Luxusreise mit Expeditionscharakter

Die Expeditionsschiffe werden Platz für je maximal 230 Passagiere und bei Antarktis-Expeditionen für max. 199 Gäste bieten [Abbildung: © Hapag-Lloyd Cruises]

Für das Reisen geben die Deutschen viel und gern Geld aus. Besonders beliebt sind seit einigen Jahren Trips auf Kreuzfahrtschiffen. Gerade ist in den USA das größte Kreuzfahrtschiff der Welt ausgelaufen – es bietet Platz für 9 000 Personen. Doch diese Dimensionen gefallen nicht jedem. Mit zwei hochmodernen Expeditionsschiffen für max. 230 Passagiere, die aktuell von Hapag-Lloyd Cruises gebaut werden, gibt es kleine, aber feine Alternativen zu exotischen Fahrtzielen mit intensiverem Naturerlebnis.

Schiffbauingenieur Henning Brauer begleitete schon Planung und Bau der „Europa 2“ der Reederei Hapag-Lloyd Cruises. Im Frühjahr und Herbst 2019 sollen nun zwei neue Expeditionsschiffe in See stechen. Nachdem man lange auf Werftkapazitäten warten musste, wird nun der genannte Rohbau der beiden Schiffe mit den Namen „HANSEATIC nature“ und „HANSEATIC inspiration“ im rumänischen Tulcea hergestellt, End- und Innenausbau erfolgen auf der Vard-Werft in Norwegen.

Wie entsteht nun eine solche Expeditionsklasse für ein neues, sehr besonderes Reiseerlebnis und was sind die speziellen Anforderungen? „Ein kleines Schiff ist ähnlich komplex wie ein großes, als 5-Sterne-Expeditionsschiff jedoch deutlich anspruchsvoller in der Produktion als ein klassisches Kreuzfahrtschiff“, sagt Henning Brauer. „Unsere beiden neuen Schiffe verfügen über viele besondere Merkmale und Fähigkeiten, weshalb die Baukosten auch jeweils im dreistelligen Millionenbereich liegen.“ Die Schiffe müssen extremsten Bedingungen an ungewöhnlichen Reisezielen standhalten, etwa bei Polarfahrten von Feuerland aus in die Antarktis oder auf einer Amazonas-Tour. Die kleinen und wendigen Schiffe können in abgelegene Regionen vordringen, die zuvor noch nie ein Kreuzfahrtschiff erkundet hat. Für Ausflüge stehen nur tweilweise elektrobetriebene Zodiac Schlauchboote zur Verfügung. Die Schiffe müssen für alle Wettersituationen gerüstet sein, bis zu minus 25 Grad für die Antarktis entsprechen der höchsten Eisklassifikation. Für eine Reise ins Amazonasgebiet sind die Schiffe auf bis zu 40 Grad plus eingestellt. Sie müssen harten Seebedingungen ebenso wie geringem Tiefgang standhalten und reibungslose Landungsoperationen ermöglichen. Äußerst hochwertige Navigationseinrichtungen sind erforderlich, da es häufig durch Gebiete geht, für die es keine oder nur unzureichende Seekarten gibt. Und auch für die Verpflegung muss viel Raum geschaffen werden. „Die üblichen, großen Kreuzfahrtschiffe können nur etwa zehn Tage fahren ohne anzuhalten“, so Brauer. „Unsere neuen Schiffe können bis zu 36 Tage unterwegs sein, ohne neue Lebensmittel oder Kraftstoff bunkern zu müssen, weil etwa die Arktis-Passagen oft vier bis sechs Wochen dauern.“ Jedes Schiff kann bis zu 800 Tonnen laden und damit gewährleisten, dass die Frischwasservorräte während der Amazonas-Fahrt ausreichen.

Die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd Cruises zieht bei Planung und Fertigung der beiden Expeditionsschiffe alle Register: Neben allem technischem Know-how wie der höchsten Eisklasse (für Passagierschiffe), der extremen Wendigkeit aufgrund von weniger als 135 Metern Länge verfügen die Expeditionsschiffe auch über erstklassige Pool-, Spa- und Fitnessbereiche und bieten hohe Sicherheits- und Umweltstandards. Außerdem darf der ebenso abenteuerlustige wie anspruchsvolle Reisende mit einem Crew-Passagier-Verhältnis von eins zu 1,4, geräumigen Kabinen sowie großzügigen öffentlichen Bereichen rechnen.

Damit alle diese Anforderungen sich später auch in der Praxis bewähren, muss getestet werden. Hapag-Lloyds Cruises lässt die beiden neuen Schiffe durch viele Testverfahren laufen, auch unter Seegangbedingungen. Windkanaltests und Abgas-Optimierung zählen ebenfalls zum Repertoire.

Elegante Innenausbauten und ein leichtes, helles Erscheinungsbild mit vielen Außenflächen sorgen für eine strahlende Eleganz der beiden See-Schönheiten, die im nächsten Jahr in See stechen werden.

Edith Döhring

 

74 – Frühjahr 2018
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