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Wirtschaft (64 - Herbst 2015)

Hotelgeschichte am Alexanderplatz

Das Park Inn Hotel Berlin Alexanderplatz feiert seinen 45. Geburtstag. Das am 7. Oktober 1970 als „Interhotel Hotel Stadt Berlin“ eröffnete Vorzeigehotel der DDR blickt auf eine bewegte Erfolgsgeschichte und heute von seiner Panorama-Terrasse im 40. Stockwerk auf eine nach der Wende grenzenlos wachsende Stadt.

Mit 1012 Zimmern und Suiten, wovon täglich rund 900 Zimmer belegt sind, auf insgesamt 37 Etagen und einer Gebäudehöhe von ca. 150 Metern ist das Park Inn am Alexanderplatz das zweitgrößte Hotel der Bundesrepublik Deutschland. „In unserem Hotel übernachten pro Jahr cirka eine halbe Million Menschen“, sagt General Manager Jürgen Gangl. Nach Schätzungen der Übernachtungszahlen vor der Wende sei von ungefähr 24 Millionen Übernachtungen in 45 Jahren Hotelgeschichte auszugehen. Das höchste Berliner Hotel wurde am 7. Oktober 1970, dem 21. Jahrestag der DDR-Gründung, als „Interhotel Hotel Stadt Berlin“ eröffnet.

Das Prestigehotel der DDR konnte bereits zur Eröffnung mit 1006 Zimmern, flotten Aufzügen, unterschiedlichen Restaurants, Bars und dem Panorama Restaurant in der 37. Etage punkten. „Es war das beste Restaurant, das es in Berlin gab, und ein beliebter Treffpunkt für die alliierten Soldaten, die mit Bussen angekarrt und wieder abgeholt wurden“, erinnert sich Sous-Chef Klaus Wendland.

Vor genau 45 Jahren hat die Karriere des heutigen Sous-Chefs als ausgebildeter Koch im Park Inn begonnen. „Ich habe das Geschirr in das Lager geräumt, den Einzug und die Eröffnung miterlebt“, erinnert sich der dreifache Vater und resümiert:

„Ich bin hier gerne groß geworden. Besonders spannend war es nach der Wende, denn es ist eine ,neue Stadt‘ hinzugekommen.“ Wendland zeichnete als einer von 200 Köchen von insgesamt 1200 Mitarbeitern in drei Küchen für Speis und Trank an 1900 Plätzen in der Rotisserie, Hallenbar, Cafeteria, Milch-Eis-Mokka-Bar oder der heute noch existenten Zille-Stube verantwortlich. Zirka 600 Liter pikante Soljanka-Suppe und bis zu 700 Mahlzeiten pro Tag wurden im „Alex-Grill“ zu moderaten Preisen in Ostmark verkauft. „Den für Telly Savalas in unserer Patisserie gefertigten Lollipop durfte ich persönlich überreichen“, schildert der Sous-Chef seine kurze Begegnung mit „Kojak“. 

Das Vier-Sterne-Superior Hotel am Alex beschäftigt zurzeit 350 Mitarbeiter. Die Bettenanzahl ist im Wandel der Zeit nahezu ident geblieben. „Nur dass heute keine Betten mehr in L-Form existieren, die sowohl als Einzel- als auch Doppelzimmer zu buchen gewesen sind“, erwähnt Carola Zinke, die seit 40 Jahren als Mitarbeiterin der Gruppenreservierung im Park Inn tätig ist. Sie brachte James Brown die erwünschte Trockenhaube auf das Zimmer, traf Bruce Springsteen und Bryan Adams und begegnete zahlreichen Polit-Größen wie Josip Broz Tito im Jahre 1976. 

Die Arbeit im Park Inn erlaubte einen Blick in die Freiheit. „Wir hatten mit Menschen zu tun, die uns das Leben hinter der Grenze vorstellen ließen, hatten Zugriff auf harte Auslandswährung und gute Beziehungen zu Taxi-Fahrern“, blickt die Hotelfachfrau zurück. Carola Zinke war selbst an der Demonstration am 4. November 1989 am Alexanderplatz dabei, „doch um 14 Uhr musste ich zur Arbeit und bin pflichtbewusst hingegangen“. 

General Manager Jürgen Gangl lenkt die Geschicke des Hauses. Der Erfolg des Hauses sei natürlich mit der Lage am Alexanderplatz mit Blick auf den Fernsehturm verbunden. Doch betriebliche Erfolge könne man nur mit Menschen erzielen, „die hinter der Arbeit stehen und diese große Maschinerie Tag für Tag mit viel Menschlichkeit bewegen“, ist er überzeugt. Wenn Mitarbeiter wie Klaus Wendland oder Carola Zinke sich mit dem Hotel identifizieren und langjährige Erfahrungen einbringen, sorgen sie für Kontinuität, Vertrauen und auch Spaß bei der Arbeit. „Wir alle profitieren von dem guten Betriebsklima. Das spiegelt sich auch an der großen Anzahl unserer Stammgäste wider“, stellt Jürgen Gangl fest. 

