Theater und Bonbons

Zwischen Oranienburger- und Auguststraße in Mitte verlaufen die idyllischen Heckmann-Höfe mit einem großzügigen Platz mittendrin [Fotos: Julius Wuestefeld]

Berlin überrascht selbst Einheimische immer wieder mit seinen Höfen und Hinterhöfen. Noch den Lärm der Stadt im Ohr, einmal kurz abgebogen, ein Torbogen durchschritten –  schon umfangen den Besucher ein üppiger Garten, eine schöne Backsteinmauer, vielleicht eine Skulptur, interessante Geschäfte, Cafés. Berlins öffentliche Höfe laden zum Flanieren und Shoppen ein, zu Events und zum Verweilen. Es sind wahre Oasen mitten in der Stadt. In loser Folge stellen wir die schönsten vor. Diesmal die Heckmann-Höfe

Die Geschichte der Heckmann-Höfe reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Das Areal bot alles, was der Tischler und spätere Holzhändler Köhne zu dieser Zeit in der Spandauer Vorstadt brauchte: Platz für Pferdeställe, Wagenremisen, Lager- und Wohnräume. Seinen Namen verdanken die Höfe allerdings dem Großindustriellen Heckmann, der sie 1905 als Verwaltungssitz führte. Das Ensemble, bestehend  aus drei Höfen, birgt viele Geschichten in sich. Es wurde enteignet, verkauft und aufgeteilt, was teilweise zu Leerstand und Konflikten führte. Seit 2014 ist Joachim Köhrich Eigentümer der Gewerbe- und Gastronomieeinheiten. Er „entwickelt Konzepte, in denen immer der Mensch und seine Ideen im Mittelpunkt stehen und das ohne Konkurrenz“, sagt Janina Atmadi, die für die Vermarktung und Entwicklung der Gewerberäume in den Heckmann-Höfen zuständig ist

Die drei Durchgänge des Ensembles passen gut in das Konzept, denn jeder Hof hat einen anderen Charakter. Im vorderen und hintere  Hof wird gewohnt. Der Blick schweift unwillkürlich  zum Himmel, wenn man hindurchgeht. Kreativität, Kunst und Kultur sind das Markenzeichen der Heckmann-Höfe: Ein Maßschneider kombiniert Klassiker mit Fashion unter Verwendung kunstvoll bedruckter, von Künstlern entwickelter Innenfutter. Direkt daneben gibt es exklusive koreanische Kosmetik und nachhaltige Mode aus Berlin. Das Galli Theater ist schon lange in den Höfen zu Hause, wie auch eine Kunstgalerie und die berühmte Bonbonmacherei mit ihrer Schauküche. Im Sommer finden Konzerte und Theaterevents unter freiem Himmel statt.

Mit dem Werkhaus wurde eine tageslichtdurchflutete Event Location über zwei Etagen im Galeriecharakter geschaffen. Gleich davor befindet sich die mediterrane Oase des zweiten Innenhofes, dem Kernstück des Ensembles. Ein bisschen Musik aus dem Garda flattert herüber, dem italienischen Familienrestaurant in dritter Generation. Das Night Kitchen setzt auf Dinner mit Freunden ab 17 Uhr. Diese Art Nachtküche wurde 2012 in Tel Aviv eröffnet und entwickelte sich dort schnell zu einem kulinarischen Erlebnis. Seit 2017 ist sie in dem malerischen Stallhaus im mitteleren der Heckmann-Höfe einquartiert. Ein von der Tucholskystraße aus zugängliches vietnamesische Restaurant gehört ebenfalls zum Areal so wie ein neues Edelrestaurant  an der Oranienburger Straße.

An einen Dornröschenschlaf der Heckmann-Höfe erinnern heute nur noch die opulenten Rosen an den Fassaden und rund um den Springbrunnen im Innenhof. Außergewöhnlich viel Liebe zum Detail wurde in den Denkmalschutz gesteckt. Altes und Besonderes wurde durch aufwendige Sanierung  bewahrt und Neues hinzugefügt: ein modernes Bewässerungs­system für die Gartenanlagen mit Wein, Bambus und Rosen. Ein gelungenes Bleuchtungskonzept setzt die historischen Elemente wie Stuck, Säulen und alte Beschriftungen dezent und einladend in Szene.  

Gegenüber von den Heckmann-Höfen an der Oranienburger Straße entsteht das neue Forum an der Museumsinsel und gleich dahinter fließt die Spree.

Barbara Sommerer

 

84 - Herbst 2020
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