Mode-Mekka Berlin

Im Januar 2010 ist es wieder so weit. Dann wird Berlin um ein weiteres Mal zum Mode-Mekka. Hunderttausend Fachleute aus aller Welt werden in die deutsche Hauptstadt zu Fashion Week und Bread & Butter strömen. Einer der bedeutendsten Protagonisten des Modespektakels ist Karl-Heinz Müller. 

Er ist Erfinder und Geschäftsführer der Bread & Butter, die in diesem Jahr einen erfolgreichen Neustart auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof hinlegte. Die Bread & Butter ist längst zur internationalen Leitmesse für Urban- und Sportswear avanciert. Dabei ist Müller, was in der Branche eher ungewöhnlich ist, stets bodenständig geblieben, ob es sich um seine persönliche Kleidung handelt – er trägt gern einfache Jeans von Pepe oder Levi‘s, Lacoste-Polo-Shirts oder dunkelblaue Blazer von Windsor – oder um Austragungsorte für seine weltweit berühmten Fashion Fairs: 2003 im alten Kabelwerk von Siemens oder im Sommer dieses Jahres im Gebäudekomplex des Flughafens Berlin-Tempelhof. Der aus dem Saarland stammende 52-Jährige hat immer an Berlin geglaubt. So hat er sein Personal von über 100 Leuten in Berlin gehalten, in der Zeit, in der er in die katalanische Hauptstadt ausgewichen ist. Und er hat immer wieder nach geeigneten Orten in der Hauptstadt gesucht, um seine gigantisch gewachsene Modemesse unterzubringen. Warum Berlin? „Ich sehe Berlin als den besten Standort für jene Bekleidung an, die immer bedeutender werden wird: Streetwear. Nicht die konventionelle Kleidung ist die Zukunft, sondern die alltägliche Mode wie Jeans und lässige Jacken. Selbst das Sakko ist schon casualisiert, darunter leiden natürlich die Klassiker.“ Und Müller fügt hinzu: „Mein Gefühl ist, dass hier nachhaltig etwas aufgebaut wird. Ich glaube an den Standort Berlin für kreative Industrien, für den Bereich Lifestyle, der in normale Messehallen nicht passt.“ Er ist überzeugt davon, dass sich immer mehr Firmenzentralen und Labels, PR- und Marketingagenturen in Berlin ansiedeln werden. Tempelhof bedeute etwas ganz Besonderes. Da würden nicht nur die Europäer, sondern vor allem auch die Amerikaner motiviert. „Wir haben eine Sogwirkung“, sagt Müller selbstbewusst. Dass die Bread & Butter ein wirtschaftlicher Glücksfall für Berlin ist, ist nicht zu leugnen. Nun hat der erfolgreiche Geschäftsmann nicht nur einen Zehnjahresvertrag unterschrieben, sondern auch mit Option auf weitere zehn Jahre. So lange hält nicht mal eine Jeans.

Kurt Geisler
 

41 - Winter 2009/10