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Jubiläum (64 - Herbst 2015)

40 Jahre Spielbank Berlin

Am 12. September kamen nicht wenige illustre Gäste zusammen, um diesen runden Geburtstag mit einer großen Gala zu feiern. Viele von ihnen begleiten die Spielbank Berlin, die ihren Hauptsitz seit 1998 am Potsdamer Platz hat, schon seit vielen Jahren. Die Besucherzahlen steigen stetig, derzeit werden die insgesamt fünf Standorte in der Hauptstadt von 2 000 Spielern täglich besucht. Hausherr und geschäftsführender Gesellschafter Günter Münstermann konnte den Abend dann auch mit prominenten Gästen wie Formel-1-Legende Niki Lauda, Schwimmerin Britta Steffen, Diskusikone Robert Harting, Turmspringer Patrick Hausding, Musiker Frank Zander und Innensenator Frank Henkel verbringen.

Dass sich die Spielbank viele Freunde gemacht hat, ist nachvollziehbar. Günter Münstermann engagiert sich seit vielen Jahren intensiv für den Sport, unterstützt große Veranstaltungen, Vereine und Einzelsportler. Und die Stadt Berlin kann auch sehr zufrieden sein: Mehr als zwei Milliarden Euro Steuern hat sie bisher eingenommen, der größte Teil des Bruttospielertrags geht an das Land Berlin. Daneben lockt die Spielbank Touristen in die Stadt. Vom 8. bis 24. Oktober kämpften aber erst einmal 3 000 Gäste aus der ganzen Welt um einen Sieg beim Pokern. Der Ableger der wichtigsten Pokerturnierserie der Welt, die WSOP Europe, kam im Oktober 2015 zum ersten Mal nach Deutschland, genauer gesagt, nach Berlin, also natürlich in die Spielbank.

 

 

64 - Herbst 2015

Hauch von Las Vegas - "Stars in Concert" wird 18

Seit September 1997 treten in der Show „Stars in Concert“ Doppelgänger von Musikidolen wie Madonna, Marilyn Monroe, Amy Winehouse, Elvis Presley, Michael Jackson, Robbie Williams und vielen weiteren Showgrößen auf. Das Angebot, „das einen Hauch von Las Vegas nach Berlin bringt“, kommt gut an: Allein in diesem Jahr sahen bisher über 300 000 Besucher eine Show, seit 1997 sind es mehr als fünf Millionen Zuschauer. Das Konzept ist einmalig in Deutschland: Bis ins letzte Detail authentisch bringen die „Stars in Concert“-Künstler ihre Idole auf die Bühne, sodass es selbst Denjenigen, die die Echten kennen, manchmal schwerfällt, Original und Kopie zu unterscheiden.

Passend zum 18. Geburtstag schenkt Produzent Bernhard Kurz seinem Publikum, seinen Künstlern, Musikern und Tänzern eine neue Showbühne. Eine imposante Showtreppe bildet nun das Zentrum der großen und eleganten Bühne; alle Stage-Elemente sind zukünftig rollbar und ermöglichen so ein noch flexibleres Bühnenbild. Seit Oktober erwartet die Zuschauer außerdem ein neuer Act: Erstmals steht mit Helene Fischer ein deutschsprachiger Star auf der Showbühne. Verkörpert wird die Pop-Schlager-Queen von der Australierin Bridie June Davies, die der echten Helene Fischer nicht nur unglaublich ähnlich sieht, sondern auch ihre Hits stimmgewaltig und mit einer mitreißenden Bühnenpräsenz präsentiert.   

Information:

„Stars in Concert“: 9. September bis 30. Dezember im Estrel Festival Center
Mi, Do, Fr und Sa 20.30 Uhr, So 17 Uhr
www.stars-in-concert.de

64 - Herbst 2015

65 Jahre und drei Generationen

Theodor Bergmann Haustechnik hat Grund zu feiern. Ob der Wasserhahn tropft oder die Heizung ihren Dienst versagt: Seit fast 65 Jahren sorgt die Firma Theodor Bergmann Haustechnik für funktionierende Leitungen, warme Stuben und vieles mehr.

