegen und Radfahrstreifen erlaubt, doch wo diese fehlen, darf auf die Fahrbahn ausgewichen werden. In Berlin und anderen Großstädten gab es bereits schwere Unfälle und nicht wenige Stürze. Die häufigsten Unfallursachen: Fahren unter Alkoholeinfluss, Fahren mit Kopfhörern und Handybenutzung, keine Ankündigung von Fahrbahnwechsel und Richtungsänderungen oder Fahren zu zweit. Selbst wenn die E-Scooter abgestellt sind, oft mitten auf Gehwegen, können sie zu Stolperfallen für Fußgänger werden. Abends sammeln Mitarbeiter der Anbieterfirmen, die Juicer oder Hunter, wie ihre originellen Jobbezeichnungen lauten, die überall abgestellten Roller ein, um sie über Nacht aufzuladen. Manchmal muss auch die örtliche Polizei eingeschaltet werden, wenn offensichtlicher Vandalismus vorliegt: In Paris landeten beispielsweise schon E-Scooter in der Seine und in Marseille im Hafenbecken.

Dennoch scheint der E-Scooter-Trend kein vorübergehendes Phänomen zu sein. Die neue Mikromobilität gilt als großes Zukunftsgeschäft – als ein Milliardenmarkt weltweit, an dem aber auch die Autofirmen mitverdienen wollen, wie Audi mit dem e-tron Scooter zeigt. Der soll die Fahrdynamik eines Skateboards mit der Wendigkeit eines E-Scooters verbinden, wie Audi verlauten lässt, zwanzig Kilometer weit fahren können und mit kompletter Beleuchtung ausgestattet sein. Für zweitausend Euro wird der e-tron Scooter ab 2020 bei den Händlern stehen. Audi erwägt auch, ihn als Zubehör beim Kauf eines Audi e-tron anzubieten, aufzuladen im Kofferraum an einer eigens installierten Steckdose.

Längst tummeln sich Start-ups und andere Anbieter auf dem neuen Markt der Mikromobilität. Alle mit dem Anspruch, möglichst das perfekte Stadtfahrzeug zu kreieren. Wie der schweizerische Hersteller vRbikes mit dem vR3city, einem dreirädrigen Elektrofahrzeug, das im Stadtverkehr vielerorts beispielsweise als Zustellfahrzeug, Kommunal- und Einsatzfahrzeug oder für Transportaufgaben zum Einsatz kommen soll. Dafür stehen sein kleiner Wendekreis, 120 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometer pro Stunde. Die Markteinführung beginnt im Frühjahr 2020. Ob derartige E-Fahrzeuge allerdings in größerem Maße angenommen werden, bleibt abzuwarten. Es ist zu erwarten, dass immer mehr Anbieter auf den erklärten Zukunftsmarkt für E-Roller, welcher Ausführung auch immer, drängen werden.

 

Elektrischer Overbooster


Alltagstauglicher Porsche mit 800-Volt-Netz für kurze Ladezeit und lange Reichweite [Foto: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG]

Mit dem Taycan ist Porsche im Zeitalter der Elektromobilität angekommen. Und dies gleich mit einem Stromer der Superlative. Denn im Overboost-Modus – einer kurzzeitigen Erhöhung des Motorladedrucks über den normalen Maximalwert – kommt der Taycan kurzzeitig auf 760 PS gegenüber seiner Grundleistung von 680 PS. Dass solche Leistungen nicht im normalen Straßenverkehr abgerufen werden, liegt auf der Hand. Deshalb gibt es den Range-Modus, der die Höchstgeschwindigkeit von Tempo 260 auf 150 Kilometer pro Stunde abriegelt. Das könnte der Fall sein, wenn die Batterie nicht mehr hinreichend geladen ist. Im Öko-Modus geht die Abriegelung sogar bis Tempo 90. Alltagstauglich erweist sich der Taycan dann aber vor allem dank seines 800-Volt-Bordnetzes. Das ermöglicht nicht nur kurze Ladezeiten, sondern auch ordentliche Reichweiten. Für 400 Kilometer reichen Ladezeiten von 15 bis 20 Minuten, vier Minuten immerhin schon für 100 Kilometer, freilich nur an den Ultraschnellladern.

