Potsdamer Pomologische Geschichten

Kirschen für den König. Äpfel fürs Volk. Beste Birnen bei Hofe. Maulbeeren zwischen Glaube und Hoffnung. Melonen für den Monarchen. Und: Bittere und süße Orangen. So heißen Bücher im kleinen vacat verlag, die als Potsdamer Pomologische Geschichten erscheinen und alle irgendwie mit dem höfischen Leben in Sanssouci zu tun haben. Sieben sind es bis jetzt, und ein Ende ist glücklicherweise nicht abzusehen.

Schließlich waren die Könige in Potsdam und ihre Anverwandten von Stand nicht unschuldig daran, dass Birnen aus Frankreich zu uns kamen und erst ihre Gärten füllten und dann unsere. In ihren herrlichen Orangerien reiften Zitrusfrüchte. Sie pflanzten Maulbeerbäume, um Seidenraupen mit deren Blättern zu füttern, und jeder Hochzeiter im Brandenburgischen musste zuerst einen Obstbaum pflanzen. Jetzt also Erdbeeren für Prinzessinnen.

Kleine Preziosen sind die Bücher dieser handverlesenen Reihe – und bereits zweimal ihrer Schönheit wegen ausgezeichnet worden. Sie sind fast quadratisch und gerade eine Handspanne hoch mit handgemaltem farbigen Schnitt und allerliebstem Vorsatzpapier, auf dem Blumen blühen, Schmetterlinge taumeln oder allerlei Früchte ausgebreitet sind. Auf hundert Seiten zwischen historischen Abbildungen und einer Handvoll verlockender alter Rezepte wird kulturgeschichtlich, botanisch und kulinarisch die Potsdamer Geschichte der jeweiligen Frucht ausgebreitet. Einfach köstlich. Appetitlich anzuschauen. Allerfeinstes Buchhandwerk aus dem Potsdamer vacat verlag.

Den gibt es seit 14 Jahren. Als Betina Müller und Frank-Michael Feller sich kennenlernten, ging‘s ruckzuck. Die Norddeutsche mit Grafikbüro auf dem Ku’damm und der Bayer vom Wannsee gründeten vacat, was lateinisch ist und „da fehlt was“ heißt und gleichzeitig ein drucktechnischer Fachbegriff für eine leere Seite ist. Wie passend, denn Betina Müller hat seit Gründung des Fachbereichs Design 1992 an der Fachhochschule Potsdam eine Professur für typographische Gestaltung. Irgendwann wollte sie nicht mehr nur über Gestaltung reden, sondern machen.

Jetzt hat der vacat verlag etwa 50 Bücher im Programm, auch Lyrik, und für ihren schmalen Band über die Geschichte des Orangenpapiers konnten Betina Müller und Frank-Michael Feller seit dessen Erscheinen 2007 gleich zwei Designpreise einheimsen. Fast so delikat wie Orangenpapier ist das Buch, denn sie hatten hauchdünnes Papier sowohl für die Innenseiten als auch für den Umschlag gewählt.

„Manche unserer Bücher sind schon Sammelstücke“, freut sich Frank-Michael Feller, der umher reist, um die Verlagspreziosen an den Leser zu bringen. Betina Müller als Frau vom Fach achtet darauf, dass jedes Buch gleich sorgsam gestaltet und hergestellt wird.
Herausgeberin der Potsdamer Pomologischen Geschichten ist immer Marina Heilmeyer. Sie wählt die wissenden Autoren aus und bearbeitet alle Texte. Betina Müller findet die von ihr gestalteten Bücher auf eine gute Art altmodisch in Ausstattung und Gestalt, etwas, was es so nur in Deutschland gibt. „Das macht sie wertig“, sagt sie. „Bücher sind für mich etwas Bleibendes.“ Für mich sind die Früchte-Bücher aus dem vacat verlag Geschenke, die man sich sehr gern selber macht.

Die Buchreihe Potsdamer Pomologische Geschichten wurde mit dem Designpreis des Landes Brandenburg 2008 ausgezeichnet und soeben für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2010 nominiert.  

Inge Ahrens

 


Buchtipps
Erdbeeren für Prinzessinnen herausgegeben von Marina Heil Meyer mit Beiträgen von Clemens Alexander Wimmer, Birgid Mory, Gerd Schurig und Michael Seiler
104 Seiten, 142 x 185 mm, ISBN 978-3-930752-48-5, 15 Euro
 

Verhüllt um zu verführen. Die Welt auf der Orange von Dirik von Oettingen
128 Seiten, 237 x 157 mm, ISBN 978-3-930752-47-8, 28 Euro


Meisterwerke für uns’ren Gaumen.
Max Liebermanns Geselligkeit und feine Küche von Ursula Hudson-Wiedenmann
Mit Rezepten von Julie Elias, Texten und Illustrationen aus dem Liebermann-Kreis und Photographien von Angelika Fischer
144 Seiten, 235 x 160 mm, ISBN 978-3-930752-46-1, 26 Euro

 

Informationen
www.vacatverlag.de


 

40 - Herbst 2009