Mit rund 160 Mitarbeitern gehört der Reinickendorfer Familienbetrieb zu Berlins größten Firmen dieser Branche.

Und es sieht nicht so aus, als würde sich daran etwas ändern. Inzwischen steht schon der zweite Generationenwechsel an. Firmengründer und Großvater der heutigen Führungsriege ist Theodor Bergmann. Am 15. Dezember 1950 gründete er seinen kleinen Handwerksbetrieb, zog mit einem kleinen Handwagen selbst von Kunde zu Kunde und führte diverse Reparaturarbeiten im Sanitärbereich durch.

Seine Söhne Bernd und Uwe stiegen 1980 ein und heute lenken bereits die Enkel die Geschicke der Firma, auch wenn Bernd Bergmann immer noch zugegen ist, sich nur sehr langsam etwas zurückzieht. Das Trio der dritten Generation ergänzt sich hervorragend und lässt ein wenig frischen Wind einziehen. Während Björn eher im technischen Bereich zu Hause ist und seine Schwester Jennifer das Personal betreut, kümmert sich Benjamin Bergmann hauptsächlich um die Zahlen. Und die drei jungen „Bergmänner“ sind erfolgreich: Bergmann Haustechnik ist bereits zu Berlins zweitbestem Ausbildungsbetrieb gekürt worden, seit einem Jahr wird an der Qualifizierungsmaßnahme für das Siegel „attraktiver Arbeitgeber“ gearbeitet, das Trio will damit auch ein wenig den Auswirkungen des Fachkräftemangels entgegenwirken. Was die Firma schon als Ausbildungsbetrieb tut, in den letzten zehn Jahren hat sie 80 Jugendliche in das Arbeitsleben entlassen. Dabei scheinen die Mitarbeiter zu wissen, was sie an ihrem Arbeitgeber haben: Die Fluktuation ist gering und inzwischen holen die Angestellten schon ihre Familienangehörigen in den familiengeführten Betrieb. Überzeugt werden möchte eher der Nachwuchs in den Schulen, also potenzielle Auszubildende. Aber auch dies läuft ziemlich erfolgreich: Jennifer und Benjamin Bergmann touren durch die Hauptschulen des Bezirks, informieren über Handwerksberufe und führen in den Schulen Bewerbungstrainings durch. Schließlich wissen sie, wovon sie sprechen. Darüber hinaus bieten sie Praktikumsplätze an, die gern in Anspruch genommen werden. Und für die Angestellten locken durchaus attraktive Einsatzorte: Das Olympiastadion gehört dazu, Berlins neues Stadtschloss und das Waldorf-Astoria-Hotel, um nur einige zu nennen.

Auch wenn die Hauptkunden aus den Wohnungsbau-Gesellschaften und -Genossenschaften stammen.

Die Firma setzt auf die oft genannte Nachhaltigkeit: Die Mitarbeiter absolvieren regelmäßig Schulungen und Weiterbildungen. Die unverzichtbar sind, schließlich geht es um wichtige Themen wie Trinkwasserverordnungen und den verantwortungsvollen Umgang mit Gasleitungssystemen. Und im Bereich regenerative Energien gibt es immer neue Entwicklungen, die den zunehmend auch privaten Kunden vorgestellt werden wollen.

Für die Bergmänner gibt es aber auch ein Leben nach der Arbeit. Benjamin Bergmann verrät, dass sie gerne nach Dienstschluss mit ihren Kollegen bei einem Glas Wein zusammensitzen und den Tag ausklingen lassen. 

Und seit 2009 das beliebte Federweißerfest feiern, zu dem alle Weggefährten einmal jährlich zusammenkommen. Bei meistens schönem Wetter ... 

