Die neuen Modelle

Sieg der Ringe

[Fotos: Audi]

Ein Audi war schon immer der etwas bessere VW. Freilich auch etwas teurer, deshalb wählte man dann doch den Golf. Aber Audi fahren hat nichts von einer gewissen Bewunderung verloren, verbunden mit besonderer Wertschätzung für das Auto schlechthin. So wie der Werbeslogan „Vorsprung durch Technik“ offenbar keinem Relaunch unterzogen werden muss, so unerschütterlich scheint auch die Attraktivität der Marke im Bewusstsein nicht nur der deutschen Autofahrer zu sein.
Das bewies sich wiederum im vergangenen, krisengeschüttelten Jahr: Zwar hat selbstverständlich auch Audi Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, doch steht das Unternehmen besser da als die Konkurrenz im Premium-bereich. Am Jahresende sorgen gar zwei Modelle für besondere Aufmerksamkeit: Der Audi A3 TDI mit sogenannter Clean-Dieseltechnologie erhält den „Green Car of the Year 2010“ für Umweltfreundlichkeit im Auto-mobilbau, und der Audi A8 macht mit dem „Award for Design Excellence“ Furore.
Dass mit dem A3 TDI ausgerechnet ein Dieselfahrzeug zum umweltfreundlichsten Auto gekürt worden ist, erstaunt einigermaßen, spricht aber umso mehr für die moderne Dieseltechnologie. Schließlich entscheidet immer noch der Verbrauch. Und mit 5,6 Litern Spritverbrauch auf der Autobahn schlägt der A3 TDI jeden vergleichbaren Benziner souverän. Beeindruckend auch das hohe Drehmoment des 2-Liter-Motors mit S-Tronic Doppelkupplungsgetriebe bei niedriger Drehzahl. Die damit verbundene Fahrdynamik begeistert nicht nur sportlich ambitionierte Fahrer. So hat Audi einmal mehr mit ausgefeilter Technik über die vier anderen Wettbewerbs-Finalisten triumphiert.
Doch zum „Vorsprung durch Technik“ gehört für Audi auch dezidiert das Design. Das bewies in besonderem Maße der neue Audi A8, dessen Weltpremiere Ende des vergangenen Jahres ebenso für Aufsehen sorgte. Die Auszeichnung mit dem „Award for Design Excellence“ ist erneut Ausdruck für die „emotionale Designkunst“, die das Unternehmen von jeher zelebriert. Der A8 ist Flaggschiff und damit Vorreiter für die innovative Technik der Marke mit Raffinessen, wie beispielsweise Tot-Winkel-Überwachung, Nachtsichtsystem oder Verkehrsschild-Erkennung. Der exklusive Fahrkomfort ist betörend, die elegante, einfache Bedienung mittels Touchpad bringt sogar haptisches Vergnügen. Und im Drive-Select-Menü zeigt der A8 seine sportliche Seite. Derartige technische Highlights werden auch in den für 2010 geplanten acht neuen Modellen zu finden sein. Sehr gespannt kann man aber auch auf den Kleinwagen A1 sein. Im Sommer soll er bei den Händlern stehen, die angesichts des attraktiven Preises auf etliche Audi-Neukunden hoffen können. So stand das erfogreiche Jubiläumsjahr 2009 zum 100. Geburtstag der Marke mit den vier Ringen angesichts der allgemeinen Absatzkrise ganz auf Sieg.


Zurück nach vorn: Giulietta

[Foto: Alfa Romeo]

Ebenso 100. Firmenjubiläum feiert in diesem Jahr eine Marke, deren Name für Eleganz steht, für Karosserien, die ein optischer Genuss sind: Alfa Romeo. Berühmt geworden durch teure Sportwagen und große Erfolge im Rennsport, hieß das erste Großserienmodell in den 50er Jahren Giulietta Sprint. Bis 1964 folgten die Limousine Giulietta Berlina und das Cabrio Giulietta Spider. Danach begann eine neue Ära unter dem Namen Giulia. Später ersetzten die italienischen Autobauer die Modellnamen einfach durch Zahlen. Jetzt, nach dem Modell 147 allerdings entschied man sich doch wieder für die Namensgebung, und zwar überraschenderweise mit Griff in die Firmengeschichte. Der neue Alfa Romeo wird wiederum Giulietta heißen. Mit völlig neuer Fahrzeugarchitektur, versteht sich, denn die Marke braucht dringend eine Auffrischung. Zwar sind Retro-Stilelemente erkennbar, doch mit dem alten Giulietta hat der neue kaum etwas gemein. Vom Kleinwagen Mito wurde die Fahrdynamikregelung übernommen mit den drei Setup-Funktionen Dynamic, Normal und All-Weather. Zunächst werden vier Motorvarianten zu haben sein: zwei Turbo-Benziner mit 120 und 170 PS sowie zwei Turbo-Diesel mit 105 und 170 PS. Später soll noch ein Modell mit 230 PS folgen.
Der neue Giulietta ist zweifellos eine attraktive Italienerin. Ob Alfa Romeo mit ihr seine Fangemeinde vergrößern kann, wird sich ab April zeigen.