Die Gästezimmer wurden bereits Anfang der 90er-Jahre generalsaniert, die Bäder durch bauliche Veränderungen geöffnet, die Fassade wurde im Jahr 2004 mit Spiegelglas-Fenstern neu gestaltet. „Auch in den vergangenen zehn Jahren haben wir laufend und insgesamt alle Zimmer renoviert. In einem Haus dieser Größenordnung ist man nie fertig“, weiß Jürgen Gangl. Insgesamt 100 Millionen Euro sind in dieser Zeit in die Sanierung des Gesamtobjektes geflossen. 

Im kommenden Jahr sollen 16 neue Suiten in der 37. Etage entstehen. Die 25 Jahre alte Lobby, ein beliebter Treffpunkt für Städtereisende, soll luftiger und moderner, der Haupteingang in der Passage vergrößert werden. Auch die Entwicklung mit neu entstehenden Hotels am Alex schreitet voran. „Entweder man liebt den Alex oder man hasst ihn. Für mich ist das Haus an dieser Stelle nach wie vor faszinierend. Die Menschen und die Atmosphäre am Alex, der immer eine Baustelle und in Bewegung sein wird“, beschreibt Jürgen Gangl seine Arbeit in einer 45-jährigen Hotel-Institution im vereinten Berlin. 

Michaela Bavandi

 

64 - Herbst 2015

Wir sind gewachsen

20 Jahre GfWOB (Gesellschaft für Wohnungsverwaltung und Objektbetreuung).

Ein voller Arbeitstisch. An der Wand ein Foto vom Golfturnier mit einem Spitzenklassespieler, das eigene Haus aus der Vogelperspektive. Der Überblick ist es auch, der die Sicht des Geschäftsführers Andreas Otto auf seine tägliche Arbeit seit 20 Jahren prägt. Der Auftraggeber und sein Objekt stehen im Mittelpunkt, rundherum zieht er seine Bahnen. Grundsympathisch und raumfüllend.

Das Portfolio der Gesellschaft für Wohnungsverwaltung und Objektbetreuung umfasst Fremdverwaltung für etwa 2 000 Wohneinheiten und Wohnungseigentumsverwaltung für 65 Eigentumsanlagen mit fast 2 100 Wohneinheiten. Seit Ende 1994 ist die GfWOB als einhundertprozentige Tochter der Wohnungsbaugenossenschaft Friedrichshain am Berliner und Brandenburger Wohnungsmarkt präsent. Daher rühren die Serviceleistungen für etwa 8 600 Wohneinheiten mit 24 Stunden Hausmeisterdienst, Haushandwerkerleistungen, Pflege der Außenbereiche und Gebäudereinigung. „Wir sind untypisch, wir sind stabil, wir sind berechenbar, wir sind gewachsen und wachsen weiter.“

Unaufgeregt steht er einem erfolgreichen Unternehmen vor, qualifiziert seine Mitarbeiter, denkt langfristig auf einem Gebiet, das zugegeben spannender ist, als man glauben mag. Hausverwaltung ist sehr anspruchsvoll, in Deutschland nicht zertifiziert, die rechtliche Lage von Wohnungseigentum überaus kompliziert und die kaufmännischen Abläufe aufwendig. „Wir decken sämtliche Verwaltungsarten ab und bieten den Service aus dem eigenen Haus. Immer sauber, immer ordentlich und es funktioniert.“ Die Seiten der Verwaltung bringt Andreas Otto selber mit. Der Jurist, der Kaufmann, der Praktiker, der Macher. Vernetzt und mit Weitblick. Neuzugänge an Verwaltungsbeständen haben mehrheitlich einen höchst sanierungsbedürftigen Zustand. Forderungen aus nicht gezahlten Hausgeldern sind dann auszugleichen, bauliche Mängel nach Insolvenz des Bauträgers im Rahmen erstmaliger mangelfreier Herstellung abzuarbeiten. Hier führt die GfWOB Verhandlungen mit den Gläubigern, stellt die Zahlungsfähigkeit der Eigentümergemeinschaft wieder her, indem praktikable Sanierungskonzepte entwickelt werden. Otto fordert Verantwortung. „Wer mit mir arbeitet, soll sich in der Pflicht fühlen, gute Arbeit zu leis-ten.“ Die Kunden sind überzeugt. Die Tochter ist der Mutter in den Jahren weit über den Kopf gewachsen mit 70 festangestellten Mitarbeitern und 3,5 Millionen Jahresumsatz.

Brit Hartmann

 

64 - Herbst 2015

Bei uns geht es um mehr als nur um Steuern

Seit 40 Jahren betreibt Lothar Ebert seine Steuerkanzlei in Berlin-Westend. Annette Kraß traf ihn in seiner Steuerkanzlei, die er seit 2003 mit seinem Partner Andreas Linow führt.

Zuerst einmal Gratulation zu 40 Jahren Steuerkanzlei. Macht es immer noch Spaß?

Unbedingt, der Beruf macht mir viel Spaß, die Kanzlei ist mein Lebenswerk.

Das klingt nach Leidenschaft für Ihren Beruf.

Ja, ich musste mich mit 15 1/2 Jahren für einen Beruf entscheiden, wusste damals noch gar nichts mit Steuern anzufangen, aber von der ers-ten Minute an hat es Spaß gemacht: meine Ausbildung, die kurze Angestelltenzeit. Danach folgte dann ja sofort die Selbstständigkeit.