Annette Kraß

 

64 - Herbst 2015

20 Jahre Magazin

20 Jahre Berlin vis-à-vis

Für uns Berliner und alle, die es geworden sind, hat sich die Stadt in den letzten 20 Jahren stark verändert. Berlin boomt. Nie waren die Besucherströme so groß wie in diesem Jahr. Schillernd, laut, bunt, lebendig, weltoffen: Die deutsche Hauptstadt ist beliebt, ihre Bewohner nörgeln weniger als früher, sind besser angezogen. Berlin ist aber nicht nur Touristenhotspot und Hochglanzmetropole. Bekanntlich hat jede Großstadt viele Gesichter.

Beziehung mit Vollgas

„Hey, wir woll´n die Eisbär´n sehn!“ Seit dem 11. September hämmert dieser Song der Puhdys wieder durch die Arena am Ostbahnhof. Mit dem ersten Spiel begann für die Eisbären und die Gasag eine Jubiläumssaison in der Deutschen Eishockey-Liga. Dabei scheint die einprägsame Vereinshymne der beliebten Ost-Rocker den Fans vor den Partien schon seit Menschengedenken einzuheizen. Noch zwei Jahre länger als der 1997 komponierte Ohrwurm begleitet den Rekordmeister allerdings der Hauptsponsor Gasag, was im Profisport einer Sensation gleichkommt. „So etwas gibt es bei Sportvereinen bestimmt nicht oft zu feiern“, sagt auch die Vorstandsvorsitzende des Berliner Energie-Versorgers, Vera Gäde-Butzlaff, und ergänzt treffend für ihr Unternehmen: „Schließlich sind wir in guten und in schlechten Zeiten mit dafür verantwortlich, dass auch in einer Eishalle nicht nur die Fans fürs Einheizen verantwortlich sind.“

Mit wachsamen Augen verfolgen nicht nur die Fans und Sponsoren, wie sich der siebenmalige Meister aus dem Dilemma der vergangenen beiden Spielzeiten zu befreien gedenkt. Nach Jahren des Höhenflugs erreichten die Eisbären zuletzt zweimal hintereinander nicht einmal die Playoffs der acht besten Vereine und mussten sich frühzeitig in den ungeplant langen Urlaub verabschieden. „Die Pause war leider ziemlich ausgedehnt“, sagt Mannschaftskapitän André Rankel. „Deswegen haben wir im Sommer noch viel härter als sonst gearbeitet, um diesmal wieder ein Wörtchen mitzureden im Kampf um den Titel.“ Auch für Trainer Uwe Krupp, der im Dezember letzten Jahres den glücklosen Jeff Tomlinson ablöste, ist das magere Abschneiden eher Ansporn als Ernüchterung. „Wenn uns vor der Saison kein anderer Club auf der Meister-Rechnung hatte, dann müssen wir eben dafür sorgen, dass wir wieder auf den Zetteln der Konkurrenz auftauchen“, sagt der 50-Jährige, der als erster Deutscher den Stanley Cup für den Sieg in der nordamerikanischen Eishockey-Meisterschaft in die Luft stemmen durfte.

Zum Ziel der Saison hält sich der gebürtige Kölner, der auch schon die deutsche Nationalmannschaft betreute, allerdings zurück. „Ich will jedes Spiel gewinnen. Nun kann man daraus schlussfolgern, dass ich immer Meister werden will. Aber beim Eishockey gehören drei Dinge zu einem erfolgreichen Abschneiden: du musst gut sein, du musst gesund bleiben und du musst Glück haben. Nur wenn das alles zusammenkommt, dann steht man am Ende ganz oben.“

Ein vierter wichtiger Punkt fällt dann allerdings weniger in die Belange des Trainers, als denn in die für die Finanzen im Verein zuständigen Stellen. Der Club muss auch mit einer soliden wirtschaftlichen Basis ausgestattet sein, um im Konzert der Großen mitmischen zu können. Ansonsten drohen buchstäblich die Lichter auszugehen. Vor diesem Szenario standen die Eisbären 1995. „Die Liga verweigerte uns die Lizenz, weil wir einfach nicht genug Geld zusammenbringen konnten. Ich bin ratlos durch die Stadt gelaufen und kam zum damaligen Firmensitz der Gasag. Da bin ich einfach reingegangen und habe dem Vorstand mein Leid geklagt. Drei Wochen später hatten wir erstmals einen Hauptsponsor“, berichtet Billy Flynn über die Anfänge einer wunderbaren Beziehung.