So setzt Porsche mit dem Taycan nicht nur neue Maßstäbe in punkto Elektrifizierung, Effizienz und Alltagstauglichkeit, sondern geht auch neue Wege in der Produktion. Die neue Taycan-Fertigung im Zuffenhausener Stammwerk wurde in vier Jahren völlig neu konzipiert. Statt Fließband arbeiten jetzt in der so genannten Flex-Linie fahrerlose Transportsysteme. Das neue Fabrikkonzept soll dazu beitragen, den Taycan auf nachhaltige Weise zu produzieren. Anfang 2020 sollen die ersten Modellvarianten des Taycan ausgeliefert werden.

 

Sportlicher denn je


Golf 8 GTI kommt [Foto: Volkswagen AG]

Kaum ist die Premiere des neuen Golf 8 Geschichte, wartet die GTI-Gemeinde sehnsüchtig auf die neue Sportausführung. Dass VW seine sportlich ambitionierten FahrerInnen nicht vernachlässigen will, wird der neue Golf 8 GTI eindrucksvoll zeigen, zumindest nach dem, was bisher bekannt ist. Dann rollt der 2,0-Liter-Turbobenziner mit 245 statt mit 230 PS vom Band. Anstelle der vielen Steuergeräte fungiert ein zentraler Autocomputer, der auch das autonome Fahren nach Level 3 – beispielsweise mit selbständigem Spurwechsel auf der Autobahn – möglich macht. Viel wichtiger für die GTI-Klientel wird aber die noch einmal verbesserte Fahrdynamik sein. Über fast 5 Sekunden von Null auf Tempo 100 wird spekuliert, statt bisher 6,4 Sekunden. Derart bedient zu werden, können GTI-FahrerInnen ab Sommer 2020 hoffen.

Ähnlich aufgerüstet wird VW zur gleichen Zeit den neuen Arteon R präsentieren. Dann wartet das Topmodell der Oberklasse mit 300 PS auf, bisher genügten 280 PS. Wohl auch der Tatsache geschuldet, dass der Anspruch, die Motorleistungen bei den Sportlern in die Höhe zu treiben, auch andere Modelle betrifft. Beispielsweise soll es irgendwann eine R-Version des VW Golf 8 geben mit über 300 PS.

 

Ewiger Filmstar


Der berühmte Dino aus „Die 2“ [Foto: wikipidia/thesupermat]

Auffällige, extravagante Sportwagen sind bis heute aus Hollywood- und TV-Produktionen nicht wegzudenken. Ferrari-Modelle nahmen darin schon immer einen besonderen Platz ein. Vor 50 Jahren war es der Dino 246 GT, der einen ersten Filmauftritt in der TV-Serie „Die 2“ hatte. Darin löst das ungleiche Detektiv-Duo Lord Sinclair (Roger Moore) und der Geschäftsmann Danny Wilde (Tony Curtis) ungeklärte Fälle auf unkonventionelle Weise. Ihr Ferrari der Marke „Dino“ geht auf Enzo Ferraris 1956 verstorbenen Sohn Alfredo, genannt Dino, zurück. Die Dino-Baureihe nahm die prägende Designlinie der legendären Sportwagenschmiede vorweg und begründete die Nachfolgemodelle, wie den Ferrari 308 GTS. Den hatte sich Tom Selleck als Thomas Magnum in der US-amerikanischen Fernsehserie 1980 auserkoren. Der selbsternannte Privatdetektiv auf Hawaii ist dabei ohne seinen knallroten Ferrari nicht denkbar. Zu den Stilikonen der 1980er-Jahre gehören auch die Cops aus der Fernsehserie „Miami Vice“, eine der populärsten TV-Serien dieser Zeit. Die stylischen Rauschgiftfahnder Sonny Crockett und Ricardo Tubbs in ihrem weißen Ferrari Testarossa durch das nächtliche Miami atmosphärisch aufgeladen im Schatten der Unterwelt fahren zu sehen, ist legendär und war ultimative Fernsehunterhaltung.

 

80 - Herbst 2019
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