Eine soziale Skulptur

Auf dem Sockel des 1950 abgerissenen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals wird die die 50 Meter breite und 20 Meter tiefe begehbare Schale gebaut [Abb.: © Milla & Partner]

Vor dem künftigen Humboldt Forum im Berliner Stadtschloss wird bald das Einheitsdenkmal „Bürger in Bewegung“ stehen. Am 19. Mai 2020 begannen endlich die Bauarbeiten für das Freiheits- und Einheitsdenkmal, so verkündete es die Kulturstaatsministerin im 30. Jahr der Deutschen Einheit für die Bundesregierung. Und am 28. Mai ließ Monika Grütters gemeinsam mit den ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und Wolfgang Thierse sowie den Architekten Sebastian Letz und Johannes Milla von Milla & Partner den symbolischen Spatenstich auf der Berliner Schlossfreiheit öffentlich vollziehen. In ihrer Ansprache sagte sie: „Mit dem Freiheits- und Einheitsdenkmal erinnern wir an die Zivilcourage von Menschen, die ihre Stimme für demokratische Freiheitsrechte erhoben. Die Einheit Deutschlands und ein geeintes Europa wären ohne ,Bürger in Bewegung‘ geblieben, was sie lange waren: utopisch anmutende Hoffnungen für eine ferne Zukunft. Die Erinnerung an die Friedliche Revolution verdient deshalb einen prominenten Platz im Herzen der deutschen Hauptstadt.“

Auf der Berliner Schlossfreiheit, dem Sockel des 1950 abgerissenen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals, entsteht in den kommenden zwei Jahren vor dem künftigen Westeingang des Humboldt Forums die von Sebastian Letz entworfene 50 Meter breite und 20 Meter tiefe begehbare Schale. Die großen Inschriften „Wir sind das Volk“ und „Wir sind ein Volk“ rücken die zentralen Losungen der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 ins Zentrum, die ein Jahr später zur Wiedervereinigung beider deutscher Staaten führte. Die erste frei gewählte Volkskammer der DDR traf im April 1990, im damaligen Palast der Republik, den Beschluss zur deutschen Einheit. Dieser historische Zusammenhang ist die Grundlage für das Denkmal: Freiheit und Einheit. Freiheit in Einheit.

Die soziale und an klassische Gestaltungsformen erinnern-de Skulptur soll den Gestus der Freude und Moderne in die neue Berliner Mitte hineintragen. Sie soll Weltoffenheit und Souveränität signa-lisieren und ein architektonisches wie auch historisches Spannungsfeld zu dem weltweit ausgerichteten Humboldtforum, dem Berliner Dom und der Museumsinsel aufbau-en. Damit entsteht eine weitere Attraktion inmitten der Hauptstadt – ein solitäres, politisches und soziales Wahrzeichen. Sebastian Letz kommentiert seinen Entwurf so: „Das Denkmal ist eine soziale Skulptur. Sie gewinnt Leben, wenn die Besucher sich zusammenfinden, verständigen und gemeinsam bewegen. Es aktiviert und lädt zur Partizipation ein. Als Bild für gelebte Demokratie erinnert es uns daran, dass Freiheit und Einheit keine Selbstverständlichkeit sind.“

Günter Jeschonnek

 

83 - Sommer 2020
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