Der heute 65 Jahre alte Ex-Profi aus den USA war seinerzeit Trainer bei den Eisbären und wegen der personell dünnen Decke im Verein auch gleichzeitig für die wirtschaftlichen Belange zuständig. „Wenn ich mir überlege, wie dicht wir damals vor dem Abgrund standen, und dann entgegenhalte, dass wir in diesem Sommer schon vor der Saison mehr als 5 200 Dauerkarten verkauft hatten, dann weiß ich zu ermessen, wie viel eine solide wirtschaftliche Grundlage für einen Verein wert ist“, sagt Flynn, der als Berater im Vereinsvorstand auch heute noch ein viel gefragter Mann ist. Wichtig in der Zusammenarbeit zwischen dem Club und dem Berliner Traditionsunternehmen ist der Fakt, dass die Gasag seit Beginn der Zusammenarbeit viel Wert auf die Ausbildung junger, eigener Spieler gelegt hat und seit mittlerweile elf Jahren auch als Hauptsponsor der Eisbären Juniors fungiert. „Andere Vereine tätigen in so einem Fall viele Einkäufe für das Heute und denken nur an die laufende Saison. Das war nie unser Maßstab. Die Ausbildung eigener Talente spielte bei uns immer eine ganz wesentliche Rolle. Und in dieser Beziehung haben wir der Gasag sehr viel zu verdanken“, bilanziert Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee und betont: „Diese Wertschätzung der Nachwuchsarbeit durch den Hauptsponsor eines Profivereins ist im deutschen Sport sehr selten und in jeder Hinsicht bewundernswert.“ Von den damaligen Bambini-Spielern, die vom Einstieg der Gasag Mitte der 90er-Jahre profitierten, sind heute viele Talente in den Profikader aufgerückt.

Mit dieser Kontinuität in der Arbeit versuchen die Eisbären in dieser Saison wieder ganz oben anzuklopfen. Deshalb ist auch ein Radikal-Umbruch ausgeblieben. „Das stand für uns aus zwei Gründen nie zur Debatte. Zum einen liefen zahlreiche Verträge weiter, so dass ein solcher Schnitt schon rechtlich schwer gewesen wäre“, sagt Stefan Ustorf als Sportlicher Leiter der Profiabteilung. Und Trainer Uwe Krupp nennt den zweiten Punkt. „Ich bin dagegen, eine Mannschaft von außen völlig neu aufzubauen. Der Kern stimmt bei uns. Deshalb haben wir uns entschlossen, um das Herz herum die Mannschaft der Saison zu formen. Und damit habe ich ein sehr gutes Gefühl, mir gefällt die Art und Weise dieser Mannschaft.“

Apropos Herz und Gefühl: Die 20-jährige Partnerschaft der Eisbären und der Gasag steht ab dieser Saison unter der emotionalen Wahrheit „Größter Fan seit 1995“. In der dazugehörigen Kampagne porträtiert die Gasag exemplarisch 20 größte Fans, die ebenso hinter den Eisbären stehen, mit ihnen weinen, sie feiern und mit Herzblut für sie kämpfen. Die Bandbreite reicht dabei von der Vorstandsvorsitzenden der Gasag höchstpersönlich über den Karat-Rocker Bernd Römer bis zum Stehplatzfan aus der Fankurve. Als erster wurde zu Saisonbeginn auf der Kampagnenplattform www.grösster-fan.de die Legende Sven Felski vorgestellt. Der „ewige Eisbär“ bestritt die unglaubliche Zahl von genau 1 000 Spielen für seinen Verein, die Nummer 11 des Stürmers wurde samt Trikot unter die Hallen- decke gezogen und wird in Zukunft nicht mehr vergeben. Solch lange Verbindung besteht zwischen der Gasag und den Eisbären noch nicht. Aber man ist auf dem besten Weg dahin.                  

