Aus Liebe zum Lama

Aus Liebe zum Lama

[Foto: Berlin vis-à-vis]

Wandern mit Tieren kann Wunder wirken. Im brandenburgischen Schenkendorf züchtet Anita Selig-Smith Lamas und Alpakas. Es hätten auch die schottischen Highlands sein können. Nun ist es Brandenburg geworden. Anita Selig-Smith ist mit ihrer Familie in Schenkendorf zu Hause, gelegen im Landkreis Dahme-Spreewald, unweit von Königs Wusterhausen. Zur Familie gehört auch die größte Lama-Herde der neuen Bundesländer. Genauer gesagt sind es etwa 40 Lamas und sechs Alpakas. Als „stolz, sanftmütig und duldsam“ beschreibt die Enddreißigerin ihre Tiere. Sie seien zudem sehr intelligent, das zeige sich daran, wie schnell sie beim Training lernen. Anita Selig-Smith‘ Liebe zu den Lamas währt jetzt schon 20 Jahre. Nach dem Abitur war sie für ein Jahr in den USA, und hier fing alles an. „Diese Tiere gefielen mir einfach. Als ich wieder in Deutschland war, wollte ich unbedingt eigene Lamas haben“, erzählt sie. Während ihres Studiums der Umwelttechnik habe sie gearbeitet, um Futter und Unterbringung zu finanzieren. In Schenkendorf gibt es sie und ihre Lamas seit 2009. „Dass ich nicht ohne Lamas sein konnte, war klar“, sagt sie. Deshalb habe ihr Mann, ein Schotte, den Wohnort bestimmen können. Er habe Deutschland und Berlin vorgeschlagen. „Sonst wäre ich jetzt mit meinen Lamas womöglich auf dem Whisky-Trail unterwegs.“ Nun musste aber im Berliner Raum ein Haus mit Weideland gefunden werden. Fünf Hektar Wiese gehörten zu dem Wohnhaus in Schenkendorf, damit war die Entscheidung gefallen. Ein wenig fehlen der gebürtigen Chemnitzerin die Berge, aber alles könne man eben nicht haben.

Heute bietet die Mutter zweier Töchter alles rund ums Lama an. Sie züchtet und verkauft Lamas, veranstaltet   Lama-Wanderungen und Kindergeburtstage. „Lamas sind auch ideale Therapiebegleittiere“, weiß die Lama-Expertin aus Erfahrung. Artgerechte Haltung ist für Anita Selig-Smith eine Voraussetzung. Darum würde sie nie ein Tier an einen Zirkus oder gewöhnlichen Zoo abgeben. Einmal im Jahr werden Lamas und Alpakas geschoren. Gern bedient sich die Lamazüchterin der sogenannten Sattelschur. In diesem Fall wird nur die Körpermitte geschoren, Kopf und Beine nicht. „Das muss sein, damit sie im Sommer nicht überhitzen.“ Anita Selig-Smith freut sich aber auch gerade über die Königspudelfrisur, die sie ihren Alpaka-Hengsten verpasst hat. „Die Beine sind dadurch gegen die Angriffe der anderen Hengste geschützt.“ Die Wolle verkauft sie als Rohmaterial oder Garn. Außerdem spinnt und strickt Selig-Smith auch selbst. Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit einer Wollmühle in der Uckermark. Dort wird das Vlies, wie die Lama-Wolle genannt wird, gewaschen, gekämmt und auf Wunsch versponnen. Im Hofladen kann man entsprechende Produkte auch käuflich erwerben.

Lama ist aber nicht gleich Lama. Anita Selig-Smith züchtet „leichtbewollte Trekkingtiere“, wie sie vor allem in ihrer südamerikanischen Heimat zu Hause sind. Dort dienen die Haustiere vor allem als Lastenträger. Besonders das Training, das nach dem ersten Lebensjahr beginnt, macht der Lamazüchterin Freude. „Es ist die größte Herausforderung für mich, denn jedes Tier ist tatsächlich anders“, sagt sie. Besonders auf die eigene Körpersprache komme es an. „Darauf reagieren die Tiere am besten.“ Die Anwendung von Gewalt jeder Art kommt für Anita Selig-Smith nicht in Frage. Dass sie eine Meisterin ihres Fachs ist, beweisen die zahlreichen Auszeichnungen, die ihre Lamas auf Leistungsschauen gewonnen haben. Dort wurde neben dem Körperbau auch das Abschneiden auf dem Hindernisparcours oder beim Trekking bewertet. Dass die Tiere gut ausgebildet sind, ist besonders auf ihren ganzjährig angebotenen Wanderungen wichtig. Gebucht werden sie von Schulklassen und anlässlich von Firmenausflügen. Teambuilding ist das Stichwort. „Los geht es damit, dass wir gemeinsam die Lamas einfangen“, erzählt die Chefin vom Lamahof. Dann darf sich jeder ein Tier aussuchen, das danach einen Halfter angelegt bekommt. Gern wandert sie mit ihren Gruppen ins nahe gelegene Sutschke-Tal, ein Naturschutzgebiet. Etwa sieben Stunden könne so eine Lamawanderung mit Pausen schon einmal dauern. Picknick inklusive. Hektik kommt bei den Wanderungen nicht auf. Die friedliche, beinahe stoisch zu nennende Ausstrahlung der Tiere überträgt sich auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Immer wieder werden Lamas auch mit dem Spucken in Verbindung gebracht. Menschen seien davon aber nicht betroffen, beruhigt Anita Selig-Smith. Dabei gehe es nur um Rangkämpfe innerhalb der Herde.

Privat begibt sich die junge Frau übrigens gern auch auf mehrtägige Lama-Trekkingtouren. Dann wird im Zelt übernachtet und von Ort zu Ort gezogen. Beim Pauschalurlaub im Hotel mit Pool kann man sich Anita Selig-Smith schwerlich vorstellen. Ein Leben ohne Lamas ist möglich, aber sinnlos. Diesen etwas abgewandelten Satz Loriots würde Anita Selig-Smith sicher unterschreiben.

 Karen Schröder

 

63 - Sommer 2015
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