Was wäre ein Leben ohne Wein

Es ist schwierig, in einer Stadt wie Berlin der einzige zu sein, der etwas macht. Die Konkurrenz schläft nicht und meist war schon jemand schneller. Nicht in diesem Fall: „Ich bin der einzige Gastronom Berlins, der ein eigenes Weingut bewirtschaftet“, sagt Herbert Beltle. In Kallstadt, einem der berühmtesten Weinorte in der Pfalz, hat er fünf Hektar Weinberge gekauft und 2005 das Weingut „Horcher“ eröffnet. Herbert Beltle, der mittlerweile bereits zehn Hektar bewirtschaftet, engagierte mit Wolfgang Grün einen erfahrenen  Diplom-Önologen – und legte los. Auf allen Flaschen prangt ein elegantes, schlichtes „H“. Es steht nicht für Herbert. Es steht für „Horcher“. Das „Horcher“ war das beste Restaurant Berlins in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Im Adlon wohnte man. Im Horcher speiste man; hier galt die Devise, den Gäs-ten den Zauber des Nichtalltäglichen zu bieten. Zu den Gästen in Berlin gehörten neben Industriellen und Politikern Charlie Chaplin, Richard Tauber war Stammgast, Fritzi Massary reservierte hier ebenso gern wie der Dichter Franz Werfel. Das „H“ verpflichtet, damals wie heute. „Unser Ziel ist es, zu den besten Weingütern Deutschlands zu gehören“, sagt Beltle. Und was er anpackt, verwandelt er mit Können und Fleiß zum Erfolg: „Altes Zollhaus“, „Aigner am Gendarmenmarkt“, „Weingrün“ sind Orte, die man gern immer wieder besucht. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, Alt-Kanzler Gerhard Schröder, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gehören neben vielen weiteren Prominenten zu den Fans des Küchenchefs. Und wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel Gäste hat, lässt sie ebenfalls gern bei Herbert Beltle anrufen. Ein Staatsbankett gehört mittlerweile zu den Routineaufgaben des Küchenchefs und seines Teams. Die Weinbegleitung? Gerne was von Horcher.

Das Weingut „Horcher“ produziert Riesling, Grauburgunder, Merlot, Sauvignon Blanc, Spätburgunder, Chardonnay. Anfangs musste der Kallstädter Boden revitalisiert werden. Und  dabei helfen vor allem Regenwürmer, viele, viele Regenwürmer. Sie sind sozusagen die zuverlässigsten freien Mitarbeiter des Berliner Gastronomen. Sie lockern unermüdlich den Boden auf, den die schweren Traktoren immer wieder mit ihrem Gewicht niederdrücken. Die Trauben werden, kaum hängen sie verführerisch an den Reben, halbiert. „Alle Kraft geht dann in die verbliebenen 50 Prozent“, sagt Herbert Beltle. Lieber weniger Wein, dafür von höchster Qualität. Und wer ein gutes Produkt herstellt, misst sich gern mit der Konkurrenz. Kürzlich veranstalteten „Horcher“ und das Weingut „Stigler“ aus Ihringen am Kaiserstuhl einen fröhlichen Wein-abend im „Weingrün“. Ein freundschaftlicher Wettstreit, mit Horcher Brut (2012) und Stigler Pinot Brut (2007), Sauvignon Blanc, Spätburgunder und Riesling-Auslese von Horcher und einer Weißburgunder Spätlese von Stigler. Die Gäste waren begeistert. Was wäre ein Leben ohne Wein? Die Antwort ist ganz einfach: „Ohne Wein wäre mein Leben ganz anders verlaufen“, sagt Herbert Beltle und lächelt. Wie genau, weiß er natürlich auch nicht. Aber man ahnt, es wäre ein nicht so erfolgreiches, fröhliches geworden.

Silvia Meixner

 

Information
Horcher Weine sind auch online zu beziehen unter www.horcher-wein.de

 

61 - Winter 2015