Hans-Christian Moritz

 

64 - Herbst 2015

Wir sind gewachsen

20 Jahre GfWOB (Gesellschaft für Wohnungsverwaltung und Objektbetreuung).

Ein voller Arbeitstisch. An der Wand ein Foto vom Golfturnier mit einem Spitzenklassespieler, das eigene Haus aus der Vogelperspektive. Der Überblick ist es auch, der die Sicht des Geschäftsführers Andreas Otto auf seine tägliche Arbeit seit 20 Jahren prägt. Der Auftraggeber und sein Objekt stehen im Mittelpunkt, rundherum zieht er seine Bahnen. Grundsympathisch und raumfüllend.

Das Portfolio der Gesellschaft für Wohnungsverwaltung und Objektbetreuung umfasst Fremdverwaltung für etwa 2 000 Wohneinheiten und Wohnungseigentumsverwaltung für 65 Eigentumsanlagen mit fast 2 100 Wohneinheiten. Seit Ende 1994 ist die GfWOB als einhundertprozentige Tochter der Wohnungsbaugenossenschaft Friedrichshain am Berliner und Brandenburger Wohnungsmarkt präsent. Daher rühren die Serviceleistungen für etwa 8 600 Wohneinheiten mit 24 Stunden Hausmeisterdienst, Haushandwerkerleistungen, Pflege der Außenbereiche und Gebäudereinigung. „Wir sind untypisch, wir sind stabil, wir sind berechenbar, wir sind gewachsen und wachsen weiter.“

Unaufgeregt steht er einem erfolgreichen Unternehmen vor, qualifiziert seine Mitarbeiter, denkt langfristig auf einem Gebiet, das zugegeben spannender ist, als man glauben mag. Hausverwaltung ist sehr anspruchsvoll, in Deutschland nicht zertifiziert, die rechtliche Lage von Wohnungseigentum überaus kompliziert und die kaufmännischen Abläufe aufwendig. „Wir decken sämtliche Verwaltungsarten ab und bieten den Service aus dem eigenen Haus. Immer sauber, immer ordentlich und es funktioniert.“ Die Seiten der Verwaltung bringt Andreas Otto selber mit. Der Jurist, der Kaufmann, der Praktiker, der Macher. Vernetzt und mit Weitblick. Neuzugänge an Verwaltungsbeständen haben mehrheitlich einen höchst sanierungsbedürftigen Zustand. Forderungen aus nicht gezahlten Hausgeldern sind dann auszugleichen, bauliche Mängel nach Insolvenz des Bauträgers im Rahmen erstmaliger mangelfreier Herstellung abzuarbeiten. Hier führt die GfWOB Verhandlungen mit den Gläubigern, stellt die Zahlungsfähigkeit der Eigentümergemeinschaft wieder her, indem praktikable Sanierungskonzepte entwickelt werden. Otto fordert Verantwortung. „Wer mit mir arbeitet, soll sich in der Pflicht fühlen, gute Arbeit zu leis-ten.“ Die Kunden sind überzeugt. Die Tochter ist der Mutter in den Jahren weit über den Kopf gewachsen mit 70 festangestellten Mitarbeitern und 3,5 Millionen Jahresumsatz.

Brit Hartmann

 

64 - Herbst 2015

Bei uns geht es um mehr als nur um Steuern

Seit 40 Jahren betreibt Lothar Ebert seine Steuerkanzlei in Berlin-Westend. Annette Kraß traf ihn in seiner Steuerkanzlei, die er seit 2003 mit seinem Partner Andreas Linow führt.

Zuerst einmal Gratulation zu 40 Jahren Steuerkanzlei. Macht es immer noch Spaß?

Unbedingt, der Beruf macht mir viel Spaß, die Kanzlei ist mein Lebenswerk.

Das klingt nach Leidenschaft für Ihren Beruf.

Ja, ich musste mich mit 15 1/2 Jahren für einen Beruf entscheiden, wusste damals noch gar nichts mit Steuern anzufangen, aber von der ers-ten Minute an hat es Spaß gemacht: meine Ausbildung, die kurze Angestelltenzeit. Danach folgte dann ja sofort die Selbstständigkeit.

