%3 abonnieren

Brandenburg (72 - Herbst 2017)

Finsterstes Brandenburg

Das Westhavelland ist das sternenreichste Gebiet Deutschlands. Dort wird die Nacht touristisch zum Tag. Die dunkelste Nacht findet sich in einem abgelegenen Flecken Brandenburgs. Der Sternenpark Westhavelland wurde im Februar 2014 von der International Dark Sky Association (IDA) zum ersten deutschen Sternenpark ernannt. Astronomen und Hobby-Astronomen kommen in Havelaue auf ihre Kosten. Von künstlichem Licht verschont ist hier besonders das Kerngebiet zwischen Gülpe und Nennhausen. Das etwa 80 Kilometer von Berlin entfernte Landstück ist dünn genug besiedelt, um einen ungetrübten Blick in den sternenreichen Nachthimmel zu ermöglichen. Dieser Umstand lockt Sternengucker und -fotografen aus der ganzen Bundesrepublik an. Schon mit bloßem Auge ist die gesamte Milchstraße zu bestaunen. So etwas gibt es nicht mehr oft in Europa. Höchstens in Mecklenburg-Vorpommern findet man noch ähnlich finstere Ecken, so Experten. Lichtverschmutzung ist das Stichwort. Gerade Tiere leiden nachweislich unter den vielen menschgemachten Lichtern.

Der Naturpark Westhavelland ist also auch Sternenpark. Im Naturparkzentrum in Milow wurde eine spezielle Kabine eingerichtet, in der Lampen den Sternenhimmel nachbilden. Zwei Naturführer haben sich astronomisch weitergebildet und bieten thematische Wanderungen an. Vom „Sternenblick Parey“ aus, gelegen im Hof der Naturparkverwaltung, können Hobbyastronomen wie Profis in ferne Welten schweifen. Für den Blick in die Sterne steht ihnen hier an klaren Neumondnächten ein großes Teleskop zur Verfügung. Die Röhre des Fernrohrs misst dreieinhalb Meter. Es hat 17,5 Zentimeter Linsendurchmesser und eine Brennweite von 261 Zentimetern. Das historische Gerät stammt aus dem Planetarium Potsdam und wurde der Beobachtungsstation anlässlich der Einrichtung des Sternenparks geschenkt. Das Erlebnis des Sternenhimmels ist aber auch ohne Technik  tief beeindruckend.

Ortsansässige Gastgeber haben sich mittlerweile auf die Astrotouristen eingestellt. Für Camper ist in Gülpe ein Wohnmobilstellplatz mit Stromanschluss geschaffen worden, der sich explizit an diese Besuchergruppe wendet. Vermieter von Ferienwohnungen veranstalten Workshops, verleihen aktuelle Sternkarten, Fernrohre und Beobachtungsbrillen. Auf einer speziellen Landkarte sind die besten Beobachtungsstandorte der Gegend verzeichnet. Neben den Planeten unseres Sonnensystems lassen sich so auch entfernte Himmelsobjekte entdecken, darunter Kugelsternhaufen, Doppelsterne und galaktische Nebel. „Hobbyastronomen sind hier genauso richtig wie Naturfreunde und Familien“, so Thomas Becker von der Naturparkverwaltung Westhavelland. Für Nachtwanderungen sind Kinder in der Regel immer zu begeistern, und Sterne bieten allemal genug Raum für Fantasie. Einige Details sollten alle Sterngucker allerdings berücksichtigen. Wirklich richtig dunkel ist der Himmel frühes­tens anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang. Passionierte Sterngucker achten natürlich auch auf die Jahreszeit. „Frühjahr, Herbst und Winter bieten die besten Rahmenbedingungen. Im Sommer sind die Nächte kürzer, und im Juni wird es überhaupt nicht vollständig dunkel“, sagt Thomas Becker. „Mitte August allerdings sind Sternschnuppen eine zusätzliche Attraktion.“ Helle Lichtquellen sollten während der „Sternzeit“ vermieden werden. Um sich vor Ort zu orientieren, sind demnach Rotlichtlampen angeraten. Ein wenig Glück gehört allerdings immer dazu, denn bei bewölktem Himmel nutzt auch die dunkelste Ecke Deutschlands wenig. Übrigens: Die Gegend ist ebenso tagsüber eine Reise wert. Der Havelradweg lockt zu jeder Jahreszeit, und in Zeiten des Vogelzugs gesellen sich die Ornithologen zu den Sternguckern und Radlern.

