Eine Herzensangelegenheit

Dr. Dietmar Bartsch, Siegerin Ladyscup, Klaus-Jürgen Jahn, Joachim Straub, Firma SiKA (v.l.n.r.) bei der Siegerehrung Ladyscup [Foto: Jürgen Sendel]

Soziale Verantwortung zu übernehmen, ist eine Tugend, die man nicht aus den Augen verlieren darf. Unternehmer sollten sich ihrer sozialen Verantwortung immer bewusst sein und sie auch wahrnehmen. Ob es die eigenen Mitarbeiter sind, der Sportverein in der Stadt oder im Dorf: Die Ehrenamtlichen sind die Stützen unserer Gesellschaft.

Meine eigene Geschichte begann als Sponsor für die Eishockey Bundesligamannschaft des Berliner Schlittschuhclubs.
Nationalspieler Lorenz Funk überzeugte mich, dass ich mich hier ideell und finanziell einbringen sollte. Gesagt getan, ich stimmte zu und stand jetzt an der Bande, um Eishockey live zu erleben. Der Berliner Schlittschuhclub wurde mehrmals deutscher Meister unter dem bekannten Trainer Xaver Unsinn.

Mit der Wende 1989/90 kam eine große Aufgabe auf Unternehmer, Sponsoren und Mäzene zu: für Sportler Starthilfe zu leisten. So wurde auch die Idee an mich herangetragen, ostdeutsche Eisschnellläufer zu unterstützen. Jörg Wichmann und Claudia Pechstein planten, einen eigenen Eisschnelllauf Club zu gründen, den ECB.

Die Sportstädten in Hohenschönhausen, früher Dynamo, waren in vielen Bereichen überholungsbedürftig, aber noch funktionsfähig. Eine Trainingsbahn war vorhanden, ebenso eine Eissporthalle. Was fehlte, war die finanzielle Unterstützung für die Anschaffung der Ausrüstung, um das Training wieder aufnehmen zu können. In ihrer trainingsfreien Zeit für Sponsoren zu arbeiten, war für die Athleten neu. Mir als Sponsor war es daran gelegen, dass neben dem Sport auch berufliche Perspektiven aufgezeigt werden. Jörg Wichmann, mehrmaliger Deutscher Meister, und Olaf Zinke, zweifacher Goldmedaillengewinner, stimmten dem sehr schnell zu und heuerten bei Jahns Firma EUROTEAM in Altlandsberg an.

1998 gründete ich die „Initiative Sport gegen Gewalt“. Im selben Jahr wurde ich erster Vorsitzender des SC Berlin. Die Begründung, warum ich zum Präsidenten gewählt worden bin: „Ein Unternehmer aus dem Westen weiß, was er zu tun hat, um den traditionellen Sportverein der ehemaligen DDR weiterhin am Leben zu erhalten.“ Der größte Erfolg, den der SC Berlin verbuchen konnte, war der Medaillensegen im Jahr 2000 bei der Olympiade in Sydney. Kein deutscher Sportverein hatte bisher bei einer Olympiade mehr Medaillen gewonnen als der SC Berlin. Robert Bartko gewann zweimal Gold im Radsport, der Radvierer Gold in Weltbestzeit. Nicht zu vergessen sind die Schwimmerin Franziska van Almsick und der Turner Andreas Wecker. 2002 beendete ich meine Vorstandstätigkeit beim SC Berlin.

Der MTV Altlandsberg 1860 e.V. hatte mich 1998 ebenfalls zu ihrem ersten Vorsitzenden gewählt. Altlandsberg ist eine Hochburg des Handballs seit 1860. Mit neuen Konzepten wurden der Tradition des Handballs neue Impulse gegeben. Nach dem Motto: „Wir sind mehr als ein Sportverein“ wurden Kooperationen mit der ortsansässigen Schule geschlossen, um Jugendliche von der Straße zu bekommen und Perspektiven für die Freizeit über den Sport zu bieten.

Das Konzept ging auf. Altlandsberg erreichte die niedrigste Jugendkriminalitätsrate in Brandenburg. Mit Ministerpräsident Manfred Stolpe wurde die Erlengrundhalle eingeweiht, eine Hochburg für Sport, Spiele und Kultur. Ein weiterer Höhepunkt war die 150-Jahrfeier 2010, auf der MTV Altlandsberg von der Bundesregierung für besondere Verdienste im Sport ausgezeichnet wurde.

In Berlin wehte ein neuer Wind beim Sechstagerennen im Velodrom. Ein Bremer Kaufmann, Heinz Sesing, übernahm die Geschicke und ich konnte ihn dabei unterstützen. Der Berliner Radsportverband wurde für die Jugend- und Nachwuchsarbeit durch den Verein Sport gegen Gewalt e. V. gefördert, um mit Nachwuchsradrennfahrern am Sechstagerennen an den Start gehen zu können.

Auch hier konnte ich erstmals erreichen, dass ebenfalls eine Damenmannschaft antrat – heute eine Selbstverständlichkeit. Besonders stolz war ich auf den ersten Sieg von Charlotte Becker beim Sechstagerennen. Auch Profis, wie Robert Bartko, Theo Reinhardts, Roger Kluge, Danilo Hondo, Olaf Pollack und Christian Grasmann, sind gerne für einen guten Zweck unter diesem Markenzeichen, Sport gegen Gewalt, gestartet.

Der Verein Sport gegen Gewalt e. V. fördert Jugend- und Nachwuchsarbeit in Sportvereinen bei den verschiedensten Sportarten, wie Reiten, Boxen, Fußball, Segeln, Tanzen und Handball. Von Anfang an mit dabei ist Carola Kirchner. Als Schatzmeisterin des Vereins achtet sie auf die gerechte Verteilung der Sponsorengelder. Jedes Jahr gibt es eine lange Liste mit Sportvereinen aus Berlin und Brandenburg, die Bedarf an Förderung haben.

Wir alle wissen, dass ohne ehrenamtliche Tätigkeit – die im übrigen nur unzureichend gewürdigt wird – der Staat nicht in der Lage wäre, der Jugend eine Perspektive im Sport zu bieten.

Wenn wir als Unternehmer von sozialer Verantwortung sprechen, sind wir auch verpflichtet, unseren Beitrag zur Umsetzung zu leisten. Unzählige Möglichkeiten bieten sich an. Mein Beispiel ist nur eines von vielen.

Sport übt auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine große Faszination aus. Hier gilt es, daran anzuknüpfen und aktiv zu werden. Andere Länder, wie England, USA, Kanada oder Australien, machen uns dies bereits mit Erfolg vor.

Ehrenamtliche Helfer und Sportler bilden eine starke Gemeinschaft mit Sponsoren und Mäzenen. An Vorbildern mangelt es hierzulande nicht – an der Umsetzung muss noch gearbeitet werden.

Klaus-Jürgen Jahn

 

84 - Herbst 2020
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