Sie haben diese Kanzlei also gegründet? 

Ja, ich habe mich einfach in ein Büro gesetzt, gesagt, da bin ich, und dann ging es los. Anfangs waren es die Freunde, die kamen, schnell hat sich die Zufriedenheit mit meiner Arbeit aber herumgesprochen, sodass auch die Mitarbeiterzahl entsprechend wuchs. Wir haben im Durchschnitt 15 bis 20 Mitarbeiter, und eine Kanzlei in dieser Größenordnung ist auch genau das, was ich wollte: Klein, aber fein, sehr individuell und nur mit Spezialisten ausgestattet. Aus diesem Team ist auch mein Partner hervorgegangen. Er hat bei uns gelernt und es ist so, dass wir sehr viel gemeinsames Gedankengut haben ...

... was Ihnen im Hinblick auf die Weiterführung Ihrer Kanzlei sicher wichtig ist ...

Natürlich, es hat viel mit der persönlichen Wertschätzung zu tun. Es ist ja nicht nur die fachliche Kompetenz wichtig, entscheidend ist, dass man das Herz am rechten Fleck hat. Darauf lässt sich nicht verzichten, wenn man diesen Job gut machen will. 

Warum?

Beim Thema Steuerberatung geht es nicht nur um Steuern, wir sind unseren Klienten Vertraute in vielen Bereichen. Dies wollen wir so fortführen. Auch wenn es nicht einfacher wird.

Was meinen Sie damit: das deutsche Steuerrecht?

Dies ist ein schwieriges, komplexes Thema und ich werde mich hüten, diesbezüglich irgendwelche Empfehlungen auszusprechen, auch wenn viele unsinnige Dinge darunter sind. Aber ich möchte herausstellen, dass ich den Weg der Wiedervereinigung, auch was das Steuerrecht angeht, beeindruckend fand. Da haben die daran Beteiligten schon großartige Arbeit geleistet.

Inzwischen gibt es ja viele Programme, die bei der Steuererklärung behilflich sind. Was spricht dafür, die Steuererklärung einem Experten anzuvertrauen?

Ich glaube, das kann man so leicht nicht beantworten. Man sollte eine Affinität dafür haben, die Programme zu nutzen. Einfach nur ein paar Zahlen einzusetzen, wird nicht reichen. Wir merken, dass trotz vieler Buchhaltungsprogramme unsere Beratung immer wieder gefragt ist. Steuern bleiben eben ein Spezialgebiet.

Mit der Leitung der Kanzlei sind Sie sicher sehr gefordert. Wie entspannen Sie?

An erster Stelle steht hier das Ver-trauen in die Mitarbeiter. Und das Ziel, mit ihnen möglichst lange zusammenzuarbeiten; wir haben hier nur eine sehr geringe Fluktuation. Unser Team harmoniert gut und arbeitet sehr selbstständig, sodass wir nicht jeden Arbeitsvorgang überprüfen müssen. Dies alles macht es uns möglich, Freizeiten zu schaffen.

Wie überzeugen Sie jemanden für den Beruf des Steuerberaters?

Früher haben wir sehr viel ausgebildet, dann wurde es etwas ruhiger. Auszubildenden gegenüber ist unser Vorsatz, immer zu sagen, du musst nichts können, du musst nur wollen. Und wir empfehlen, sich unser Büro ein paar Tage anzuschauen, um festzustellen, ob es passt. Denn wie gesagt: In diesem Beruf geht es nicht nur um Zahlen. 

Jeder Auszubildende sollte vor dem Hintergrund des Umgangs mit Kollegen und Mandanten also auch seine Persönlichkeit einbringen ...

Sie merken, dass ich über Steuern gar nicht reden möchte. Wir setzen voraus, dass sich die fachlichen Fertigkeiten entwickeln, bei dem Einen schneller, beim Nächsten langsamer. Dass wir eine gute fachliche Qualität liefern, ist selbstverständlich, unsere Mandanten erwarten dies. Aber für ein gutes Ergebnis sind auch kompetente persönliche Gespräche unumgänglich, man sollte Freude und Liebe für diesen Beruf mitbringen. Für uns ist jeder Mitarbeiter unseres Büros ein wichtiger Mitarbeiter.

Sie engagieren sich auch für soziale Themen?

Wir haben unsere Mandanten immer schon zu Spenden ermutigt; inzwischen sind mein Partner und ich Mitglieder verschiedener Lions Clubs und diesbezüglich aktiv. Wir unterstützen verschiedene Kinderprojekte. Uns ist wichtig, den Leuten klar zu machen, etwas von ihrem verdienten Geld abzugeben, wenn sie es sich leisten können. 

Herr Linow, Sie sind wohlüberlegt ins Boot geholt worden, dieser Vertrauensbeweis freut Sie sicherlich ...

A. Linow: Auf jeden Fall, ich habe ja schon meine Ausbildung hier abgeschlossen und denke, dass sich unsere Zusammenarbeit bisher sehr positiv ausgewirkt hat.

Wie lange werden Sie denn noch Seite an Seite arbeiten?

A. Linow: Ich hoffe, mein Leben lang, wir haben unterschiedliche Arbeitsweisen, was sicher auch unserer Altersdifferenz geschuldet ist. Herr Ebert urteilt, bewertet, gewichtet die Dinge anders als ich, wir können da beide voneinander lernen und ich profitiere viel von seiner Erfahrung. Wir ergänzen uns einfach sehr gut. 

