Auf die richtige Pferdestärke setzen – Aktionstag Elektromobilität

Beim Aktionstag Elektromobilität „GASAG bewegt“ tauschten sich Fabian Krohn von WeShare, Matthias Trunk, Vertriebsvorstand der Gasag und Katharina Saberschinsky von Mercedes-Benz Berlin (von links) über ihre Visionen der Fortbewegung in der Zukunft aus. [Fotos: Gasag, © Laessig]

Ob wir mit Strom, Erdgas oder Wasserstoff fahren: Sicher ist, dass die Zukunft der Mobilität vielfältig sein wird

Der Heilige Gral der 2020er-Jahre wird die Art und Weise sein, wie wir uns in Zukunft fortbewegen wollen. Werden wir fliegen? Fahren? Mit eigenen oder geteilten Autos? Werden sie mit Batteriestrom angetrieben oder vielleicht mit Gas oder Wasserstoff? Die Zukunft der Mobilität ist ein bisschen wie ein Blick in eine Glaskugel.

Selbst Experten sind sich nicht ganz einig, auf welche Pferdestärke man setzen soll, so auch beim Aktionstag Elektromobilität „GASAG bewegt“. Dort tauschten sich Katharina Saberschinsky von Mercedes-Benz Berlin, Matthias Trunk, Vertriebsvorstand der Gasag, und Fabian Krohn von WeShare über ihre Visionen der Fortbewegung in der Zukunft aus. Einig sind sich aber alle in einem Punkt: Beim Autoantrieb der Zukunft wird der elektrische Antrieb eine wesentliche Rolle spielen.

Nachfrage bei Elektroautos übersteigt Angebot

Wenn man ein deutsches Auto auswählen müsste, das typisch für die Mobilitätswende ist, dann kommt einem wohl die Marke smart in den Sinn. Durch die Daimler-Tochter Car2Go, heute Share Now, ist der smart Sinnbild für Carsharing, also das minutenweise Mieten von Autos, geworden. Mercedes-Benz-Cars-Vertreterin Katharina Saberschinsky aus der Niederlassung Berlin kann noch mehr in Sachen smart und Mobilitätswende berichten: Künftig werden nämlich alle smarts nur noch mit Elektroantrieb ausgeliefert. Sie freut sich über das Interesse am neuen Antrieb: „Der Elektrosmart ist so stark nachgefragt, dass wir mit der Produktion kaum hinterherkommen.“

Im Carsharing-Markt mischt inzwischen auch Volkswagen mit seiner Tochter WeShare mit, die ihre – übrigens ebenfalls elektrischen – Golfs seit diesem Jahr in Berlin anbietet. Fabian Krohn, Business Development Manager bei WeShare, erzählt, dass Volkswagen bereits diverse Werke auf die Produktion von Elektroautos umrüstet, beispielsweise in Zwickau und Emden. „Der Elektroantrieb wird 2021 der Gamechanger werden“, prognostiziert er. Aber: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.“ Nicht jeder Änderung werde mit Jubel begegnet.

Noch liegt der prozentuale Anteil von Elektrofahrzeugen bei Neuzulassungen im einstelligen Bereich. „Unser Ziel als Konzern ist es, bis 2039 eine komplett CO2-neutrale Pkw-Neuwagenflotte anbieten zu können“, sagt Saberschinsky über Daimler. „Ich glaube, es muss bei der Mobilität eine mehrstufige Strategie mit einer Kombination aus Elektro-, Hybrid- und Verbrennungsmotoren geben“, so die Managerin.

Während sich Mercedes und WeShare zunächst auf Elektroantriebe fokussiert haben, sieht Trunk vom Gasag-Vorstand noch eine andere Technologie als zukunftsweisend. „Ich glaube an Wasserstoff. Ich finde das sensationell, nutze ein Wasserstoffauto gern und glaube, dass das die nächste Generation der Antriebe wird.“ Krohn stimmt teilweise zu: „Ich sehe Wasserstoff als Antrieb eher in Schwerlastanwendungen wie bei Lkw und Zügen.“ Die noch zu entwickelnde Infrastruktur sei außerdem sehr teuer.

Sektorkopplung: Strom, Wärme und Mobilität gemeinsam denken

Doch wie wirkt sich der Umstieg in der Automobilindustrie von Verbrennungs- auf Elektromotoren auf unser Stromnetz aus?

„Die Energiewende sehen wir deutlich im Strommarkt“, sagt Trunk. Aber der Strommarkt sei auch eng mit Mobilität und Wärme verwoben. „Diese drei Märkte sind zusammen zu betrachten, dann gibt es richtig gute Lösungen.“

Je nachdem, ob es künftig eher private E-Autos gibt oder sich der Trend zum Carsharing fortsetzt, erwartet Trunk Investitionen ins Stromnetz. „Wenn wir die gleiche Anzahl der Fahrzeuge wie heute künftig mit Strom versorgen wollen, gibt es in der erneuerbaren Erzeugung und auch in der Infrastruktur erheblich was zu tun.“

Krohn hält dagegen: „Es gibt Methoden des gesteuerten Ladens.“ Zudem sei die Ladelösung ubitricity ein gutes Beispiel dafür, dass mit vorhandenen Kapazitäten Neues geschaffen werden kann, wie Laternen, die sich zum Laden von Autos bereits heute eigenen. „Keine Angst, das Licht bleibt an!“. Trunk pflichtet bei: „Am Ende braucht es viele Partner, um alle Lösungen darstellen zu können.“

Aktionstag bei der Gasag

Die Besucher des Aktionstags „GASAG bewegt“ konnten sich zuvor an Informationsständen über die Antriebsmöglichkeiten von Pkw mit Strom, Erdgas und Wasserstoff informieren. Der Energiedienstleister setzt auf das Thema Eco-Mobility und bietet dafür entsprechende Produkte an, beispielsweise grünen Mobilstrom oder Ladelösungen für daheim und unterwegs.

 

80 - Herbst 2019
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