Karen Schröder

 

INFORMATION

Der Tourismusverband Havelland e.V. hat zum Sternenpark eine Broschüre herausgegeben, die man sich auch im Internet herunterladen kann. www.sternenpark-westhavelland.de

 

72 - Herbst 2017

Eleganter Ort am Scharmützelsee

Bad Saarow entwickelt sich beständig und besticht durch seine Lage, Natur und Tradition. Der Ryder Cup 2022 wäre es gewesen. Bad Saarow hatte sich für die Austragung eines der wichtigsten Golfturniere beworben,  den Zuschlag dann aber nicht bekommen. Der Veranstalter kürte in seiner Zentrale im englischen Wentworth stattdessen Rom zum Ausrichter der 44. Auflage des prestigeträchtigen Kontinentalvergleichs der besten Profis aus Europa und den USA. Bad Saarow wäre auf einen Schlag in aller Welt bekannt geworden. Tausende sportinteressierter Touristen hätten die Hotels der Umgebung belegt. Aber es geht auch ohne. Denn der Kurort hat mehr zu bieten als seine Golfplätze. Das wissen die Millionen Touristen, die jährlich kommen, zu schätzen. Viele Gäste sind Tagesgäste aus Berlin und Umgebung. Doch auch die Zahl der Übernachtungen steigt stetig. 2016 waren es 385 000. Im Durchschnitt blieben die Gäste drei Tage. Allein das „märkische Meer“, wie Fontane den Scharmützelsee nannte, zieht die Besucher magisch an. Im Ranking Lieblingssee der Deutschen liegt der Scharmützel laut Umfragen seit Jahren auf den ersten fünf Plätzen.

An der Seepromenade und im Kurpark lässt es sich wunderbar flanieren. Ein längerer Spaziergang etwa zum traditionsreichen Café Dorsch bietet sich an. Hier haben es sich einst schon diverse Ufa-Stars gut gehen lassen. Die Schauspielerin Anny Ondra und der Boxer Max Schmeling waren Stammgäste. Schließlich besaßen die beiden, wie viele andere Prominente, in Bad Saarow ein Sommerhaus. Ein lohnendes herbstliches Wanderziel von Bad Saarow aus sind aber auch die Markgrafensteine, bekannt durch die Granitschale vor dem Alten Museum in Berlin. Vom nahe gelegenen Aussichtsturm lässt sich der gesamte Scharmützelsee überblicken. „Bei gutem Wetter kann man sogar den Fernsehturm sehen“, sagt Laura Beis­ter, Geschäftsführerin des Tourismusvereins Scharmützelsee.

Der Scharmützelsee ist am Ende so groß aber gar nicht. Er lässt sich bequem in zweieinhalb Stunden mit dem Fahrrad umrunden, eine Rast eingerechnet. Spätestens dann wird klar, welche Ausnahmestellung der elegante Kurort Bad Saarow einnimmt, denn weder Wendisch Rietz noch Diensdorf können ihm das Wasser reichen. Mit heute rund 5 000 Einwohnern ist Bad Saarow auch der größte Ort am See. Hier gibt es die besten Hotels und zahlreiche Freizeitangebote. „Bad Saarow hat immer schon mehr auf Qualität statt auf Quantität gesetzt. Nachhaltiges Wachstum ist unsere Devise“, so Laura Beister. Man ist sich der Tradition als eleganter Bade- und Kurort in der Nähe Berlins durchaus bewusst.

2011 zahlten sich die Bemühungen aus. Als erster Ort Brandenburgs wurde Bad Saarow von der Initiative ServiceQualität Deutschland als Qualitäts-Stadt zertifiziert. In Saarow will man von einer Servicewüste Brandenburg nichts wissen. Insgesamt 19 serviceorientierte Einrichtungen und Betriebe sind mit dem großen Q wie Qualität gekennzeichnet, darunter Hotels, Restaurants und Ferienwohnungen, aber auch die Sommerrodelbahn, die Schifffahrtsgesellschaft und der Kletterwald. Die großzügig erweiterte Therme und die Kureinrichtungen gehören selbstverständlich dazu. „Nur ein wirkliches Zentrum hat die Landhaussiedlung Bad Saarow, wie sie 1906 von Ludwig Lesser geplant wurde, bislang nicht“, so Anke Hirschmann, die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Bad Saarow. Das soll sich jetzt ändern. In der Nähe des denkmalgeschützten Bahnhofs errichtet die Berliner Unternehmensgruppe Artprojekt für rund 27 Millionen Euro die Kurpark-Kolonnaden mit Marktplatz. „In fünf durch eine Kolonnade verbundenen Gebäuden sind Cafés, Geschäfte und ein Kino vorgesehen“, freut sich die Bürgermeisterin, denn Saarow brauche derartige Investitionen. In den jeweiligen Obergeschossen entstehen Miet- und Eigentumswohnungen.

Neben dem ganz neuen macht in letzter Zeit auch der älteste Teil Bad Saarows von sich reden. Auf einer Landzunge steht der historische Eibenhof. Einst befand sich hier das Rittergut derer von Löschebrand. Anfang des 18. Jahrhunderts ließen die Gutsbesitzer den eingeschossigen Barockbau, wie er heute wieder zu bewundern ist, errichten. Von 2005 an erfolgte ein denkmalgerechter Umbau des Eibenhofs. Heute ist er ein Wohn-, Arbeits- und Ferienort für Familien. Außerdem ist mit der neu erbauten Kulturscheune ein besonderer Veranstaltungsort entstanden. Lesungen, Konzerte und Theater werden hier veranstaltet und jedes Jahr im September das  dreitägige internationale Festival „Film ohne Grenzen“. Ein Ereignis, das zum aufstrebenden Kurort  Bad Saarow passt.

Karen Schröder

 

72 - Herbst 2017