L. Ebert: Wir stellen immer wieder fest, dass wir mit unterschiedlichen Herangehensweisen oft doch zum gleichen Ergebnis kommen. Die fachliche Kompetenz ist selbstverständlich. Die persönliche Komponente ist der entscheidende Mehrwert. Dies ist unser Erfolgsrezept.

 

 

64 - Herbst 2015

65 Jahre und drei Generationen

Theodor Bergmann Haustechnik hat Grund zu feiern. Ob der Wasserhahn tropft oder die Heizung ihren Dienst versagt: Seit fast 65 Jahren sorgt die Firma Theodor Bergmann Haustechnik für funktionierende Leitungen, warme Stuben und vieles mehr.

Mit rund 160 Mitarbeitern gehört der Reinickendorfer Familienbetrieb zu Berlins größten Firmen dieser Branche.

Und es sieht nicht so aus, als würde sich daran etwas ändern. Inzwischen steht schon der zweite Generationenwechsel an. Firmengründer und Großvater der heutigen Führungsriege ist Theodor Bergmann. Am 15. Dezember 1950 gründete er seinen kleinen Handwerksbetrieb, zog mit einem kleinen Handwagen selbst von Kunde zu Kunde und führte diverse Reparaturarbeiten im Sanitärbereich durch.

Seine Söhne Bernd und Uwe stiegen 1980 ein und heute lenken bereits die Enkel die Geschicke der Firma, auch wenn Bernd Bergmann immer noch zugegen ist, sich nur sehr langsam etwas zurückzieht. Das Trio der dritten Generation ergänzt sich hervorragend und lässt ein wenig frischen Wind einziehen. Während Björn eher im technischen Bereich zu Hause ist und seine Schwester Jennifer das Personal betreut, kümmert sich Benjamin Bergmann hauptsächlich um die Zahlen. Und die drei jungen „Bergmänner“ sind erfolgreich: Bergmann Haustechnik ist bereits zu Berlins zweitbestem Ausbildungsbetrieb gekürt worden, seit einem Jahr wird an der Qualifizierungsmaßnahme für das Siegel „attraktiver Arbeitgeber“ gearbeitet, das Trio will damit auch ein wenig den Auswirkungen des Fachkräftemangels entgegenwirken. Was die Firma schon als Ausbildungsbetrieb tut, in den letzten zehn Jahren hat sie 80 Jugendliche in das Arbeitsleben entlassen. Dabei scheinen die Mitarbeiter zu wissen, was sie an ihrem Arbeitgeber haben: Die Fluktuation ist gering und inzwischen holen die Angestellten schon ihre Familienangehörigen in den familiengeführten Betrieb. Überzeugt werden möchte eher der Nachwuchs in den Schulen, also potenzielle Auszubildende. Aber auch dies läuft ziemlich erfolgreich: Jennifer und Benjamin Bergmann touren durch die Hauptschulen des Bezirks, informieren über Handwerksberufe und führen in den Schulen Bewerbungstrainings durch. Schließlich wissen sie, wovon sie sprechen. Darüber hinaus bieten sie Praktikumsplätze an, die gern in Anspruch genommen werden. Und für die Angestellten locken durchaus attraktive Einsatzorte: Das Olympiastadion gehört dazu, Berlins neues Stadtschloss und das Waldorf-Astoria-Hotel, um nur einige zu nennen.

Auch wenn die Hauptkunden aus den Wohnungsbau-Gesellschaften und -Genossenschaften stammen.

Die Firma setzt auf die oft genannte Nachhaltigkeit: Die Mitarbeiter absolvieren regelmäßig Schulungen und Weiterbildungen. Die unverzichtbar sind, schließlich geht es um wichtige Themen wie Trinkwasserverordnungen und den verantwortungsvollen Umgang mit Gasleitungssystemen. Und im Bereich regenerative Energien gibt es immer neue Entwicklungen, die den zunehmend auch privaten Kunden vorgestellt werden wollen.

Für die Bergmänner gibt es aber auch ein Leben nach der Arbeit. Benjamin Bergmann verrät, dass sie gerne nach Dienstschluss mit ihren Kollegen bei einem Glas Wein zusammensitzen und den Tag ausklingen lassen. 

Und seit 2009 das beliebte Federweißerfest feiern, zu dem alle Weggefährten einmal jährlich zusammenkommen. Bei meistens schönem Wetter ... 

Annette Kraß

 

64 - Herbst 2015

Schöner Parken

Solange es Autos gibt, werden auch Unterbringungsmöglichkeiten für selbige nachgefragt, in den Innenstädten heute mehr denn je. Entsprechend groß fallen Tiefgaragen und Parkhäuser aus und sind, was die architektonischen Anforderungen angeht, nicht zu unterschätzen. Vor allem dann, wenn es darum geht, anspruchsvolle und atmosphärisch gelungene Nutzflächen zu schaffen. Inzwischen gibt es kreative Konzepte, die sich dieses Themas annehmen, zum Beispiel  die Contipark Unternehmensgruppe. In der „Alten Wallgasse“ in Köln wurden von einem alten Parkhaus vier Parkgeschosse abgetragen, auf den verbliebenen 250 Garagenplätzen wird ein Wohngebäude mit 31 Eigentumswohnungen errichtet.