Sie haben diese Kanzlei also gegründet? 

Ja, ich habe mich einfach in ein Büro gesetzt, gesagt, da bin ich, und dann ging es los. Anfangs waren es die Freunde, die kamen, schnell hat sich die Zufriedenheit mit meiner Arbeit aber herumgesprochen, sodass auch die Mitarbeiterzahl entsprechend wuchs. Wir haben im Durchschnitt 15 bis 20 Mitarbeiter, und eine Kanzlei in dieser Größenordnung ist auch genau das, was ich wollte: Klein, aber fein, sehr individuell und nur mit Spezialisten ausgestattet. Aus diesem Team ist auch mein Partner hervorgegangen. Er hat bei uns gelernt und es ist so, dass wir sehr viel gemeinsames Gedankengut haben ...

... was Ihnen im Hinblick auf die Weiterführung Ihrer Kanzlei sicher wichtig ist ...

Natürlich, es hat viel mit der persönlichen Wertschätzung zu tun. Es ist ja nicht nur die fachliche Kompetenz wichtig, entscheidend ist, dass man das Herz am rechten Fleck hat. Darauf lässt sich nicht verzichten, wenn man diesen Job gut machen will. 

Warum?

Beim Thema Steuerberatung geht es nicht nur um Steuern, wir sind unseren Klienten Vertraute in vielen Bereichen. Dies wollen wir so fortführen. Auch wenn es nicht einfacher wird.

Was meinen Sie damit: das deutsche Steuerrecht?

Dies ist ein schwieriges, komplexes Thema und ich werde mich hüten, diesbezüglich irgendwelche Empfehlungen auszusprechen, auch wenn viele unsinnige Dinge darunter sind. Aber ich möchte herausstellen, dass ich den Weg der Wiedervereinigung, auch was das Steuerrecht angeht, beeindruckend fand. Da haben die daran Beteiligten schon großartige Arbeit geleistet.

Inzwischen gibt es ja viele Programme, die bei der Steuererklärung behilflich sind. Was spricht dafür, die Steuererklärung einem Experten anzuvertrauen?

Ich glaube, das kann man so leicht nicht beantworten. Man sollte eine Affinität dafür haben, die Programme zu nutzen. Einfach nur ein paar Zahlen einzusetzen, wird nicht reichen. Wir merken, dass trotz vieler Buchhaltungsprogramme unsere Beratung immer wieder gefragt ist. Steuern bleiben eben ein Spezialgebiet.

Mit der Leitung der Kanzlei sind Sie sicher sehr gefordert. Wie entspannen Sie?

An erster Stelle steht hier das Ver-trauen in die Mitarbeiter. Und das Ziel, mit ihnen möglichst lange zusammenzuarbeiten; wir haben hier nur eine sehr geringe Fluktuation. Unser Team harmoniert gut und arbeitet sehr selbstständig, sodass wir nicht jeden Arbeitsvorgang überprüfen müssen. Dies alles macht es uns möglich, Freizeiten zu schaffen.

Wie überzeugen Sie jemanden für den Beruf des Steuerberaters?

Früher haben wir sehr viel ausgebildet, dann wurde es etwas ruhiger. Auszubildenden gegenüber ist unser Vorsatz, immer zu sagen, du musst nichts können, du musst nur wollen. Und wir empfehlen, sich unser Büro ein paar Tage anzuschauen, um festzustellen, ob es passt. Denn wie gesagt: In diesem Beruf geht es nicht nur um Zahlen. 

Jeder Auszubildende sollte vor dem Hintergrund des Umgangs mit Kollegen und Mandanten also auch seine Persönlichkeit einbringen ...

Sie merken, dass ich über Steuern gar nicht reden möchte. Wir setzen voraus, dass sich die fachlichen Fertigkeiten entwickeln, bei dem Einen schneller, beim Nächsten langsamer. Dass wir eine gute fachliche Qualität liefern, ist selbstverständlich, unsere Mandanten erwarten dies. Aber für ein gutes Ergebnis sind auch kompetente persönliche Gespräche unumgänglich, man sollte Freude und Liebe für diesen Beruf mitbringen. Für uns ist jeder Mitarbeiter unseres Büros ein wichtiger Mitarbeiter.

