Von Null auf Hundert in 3 Sekunden – Rennwagen aus der Uni-Werkstatt

An der TU Berlin entwickeln jedes Jahr Studenten in Teamarbeit Rennwagen verschiedener Antriebsarten [Foto: Clara Montag]

Studenten verschiedener Fachrichtungen der Technischen Universität Berlin entwickeln und bauen jedes Jahr Rennwagen verschiedener Kategorien. Neben der Teilnahme an einem renommierten internationalen Konstruktionswettbewerb, der Formula Student, trainieren die Beteiligten für ihr späteres Berufsleben Kompetenzen wie Teamwork, Projektmanagement oder Belastbarkeit und Flexibilität. Mit seiner Praxisnähe ist FaSTTUBe, so der Projektname, der als Akronym für Formula Student Team der Technischen Universität Berlin steht, ein anspruchsvolles Uni-Projekt, das eine große Herausforderung darstellt, aber auch viel Spaß macht.

Von 0 auf 100 in drei Sekunden. Die Autos der Formula Student beschleunigen fast so rasant wie ein Formel-1-Auto. Aber Beschleunigungswerte zählen für Projektleiter Noah Czorny und das Studententeam nur als ein zusätzlicher Aspekt. Denn „It’s not only about going faster, it’s about getting smarter“, heißt der Leitgedanke der Formula Student Germany – Schnelligkeit und Intelligenz sollen miteinander einhergehen. Gewinner am Ende sind jene mit dem besten Gesamtpaket aus Konstruktion, Fahrleistung, Finanzplanung und Marketing. Noah Czorny studiert Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Maschinenbau im 6. Semester und brennt, wie das gesamte Team, für Technik und Motorsport. Zwanzig Stunden pro Person und mehr wird jede  Woche    getüftelt, konstruiert, gebaut und dokumentiert. Der Konstruktionswettbewerb hat seine Wurzeln in den USA, wo die Aufgabe 1981 formuliert wurde: Studenten bauen einen Monoposto, einen einsitzigen Rennwagen mit vier offenen Rädern und offenem mittigen Cockpit innerhalb eines Jahres. Innerhalb dieser kurzen Zeit muss es bei allen Beteiligten ebenfalls schnell von 0 auf 100 gehen. Denn von einem solchen Rennwagen existieren bei Saisonbeginn im Oktober weder eine Zeichnung, noch eine Schraube. Dass effizientes Arbeiten neben dem Studium möglich ist, hat das studentische Team der Technischen Universität bereits mehrfach bewiesen.

Noah Czorny erläutert, dass der Beschleunigungstest nur einer von vier Fahrtests ist. Dazu gehören außerdem ein Skid Pad (Acht-Fahren), ein Autocross und ein Langstreckentest. Juroren beurteilen zusätzlich die konstruktiven Lösungen, die Kosten und den fiktiven Businessplan. Angehende Ingenieure verschiedener Fachrichtungen, IT Studenten und Wirtschaftsfachleute arbeiten Hand in Hand.

Wenn Studenten ein Auto nach strengen Vorgaben gemeinsam entwickeln und bauen, schweißt dies zusammen und bringt einen wertvollen Praxisanteil ins Studium. Das aktuelle Team besteht aus 90 Teilnehmern. Jeder hat seine spezifische Aufgabe und muss sie exakt und vor allem pünktlich abliefern, damit am Ende ein Rennwagen die Werkstätten in der Gustav-Meyer-Allee auf dem Technologie- und Innovationspark Berlin (TIB) verlassen kann. Dieses Jahr sollen es sogar drei Fahrzeuge werden. Denn FaSTTUBe baut 2020 zum ersten Mal in den Kategorien Verbrennungsmotor, Elektrofahrzeug und autonom fahrendes Auto.

Das größte Event der Formula Student findet am Hockenheimring statt. Über 100 Teams aus aller Welt treten vor mehreren tausend Zuschauern an. Formula Student-Wettbewerbe finden unter anderem auch in Spanien, Tschechien, Österreich, Großbritannien und den USA statt. Die Berliner Studenten haben sich schon einen guten Namen gemacht. FaSTTUBe hat im vergangenen Jahr in Tschechien, Österreich und Deutschland zwei Siege und mehrere Podestplätze erzielt.

Das Projekt wird von der Technischen Universität und mehreren Partnern aus der Industrie unterstützt. Seit 2019 ist auch die Gasag Sponsor und beeindruckt von der Leistung an der TU Berlin: „Wir unterstützen FaSTTUBe sehr gerne, weil es uns überzeugt und mit seiner Begeisterung angesteckt hat. Wir haben größten Respekt davor, was die Studentinnen und Studenten in den einzelnen Fachdisziplinen leisten und wie sie fächerübergreifend forschen, entwickeln und realisieren. Uns beeindruckt, mit welch hoher Eigenverantwortung sie ein so umfassendes Projekt managen und dabei sehr professionell mit Partnern zusammenarbeiten und am Ende erfolgreich sind“, sagt Birgit Jammes, Sponsoring-Referentin des Energieunternehmens. Auch die Gasag profitiert von dem Geleisteten. Die Studenten begleiten beispielsweise das Unternehmen auf Messen und Veranstaltungen mit einem Fahrsimulator.

Offen bleibt noch die Frage, wer die Rennwagen von 0 auf 100 bringt und die vielen Tests fährt. Das seien die jeweiligen Teammitglieder selbst, sie würden die Fahrzeuge am besten kennen, sagt Czorny. Und wenn alles geschafft ist, die Spannung der Wettkämpfe in Stolz und Freude umschlägt, gehen schon bald wieder die Vorbereitungen für die neuen Fahrzeuge und die nächste Saison los.

Martina Krüger

 

82 - Frühjahr 2020
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