Klaus-Jürgen Jahn, Geschäftsführer der Jahn Baumanagement GmbH in Berlin, hat sich mit seinem Unternehmen aber nicht nur auf die Sanierung von Parkhäusern und Tiefgaragen spezialisiert, sondern empfiehlt, gestalterische Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. 

Im Zusammenspiel mit Licht und Farbe können Tiefgarage und Parkhaus Qualitäten entwickeln und erhalten, die heute zum Standard gehören sollten: sauber, sicher und hell müssen sie sein. Breitere Stellplätze und breite Markierungen machen sie ebenfalls benutzerfreundlicher.

Für große Parkhäuser hat Jahn Baumanagement mit ParkAd nun ein neues Produkt entwickelt, mit dem sich nicht nur eine ansprechende Gestaltung für das Parkhaus sicherstellen lässt, sondern zusätzliche Einnahmen generiert werden können: großflächige Parkhauswerbung. Anders als im öffentlichen Raum, der die Menschen mit einer permanenten Reizüberflutung konfrontiert, fällt in einem Parkhaus oder einer Tiefgarage jeder optische Reiz extrem ins Auge. Dieses Alleinstellungsmerkmal sowie die Möglichkeit, die Nutzer der Parkgarage hinsichtlich ihrer Größe und Zusammensetzung relativ genau als Zielgruppe einzugrenzen, machen sich die Parkhausbewerber zunutze: Klaus-Jürgen Jahn erklärt: „In Zeiten, in denen die Werbebudgets immer kleiner und deshalb immer genauer ausgesteuert werden müssen, ist die Zielgruppengenauigkeit und Streuverlustminimierung, die man in einem Parkhaus erreicht, ein großer Vorteil für Werbekunden, darüber hinaus eine gute zusätzliche Einnahmequelle für Parkhausbetreiber und -eigentümer.“   

 

64 - Herbst 2015

Herz für den Sport

Klaus-Jürgen Jahn ist ein tüchtiger Unternehmer vom alten Schlag. Jetzt, mit 80, will er endlich mal kürzertreten.

Am 9. November könnten die Handballerinnen des MTV Altlandsberg wie gewohnt in der heimischen Erlengrundhalle trainieren. Zu seinem 80. Geburtstag wird Klaus-Jürgen Jahn die Arena nicht wieder für eine zünftige Feier mieten wie fünf Jahre zuvor. „Nein, nein, ich will endlich etwas kürzertreten. Wir werden das diesmal im kleinen Rahmen machen“, winkt der Berliner ab.

Das mit dem Kürzertreten nimmt sich der Geschäftsmann seit Jahren vor, um mehr Zeit für Hobbys zu haben. „Sie sehen ja, wie mir das gelingt“, erklärt er lachend, und alle Mitarbeiter wissen, dass „der Chef“ nahezu täglich in der Firmenzentrale in Reinickendorf nach dem Rechten schaut. Auch als Hauptsponsor der MTV-Handballerinnen hatte sich der „Pensionär“ im Frühjahr verabschiedet, um natürlich trotzdem jedes Heimspiel der 3. Bundesliga zu besuchen und dem Verein weiterhin mit seinen Ideen unter die Arme zu greifen.

Vom Sport kommt der Ur-Berliner ohnehin nicht los, obwohl er selbst dazu kam „wie die Jungfrau zum Kinde“, wie er rückblickend zugibt. Als er mit seinem Spezialunternehmen für Baudichtstoffe 1980 als Sponsor beim Berliner Schlittschuhclub einstieg, wurde er unversehens gleich noch für drei Jahre zum Schatzmeister des Bundesligisten gewählt. „Das war schon eine interessante Zeit“, denkt er zurück und erklärt mit einem Lächeln: „Und lustig war´s. Ich habe in meiner Firma Eishockeyspieler angestellt.“ Unter den heutigen Profi-Bedingungen absolut undenkbar, war solch eine Praxis im Berlin der 80er-Jahre durchaus üblich. Und weil Eishockey seinerzeit schon eine ausgesprochen populäre Sportart war, rissen sich die Firmen um die Halbprofis wie den populären Nationalspieler Lorenz Funk auf den Baustellen. „Alle wollten die Sportler haben. Deshalb hieß das für sie: zwei Stunden Training am Tag, danach Fugen abdichten, Bänder kleben – was eben so gemacht wurde auf unseren Baustellen.“ Der Kontakt zum Verein kam durch einen Zufall zustande. „Um drei Ecken“, erklärt Jahn: „Eine Cousine von Lorenz Funk war als Hausangestellte bei einer befreundeten Familie von Jahn beschäftigt.“ Von da ab hat den Baufachmann und Unternehmer der Sport nicht mehr losgelassen. Nur die Sportarten wurden zahlreicher. Mit dem Ende der DDR sah sich Klaus-Jürgen Jahn plötzlich von Eisschnellläufern umringt, die – angeführt von Trainer Joachim Franke – seinen Rat zur Gründung eines neuen Vereins nutzen wollten. Also zog er mit Monique Garbrecht, Claudia Pechstein, Olaf Zinke & Co durch die Eisbahnen, und die Cracks trugen den Schriftzug seiner Firma EUROTEAM auf dem Oberschenkel. Viele von ihnen stellte er in seiner mittlerweile in Altlandsberg beheimateten Firma an. „Sportler sind ehrgeizig, pünktlich, fleißig – ich arbeite sehr gern mit ihnen zusammen.“ Und weil die Kufenflitzer nun doch erst einmal bei ihrem Verein SC Berlin blieben und nur das „Dynamo“ aus dem Namen strichen, wurde Jahn Präsident des Sportclubs und ist heute noch dessen Ehrenpräsident.