Sie engagieren sich auch für soziale Themen?

Wir haben unsere Mandanten immer schon zu Spenden ermutigt; inzwischen sind mein Partner und ich Mitglieder verschiedener Lions Clubs und diesbezüglich aktiv. Wir unterstützen verschiedene Kinderprojekte. Uns ist wichtig, den Leuten klar zu machen, etwas von ihrem verdienten Geld abzugeben, wenn sie es sich leisten können. 

Herr Linow, Sie sind wohlüberlegt ins Boot geholt worden, dieser Vertrauensbeweis freut Sie sicherlich ...

A. Linow: Auf jeden Fall, ich habe ja schon meine Ausbildung hier abgeschlossen und denke, dass sich unsere Zusammenarbeit bisher sehr positiv ausgewirkt hat.

Wie lange werden Sie denn noch Seite an Seite arbeiten?

A. Linow: Ich hoffe, mein Leben lang, wir haben unterschiedliche Arbeitsweisen, was sicher auch unserer Altersdifferenz geschuldet ist. Herr Ebert urteilt, bewertet, gewichtet die Dinge anders als ich, wir können da beide voneinander lernen und ich profitiere viel von seiner Erfahrung. Wir ergänzen uns einfach sehr gut. 

L. Ebert: Wir stellen immer wieder fest, dass wir mit unterschiedlichen Herangehensweisen oft doch zum gleichen Ergebnis kommen. Die fachliche Kompetenz ist selbstverständlich. Die persönliche Komponente ist der entscheidende Mehrwert. Dies ist unser Erfolgsrezept.

 

 

64 - Herbst 2015

Hotelgeschichte am Alexanderplatz

Das Park Inn Hotel Berlin Alexanderplatz feiert seinen 45. Geburtstag. Das am 7. Oktober 1970 als „Interhotel Hotel Stadt Berlin“ eröffnete Vorzeigehotel der DDR blickt auf eine bewegte Erfolgsgeschichte und heute von seiner Panorama-Terrasse im 40. Stockwerk auf eine nach der Wende grenzenlos wachsende Stadt.

Mit 1012 Zimmern und Suiten, wovon täglich rund 900 Zimmer belegt sind, auf insgesamt 37 Etagen und einer Gebäudehöhe von ca. 150 Metern ist das Park Inn am Alexanderplatz das zweitgrößte Hotel der Bundesrepublik Deutschland. „In unserem Hotel übernachten pro Jahr cirka eine halbe Million Menschen“, sagt General Manager Jürgen Gangl. Nach Schätzungen der Übernachtungszahlen vor der Wende sei von ungefähr 24 Millionen Übernachtungen in 45 Jahren Hotelgeschichte auszugehen. Das höchste Berliner Hotel wurde am 7. Oktober 1970, dem 21. Jahrestag der DDR-Gründung, als „Interhotel Hotel Stadt Berlin“ eröffnet.

Das Prestigehotel der DDR konnte bereits zur Eröffnung mit 1006 Zimmern, flotten Aufzügen, unterschiedlichen Restaurants, Bars und dem Panorama Restaurant in der 37. Etage punkten. „Es war das beste Restaurant, das es in Berlin gab, und ein beliebter Treffpunkt für die alliierten Soldaten, die mit Bussen angekarrt und wieder abgeholt wurden“, erinnert sich Sous-Chef Klaus Wendland.

