Die Wohnungsgenossenschaft GeWoSüd wird 100 Jahre alt

Der Harkortplatz im Lindenhof mit zentralem Sandkasten [Foto: Ken Schluchtmann]

Zum Festjahr schenkt sich die Genossenschaftliches Wohnen Berlin-Süd eG (GeWoSüd) einen eigenen Roman und begrüßt den Regierenden Bürgermeister im Lindenhof.

 

Dieser besichtigt Mitte Mai gemeinsam mit dem GeWoSüd-Vorstandsvorsitzenden Norbert Reinelt und weiteren Vertretern der traditionsreichen Berliner Genossenschaft den Lindenhof, der seit ebenfalls 100 Jahren im Besitz der Genossenschaft ist. Hervorgegangen ist die heutige GeWoSüd aus der Fusion der 1919 gegründeten Gemeinnützigen Landerwerbs- und Baugenossenschaft Dahlem-Schmargendorf sowie der 1921 gegründeten Genossenschaft Siedlung Lindenhof, die ein Jahr nach Gründung den Lindenhof übernahm. 

Angesichts des angespannten Wohnungsmarkts kommt dem genossenschaftlichen Wohnen eine besondere Bedeutung zu. Die Schaffung neuen bezahlbaren Wohnraums liegt nicht nur dem Regierenden sehr am Herzen. Vorstand Reinelt weist anlässlich des Jubiläumsrundgangs auch auf die kulturellen Besonderheiten des Areals hin, für deren Erhalt die GeWoSüd sich engagiert: „Der Lindenhof ist quasi ein Freiluftmuseum für Architektur: Angefangen mit der Gartenstadt von 1918, die geprägt war durch die Architekten Martin Wagner, Bruno Taut und Leberecht Migge, über den Wiederaufbau in den 1950er Jahren mitsamt Hochhaus bis hin zu den modernen Neu- und Dachausbauten seit den 1990er Jahren ist das Quartier architektonisch ein Abbild der letzten 100 Jahre.“ Der Lindenhof ist aufgrund seiner Struktur als ökologische Gartenstadt Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Nach dem Rundgang präsentiert die GeWoSüd ihren Mitgliedern und Gästen die Chronik zum Jubiläum, die 100 Jahre Geschichte mit vielen spannenden Bildern umfasst, und einen Roman, der eigens zum Jubiläum von Horst Bosetzky verfasst wurde und dessen Handlungsort eben die Genossenschaft ist. 

Mit 5,75 Euro je Quadratmeter zahlen die Bewohner deutlich weniger für ihre Wohnungen als die Mieter in normalen Berliner Mietverhältnissen. „Laut Beschluss liegen unsere höchsten Nutzungsgebühren, wie die Miete bei uns heißt, stets um 50 Cent unter dem Mietspiegel, im Mittel sogar noch deutlich darunter“, erläutert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Matthias Löffler. Neu gebaute Wohnungen kosten im Durchschnitt 8,45 Euro je Quadratmeter. Allerdings geht es auch der GeWoSüd wie anderen Wohnungsanbietern in Berlin: Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot. Auch wenn die Genossen in den letzten 25 Jahren rund 170 Millionen Euro in den Bestand und in Neubau investiert haben, fehlen ihnen die Flächen für eine weitere Expansion – und die Warteliste für eine Wohnung bleibt lang. „Um mehr bauen zu können, wünschen wir uns eine Gleichbehandlung der Genossenschaften mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften, an die derzeit fast alle städtischen Freiflächen abgegeben werden“, sagt Reinelt. 

Tatsächlich macht der günstige Mietzins jedoch nur eine Seite des genossenschaftlichen Wohnens aus – der soziale Zusammenhalt ist ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt für die Bewohner. An vier Standorten betreibt die GeWoSüd Nachbarschaftstreffs, die von den Mitgliedern für organisierte Aktivitäten genutzt werden. Insgesamt hat die Genossenschaft 5 000 Mitglieder und verfügt über 2 600 Wohnungen an zwölf Berliner Standorten im Norden, Osten und Süden Berlins.

78 - Frühjahr 2019
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