„Es war einfach eine spannende Zeit, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.“ 

In Berlin-Reinickendorf reichte die Gewerbeimmobilie nicht mehr aus. Mit seinem drei Jahre jüngerem Bruder Wolfram suchten die Jahns kurz nach der deutschen Wiedervereinigung nach einem Grundstück in Brandenburg. In Altlandsberg wurden die Gebrüder fündig. Die Stimmen der Brandenburger, die die Chemie-Firma aus Berlin nicht in ihrer Stadt haben wollten, verstummten schnell, als Jahn ihnen sein sauberes Produktionsunternehmen vorstellte, das in Reinickendorf direkt neben einem Wohngebiet angesiedelt ist.

Mit dem Wechsel hinter die Berliner Stadtgrenze wandelte sich auch wieder einmal die Sportart im Schlepptau des Unternehmers. Die uneingeschränkte Nummer 1 in Altlandsberg ist der Männer-Turn-Verein von 1860, kurz MTV genannt. Der lässt auch Frauen mitmachen und präsentiert die sogar einst in der 2. Bundesliga spielenden Handballerinnen als Aushängeschild. Also sponserte Jahn nun diese Mannschaft und, wie kann es anders sein, auch heute noch, spielt die 1. Damenmannschaft mit dem Logo „Sport gegen Gewalt e.V.“ auf den Trikots.

„Für den Radsport hatten die Altlandsberger leider kein Faible“, bedauert Klaus-Jürgen Jahn, denn an dem hatte er den größten Narren gefressen. „Bestimmt Robert Bartko“, überlegt der Unternehmer nur kurz auf die Frage nach seinem Liebling unter den zahlreichen Sportgrößen. Dass der Doppel-Olympiasieger von Sydney heute eine hohe Position im Eisschnelllauf bekleidet, rundet die Sache zwar irgendwie ab, ist aber ausnahmsweise ohne Zutun von Klaus-Jürgen Jahn geschehen. „Ich war aber bei Roberts Anfängen dabei“, verweist er auf die Jahre vor dem großen Triumph auf dem fünften Kontinent. 1998 hatte er sich auf der Suche nach weiteren Sponsoren für seinen Verein in Altlandsberg, den er lange als 1. Vorsitzender geführt hatte und dem er heute als Ehrenpräsident verbunden ist, ausschließlich Absagen eingehandelt. „Da kam mir eine wirklich zündende Idee“, freut sich Jahn noch heute über den Clou, eine Initiative „Sport gegen Gewalt“ aufzumachen. Das klang zukunftsfähig, und plötzlich wollten zahlreiche größere und kleinere Unternehmen mittun bei einer Sache, die Jugend von der Straße holen und in Sportvereinen unterbringen konnte. „Die Statistik half mir. In Altlandsberg sank die Jugendkriminalität gegen null, und auch das Umland profitierte“, erwähnt er stolz und sagt wie nebenbei, dass er über diese inzwischen zum eingetragenen Verein umgewandelte Initiative jährlich eine ansehliche Summe rekrutiert und dem Sport, besonders natürlich seinem MTV und seinem zweiten Herzenskind, dem Berliner Sechstagerennen, zuführt. Mit dem zum Sportdirektor der Eisschnellläufer aufgestiegenen Robert Bartko ist Klaus-Jürgen Jahn auch heute noch ein Herz und eine Seele, Altlandsberg machte den Unternehmer zum Ehrenbürger, beim Sechstagerennen hat er mit großem Engagement und gegen langen Widerstand der Organisatoren sowohl die Frauen als auch seine geliebten Jugendrennen sogar ins Hauptprogramm des Abends geführt.

„Das mache ich weiter“, verweist Jahn auf „Sport gegen Gewalt“. Firmen motivieren, Leute ansprechen. Deswegen lässt er nach Möglichkeit keinen Renntag auf der Galoppbahn Hoppegarten aus. „Da treffe ich sie doch alle. Und viele hören nicht nur interessiert zu, sondern machen dann mit bei Sport gegen Gewalt.“ Die Kunden honorieren mehr und mehr seine Aktivitäten für den Sport. Vom operativen Geschäft seines Unternehmens will er sich zurückziehen. „Naja, ich hab´s wieder mal vor.“ Um mehr Zeit zum Golfspielen zu haben. Und, wenn die Probleme mit der Bandscheibe behoben sind, vielleicht auch wieder zum Tennis und Skifahren.