Vor genau 45 Jahren hat die Karriere des heutigen Sous-Chefs als ausgebildeter Koch im Park Inn begonnen. „Ich habe das Geschirr in das Lager geräumt, den Einzug und die Eröffnung miterlebt“, erinnert sich der dreifache Vater und resümiert:

„Ich bin hier gerne groß geworden. Besonders spannend war es nach der Wende, denn es ist eine ,neue Stadt‘ hinzugekommen.“ Wendland zeichnete als einer von 200 Köchen von insgesamt 1200 Mitarbeitern in drei Küchen für Speis und Trank an 1900 Plätzen in der Rotisserie, Hallenbar, Cafeteria, Milch-Eis-Mokka-Bar oder der heute noch existenten Zille-Stube verantwortlich. Zirka 600 Liter pikante Soljanka-Suppe und bis zu 700 Mahlzeiten pro Tag wurden im „Alex-Grill“ zu moderaten Preisen in Ostmark verkauft. „Den für Telly Savalas in unserer Patisserie gefertigten Lollipop durfte ich persönlich überreichen“, schildert der Sous-Chef seine kurze Begegnung mit „Kojak“. 

Das Vier-Sterne-Superior Hotel am Alex beschäftigt zurzeit 350 Mitarbeiter. Die Bettenanzahl ist im Wandel der Zeit nahezu ident geblieben. „Nur dass heute keine Betten mehr in L-Form existieren, die sowohl als Einzel- als auch Doppelzimmer zu buchen gewesen sind“, erwähnt Carola Zinke, die seit 40 Jahren als Mitarbeiterin der Gruppenreservierung im Park Inn tätig ist. Sie brachte James Brown die erwünschte Trockenhaube auf das Zimmer, traf Bruce Springsteen und Bryan Adams und begegnete zahlreichen Polit-Größen wie Josip Broz Tito im Jahre 1976. 

Die Arbeit im Park Inn erlaubte einen Blick in die Freiheit. „Wir hatten mit Menschen zu tun, die uns das Leben hinter der Grenze vorstellen ließen, hatten Zugriff auf harte Auslandswährung und gute Beziehungen zu Taxi-Fahrern“, blickt die Hotelfachfrau zurück. Carola Zinke war selbst an der Demonstration am 4. November 1989 am Alexanderplatz dabei, „doch um 14 Uhr musste ich zur Arbeit und bin pflichtbewusst hingegangen“. 

General Manager Jürgen Gangl lenkt die Geschicke des Hauses. Der Erfolg des Hauses sei natürlich mit der Lage am Alexanderplatz mit Blick auf den Fernsehturm verbunden. Doch betriebliche Erfolge könne man nur mit Menschen erzielen, „die hinter der Arbeit stehen und diese große Maschinerie Tag für Tag mit viel Menschlichkeit bewegen“, ist er überzeugt. Wenn Mitarbeiter wie Klaus Wendland oder Carola Zinke sich mit dem Hotel identifizieren und langjährige Erfahrungen einbringen, sorgen sie für Kontinuität, Vertrauen und auch Spaß bei der Arbeit. „Wir alle profitieren von dem guten Betriebsklima. Das spiegelt sich auch an der großen Anzahl unserer Stammgäste wider“, stellt Jürgen Gangl fest. 

Die Gästezimmer wurden bereits Anfang der 90er-Jahre generalsaniert, die Bäder durch bauliche Veränderungen geöffnet, die Fassade wurde im Jahr 2004 mit Spiegelglas-Fenstern neu gestaltet. „Auch in den vergangenen zehn Jahren haben wir laufend und insgesamt alle Zimmer renoviert. In einem Haus dieser Größenordnung ist man nie fertig“, weiß Jürgen Gangl. Insgesamt 100 Millionen Euro sind in dieser Zeit in die Sanierung des Gesamtobjektes geflossen. 

Im kommenden Jahr sollen 16 neue Suiten in der 37. Etage entstehen. Die 25 Jahre alte Lobby, ein beliebter Treffpunkt für Städtereisende, soll luftiger und moderner, der Haupteingang in der Passage vergrößert werden. Auch die Entwicklung mit neu entstehenden Hotels am Alex schreitet voran. „Entweder man liebt den Alex oder man hasst ihn. Für mich ist das Haus an dieser Stelle nach wie vor faszinierend. Die Menschen und die Atmosphäre am Alex, der immer eine Baustelle und in Bewegung sein wird“, beschreibt Jürgen Gangl seine Arbeit in einer 45-jährigen Hotel-Institution im vereinten Berlin. 

Michaela Bavandi

 

64 - Herbst 2015