Der Retro-Porsche

[Fotos: Porsche]

Mit einem neuen Spyder unternahm auch der Sportwagenhersteller einen Rückgriff in seine Firmengeschichte. Als der Schauspieler und Geschwindigkeitsfanatiker James Dean 1955 mit einem Porsche 550 tödlich verunglückte, war damit eine Auto-Legende geboren. Den Nimbus dieses Sportwagens beschwörend, von dem nur wenige Exemplare gebaut wurden, präsentiert Porsche nun den Retro-Spyder als Sondermodell der Boxter-Baureihe. Er beschleunigt in 4,8 Sekunden auf Tempo 100. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 267 Kilometern pro Stunde ist er schneller als der legendäre Ur-Spyder, und James Dean hätte noch mehr Fahrspaß daran gehabt, denn mit dem neuen Sportfahrwerk fährt er besser denn je. Er erinnert teilweise an den Carrera und den Boxter S, ist aber leichter und nur mit Stoffverdeck als Wetterschutz ausgestattet, also prädestiniert für Offenfahren. Der neue Spyder soll „unverfälschten Fahrspaß“ bringen und die „Puristen“ der Porsche-Gemeinde ansprechen, was und wer auch immer damit gemeint ist.


Luftig, aber angenehm

[Fotos: Daimler/Mercedes-Benz]

Im Gegensatz zum offenen Porsche-Zweisitzer finden im neuen Mercedes E-Klasse Cabrio, das in diesem Monat auf den Markt kommt, vier Personen Platz. Und damit das Mitfahren auch für die hinteren Passagiere nicht zur Tortur wird, kamen die Stuttgarter Ingenieure auf die Idee, das neue Cabrio mit Windabweiser und Nackenwärmer auszustatten. Nur dass sie mit Aircap und Airscarfe cooler klingende Begriffe dafür wählten. Tatsächlich lassen sich auf Knopfdruck Luftturbulenzen und Geräusche reduzieren, solange die Geschwindigkeit 160 Kilometer pro Stunde nicht übersteigt. Dann bleibt es zwar weiterhin luftig, doch dabei angenehm, so dass selbst das Offenfahren im Winter ein Vergnügen sein könnte. Zum Öffnen und Schließen des Verdecks benötigt die Automatik 20 Sekunden, allerdings sollte dabei der Wagen höchs-tens 40 Kilometer pro Stunde schnell sein. Das Mercedes E-Klasse Cabrio ist ein weiteres Modell der BlueEfficiency Fahrzeugtechnologie mit geringstmöglichem Kraftstoffverbrauch und weniger Emissionen. Es zählt zu den zahlreichen Premieren, die 2010 zur Erweiterung und Erneuerung der Mercedes-Modellpalette gehören.


Neue Ära für die Löwenmarke


[Foto: Peugeot]

Peugeot feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen und nimmt sein Jubiläum zum Anlass, sich völlig neu zu erfinden. Das wird vor allem an den vierzehn neuen Modellen zu sehen sein, die die Löwenmarke zwischen 2010 und 2012 auf den Markt bringen will. Am deutlichsten ist die neue Markenstrategie am Concept Car Peugeot SR1 zu sehen. Es zeigt die neuen Formensprachen, die zukünftig das Design der Modelle prägen werden. Alles an diesem Auto scheint stimmig. Vor allem die wohlproportionierte Karosserie aus Kohlefaser mit all ihren Formelementen wirkt so stimmig und harmonisch, dass es schwerfällt, auf Anhieb eine ähnliche Schönheit als Vergleich zu nennen. Dem neuen Slogan „Motion & Emotion“ wird das Konzeptauto SR1 allemal gerecht, zumal auch seine Hybrid4-Technologie, bestehend aus einem Turbo-Verbrennungsmotor mit 218 PS vorn und einem Elektromotor mit 95 PS im Heck, für ordentliche Antriebsleistung sorgt. Beide Motoren zusammen im Allradantrieb erbringen immerhin 313 PS. Von null auf hundert beschleunigt der SR1 in nur 4,7 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde. Fährt der Sportwagen aus irgendeinem Grunde nur mit Elektromotor, kommt er auf diese Weise noch etwa zehn Kilometer weit. Dass schließlich Peugeots neues Vorzeige-auto nur 4,9 Liter schluckt, bei einem CO2-Ausstoß von 119 Gramm pro Kilometer, ringt einem schließlich uneingeschränkte Bewunderung ab. Denn das ist nicht mehr als bei einem durchschnittlichen Kleinwagen.

Reinhard Wahren
 

 

 

42 - Frühjahr 2010