Hans-Christian Moritz

 

64 - Herbst 2015

Unsere neue Währung wird das Glück sein

Mit der Foto-Community-Idee für Smart-phones sind 2010 in Berlin vier Freunde an Start gegangen. Nur sechs Jahre später sind es 60 Mitarbeiter im Berliner Büro und über 80 Botschafter in der ganzen Welt. Erste Firmen wurden hinzugekauft, erste Festivals veranstaltet und in Amerika das erste Büro eröffnet. Weltweit sind 13 Millionen Fotografen registriert, aus über 150 Ländern. Allein aus Deutschland sind 300 000 Fotografen bei EyeEm aktiv. Im Schnitt werden 60 000 neue Bilder pro Tag hochgeladen und an den Wochenenden über 120 000. Ein irres Wachstum und ein irrer Erfolg, dem Gen Sadakane, einer der Mitbegründer und der Creative Director, mit lächelnder Gelassenheit begegnet: „Klar ist es ein schönes Gefühl, dass viele EyeEm kennen und auch toll finden. Aber diese Zahlen sind nicht so wichtig. Wichtig ist, dass der Informationsinhalt besser wird und die Fotografie. Und dass es gute Fotografen sind, die Spaß haben und nicht nur Selfies machen, also sich oder ihr Essen fotografieren.“ 

Aber was ist ein gutes Foto? Echte Menschen, echte Gefühle sind gefragt. In allen Bereichen und aus allen Bereichen. Es ist ein anderer Markt. Ein neuer Markt. „Businessfotografien, wo sich alle adrett die Hand geben, sind nicht mehr zeitgemäß. Und ein gutes Foto hat nichts mit dem Apparat zu tun, es kann mit jedem Medium fotografiert werden. Heute ist man näher dran, oft auch wirklich mit der Handykamera. Wenn man mit dem Handy fotografiert, bewegt man sich anders als mit einer großen Kamera und die Leute sich ebenfalls. Es geht um den Moment und die Komposition Und darum, was es mit dir macht. Es geht um die Frage, wie bekommt man in einem Bild schnell etwas ganz einfach kommuniziert und jeder versteht, was gemeint ist.“ Gen Sadakane muss es wissen. In seinem früheren Leben in der Werbebranche hat er mit seinen Foto-Ideen für die Werbung bereits in Cannes mehrere Löwen abgeräumt.
Er wurde in Düsseldorf geboren, hat „Visuelle Kommunikation“ studiert und ist nun halt Unternehmer. Aber auch das ist ihm nicht so wichtig. „Mir macht das Spaß, was ich mache, ob das nun Unternehmer heißt, ist egal.“ 

Und trotzdem bleibt die Frage: Wie wird man heute Unternehmer? „Nicht so viel Caffè Macchiato trinken und quatschen. Man muss passioniert sein und einfach anfangen und machen. Dann ist man schon sehr weit vorne“, sagt er. Unternehmer zu sein, hat für ihn aber auch viel mit verbotenen Dingen zu tun. Seine Schule war die Graffiti-Kunst. Dort hat er alles gelernt über Farben, aber auch was die Effektivität und das Marketing angeht. Wer könnte kommen, muss ich leise sein, wie viel Zeit und Ressourcen habe ich eigentlich? „Was nutzt mir das Malen unter einer Brücke, wenn da eh keiner langkommt? Wo also platziere ich mich, wo ist der Ort, der hoch frequentiert ist? Aber wo mehr Leute sind, ist auch weniger Zeit. Wie bekomme ich also mein Bild in kürzester Zeit schön hin? So muss man auch in einem Unternehmen denken.“

Teil der Philosophie von EyeEm ist, dass alle das Gefühl haben sollen, dass sie an etwas Großem mitwirken. Aber das Gefühl ist nicht nur ein Gefühl. Die mediale Revolution ist in vollem Gange und EyeEm ein Teil davon. Das fängt schon bei der Sprache an. Auf der Plattform wird niemand wie sonst üblich „User“ genannt. „User“ ist in meinen Augen anonym und nicht würdig. Es sind Fotografen, und sie sollen auch als solche benannt werden“ – ist nur einer der neuen Ansätze von Gen Sadakane. Ein anderer ist, dass man auf EyeEm die Gelegenheit hat, besser zu werden und dazu Visualität bekommt. „Ich glaube, jeder möchte irgendwie auf eine Art berühmt sein und wenn wir dabei helfen können, ist das schön.“

Manche der Fotografen auf der EyeEm-Plattform haben heute mehrere 100 000 Follower und bekommen täglich unzählige Likes für ihre Fotografien. Und doch reicht das nicht mehr. „Die neue Währung auf unserem Markt wird das Glück sein, das Glück – ich habe ein Bild verkauft.“ Deshalb gibt es Fotowettbewerbe und -ausschreibungen von Firmen, und das ist einer der Gründe, warum sich EyeEm für einen eigenen authentischen Online-Marktplatz entschieden hat. Natürlich will EyeEm selbst auch Geld verdienen. Das sichert die Nachhaltigkeit und den Bestand des Unternehmens. Unabhängig sein, auch wenn sie die besten Geldgeber der Welt haben. „Es ist unser Baby, das gibt man nicht einfach ab, da achtet man darauf, welche Babysitter ran dürfen.“ Dafür arbeiten Gen Sadakane und seine Freunde mit dem ganzen Team gern rund um die Uhr und rund um den Globus. Das „EyeEm Photography Festival & Awards“ fand in diesem Jahr zum Beispiel in New York City statt. Aber auch das wird für Gen Sadakane nicht vordergründig sein.

