Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie

Neue Nationalgalerie Außenansicht / Exterior view, 2021 © Ludwig Mies van der Rohe / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Simon Menges

Zerlegt, saniert und wieder zusammengesetzt. Nach jahrelanger Sanierung ist die Neue Nationalgalerie seit dem 19. August 2021 in Berlin wieder für das Publikum geöffnet. Zu sehen sind drei Ausstellungen, darunter: „Die Kunst der Gesellschaft 1900 – 1945“ ist eine bis Juli 2023 geplante Dauerausstellung mit zentralen Arbeiten aus der rund 1 800 Werke umfassenden Sammlung der Nationalgalerie.

In der spektakulären Haupthalle sind in der Ausstellung „Alexander Calder. Minimal/Maximal“ Werke des US-amerikanischen Bildhauers zu sehen. Mit „Rosa Barba. In a Perpetual Now“ ist die dritte Ausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin gewidmet.

Die von Ludwig Mies van der Rohe (1886 – 1969) entworfene Neue Nationalgalerie wurde fast sechs Jahre lang aufwendig zerlegt, saniert und wieder zusammengesetzt. Die Koordination übernahm der bekannte britische Architekt David Chipperfield. „Soviel Mies wie möglich“ war der Leitspruch von Chipperfields Büro von Beginn an.

Ludwig Mies van der Rohe erhielt 1962 im Alter von 76 Jahren den Auftrag, die Neue Nationalgalerie in Berlin zu errichten. Er griff dabei auf zwei bereits vorhandene eigene Entwürfe von nichtrealisierten Gebäuden zurück. Eines davon war das des Rumherstellers Bacardi in Santiago de Cuba.

Der Bau der Neuen Nationalgalerie begann im September 1965, drei Jahre nach Auftragserteilung, mit der Grundsteinlegung und wurde nach knapp drei Jahren Bauzeit 1968, ein Jahr vor Mies’ Tod, fertiggestellt.

Die Neue Nationalgalerie gilt als ein Hauptwerk der westlichen Architektur des 20. Jahrhunderts. Innerhalb der Ausstellung wird der Museumsbau in das Gesamtwerk Ludwig Mies van der Rohes (1886 – 1969) eingeordnet. Seine Entwurfs- und Bautätigkeit kreiste lebenslang um sehr ähnliche Themen. Seit den 1920er-Jahren verfolgte er ein radikales Entwurfsprinzip: einen möglichst stützenfreien, offenen Raum zu schaffen, bei dem Innen und Außen ineinander übergehen. Würde und ein Streben nach Vollkommenheit kennzeichnen seine Bauten. Hinzu kommen Klarheit und Reduktion bei gleichzeitig hochwertiger Ausstattung und oftmals sichtbar inszenierter Konstruktion.

 

86 - Herbst 2021
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