Sein erstes eigenes gutes Foto auf EyeEm war übrigens ein orangefarbener Stuhl im Treppenaufgang des alten CIO Gebäudes, dem Postfuhramt. Wenn er nur eine Frage hätte, wäre die: Was war Ihres?   

Barbara Sommerer

64 - Herbst 2015

Hier putzt Chef mit

Das Berliner Dienstleistungsunternehmen 3B setzt Maßstäbe in Sachen Mitarbeiterführung und Karrierechancen.

Dass Facility-Management mehr bedeuten kann, als Putzkolonnen durch Mietskasernen zu schleusen, zeigt das Berliner Dienstleistungsunternehmen 3B. Das auch den Namen 1A tragen könnte, schaut man auf den Beliebtheitsgrad des Unternehmens oder die unterschiedlichen Preise und Auszeichnungen, die es eingeheimst hat. Aber Namensgeber sind nun mal die drei Benthins. Jörg Benthin hat das Unternehmen 1982 gegründet. Seit einem Jahr hat er sich komplett aus der Geschäftsführung zurückgezogen und diese an seine beiden Söhne Thorsten und Timo abgegeben. Dennoch kommt er noch regelmäßig ins Büro. Dazu hat er all die Jahre zu viel Herzblut hineingesteckt. 

So ist 3B zu dem Unternehmen geworden, das es heute ist. Was zu dritt begonnen hat, zählt inzwischen 3300 Mitarbeiter, die sich auf acht Gesellschaften verteilen. Die Firma reinigt täglich über 150 Hotels und mehr als 2000 Gebäude. Und setzt dabei auf Kontinuität. „Wir wollen unsere Mitarbeiter  das ganze Jahr über beschäftigen – trotz der zahlreichen saisonabhängigen Außentätigkeiten“, so Thorsten Benthin.

Aber es wird nicht nur geputzt, auch wenn dieser Bereich den Löwenanteil ausmacht. Neben der Gebäudereinigung samt Glas und Fassaden zählen zum Beispiel auch der Hotelservice, die Grünanlagen- und Baumpflege, der Hausmeisterservice oder die ambulante Hauskrankenpflege zum Unternehmen. Bereits im Jahr 1991 expandierte das Familienunternehmen nach Dresden, 1996 nach Leipzig. Seit Mai dieses Jahres ist der Dienstleister ISO-zertifiziert: „Damit dies gelang, musste einiges optimiert werden“, sagt Thorsten Benthin, „aber es hat sich gelohnt.“ Der Unternehmer und sein Bruder haben es geschafft, als bester Arbeitgeber Deutschlands in ihrer Branche ausgezeichnet zu werden, im Januar 2015 hat das Magazin Focus diesen Preis vergeben. Die beiden machen es ihren Mitarbeitern aber auch nicht schwer, sich mit ihrem Unternehmen zu identifizieren. Wo sonst kann man schon mit seinem Chef gemeinsam auf Reinigungstour gehen? Man muss nur ein ungerades Jubiläum erreichen, für das es auch noch andere Annehmlichkeiten gibt, und schon gilt das Motto: „Book the Boss“. Thorsten und Timo Benthin kennen die Tätigkeiten aber auch schon von der Pike an. Bereits als Schüler haben sie im väterlichen Unternehmen ihr Taschengeld aufgebessert. Darüber hinaus müssen alle angehenden Führungskräfte ein zweiwöchiges Praktikum als Reinigungskraft absolvieren, bevor sie ihren Dienst antreten. Der Vorgesetzte soll schließlich wissen, mit welchen Problemen sein Mitarbeiter womöglich zu kämpfen hat. Es gilt das Prinzip der offenen Türen, die beiden Chefs sind fast immer da und auch ansprechbar. 

Der Kontakt zu den Mitarbeitern ist den beiden Benthins sehr wichtig, was  in der Branche eher ungewöhlich ist. Es gibt etliche Anreize, die von Gesundheitswochen mit Ernährungsberatung und Nackenmassagen, Team-Events wie Bootstouren und gemeinsamen Laufgruppen reichen. Beim Sommerfest stehen die Chefs persönlich an der Zapfanlage und am Grill. Und der frischgeborene Nachwuchs wird gleich schon mit einem 3B-Baby-Strampler ausgestattet. 

Am interessantesten sind aber sicher die Aufstiegsmöglichkeiten. „Wer möchte, kommt bei uns weiter. Bei uns arbeiten Abteilungsleiter, die als ungelernte Reinigungkräfte angefangen haben“, so Thorsten Benthin. Interne und externe Seminare machen diese Karriereentwicklung möglich. Somit ist die Fluktuation der Mitarbeiter sehr gering. Selbst bei Sponsoringkampagnen werden die Mitarbeiter mit einbezogen. Ebenso werden von Angestellten vorgeschlagene soziale Projekte umgesetzt, so dass schon ein Kinderbauernhof ein neues Dach für den Pferdestall bekommen hat und Schulen mit neuen Vorhängen ausgestattet wurden, um den Klassenraum verdunkeln zu können.

Annette Kraß 

 

 

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