%3 abonnieren

Stadt (68 - Winter 2016)

Berlin-Macher

Dass Berlin dazu verdammt ist, immerfort zu werden und niemals zu sein, wusste schon im Jahr 1910 der Publizist und Kunstkritiker Karl Scheffler. Ein oft zitierter Satz, der noch heute gilt. Umso mehr sind Menschen gefragt, die vor oder hinter den Kulissen etwas bewegen und die Stadt ein Stück voranbringen. Wir stellen sie in jeder Ausgabe vor, die Berlin-Macher. Diesmal Klaus Herlitz.

Der Bär ist das Wappentier Berlins und der wohl bekannteste Markenbotschafter der deutschen Hauptstadt. Dazu ganz wesentlich beigetragen hat der Buddy Bär, der im Jahr 2001 das Licht der Welt erblickte. Seine Eltern sozusagen sind Eva und Klaus Herlitz. „Die Idee hatte meine Frau“, zeigt sich der 69-Jährige ganz als Gentleman und überlässt seiner Frau die Ehre. Inspiriert worden sei sie durch die Züricher Kühe, die Ende der neunziger Jahre für Aufsehen sorgten und im Jahr 2000 in New York ihre CowParade abhielten. Nur ein Jahr später begann dann schon der Siegeszug der Buddy Bären, die mittlerweile rund um den Globus die Vision einer zukünftig friedlichen Welt  symbolisieren und ganz nebenbei für Berlin werben.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Klaus Herlitz mit einer Marke auch Werbung für Berlin macht. Mit 25 Jahren trat er 1972 in die Firma seines Vaters ein, der sie wiederum 1935 von seinem Vater übernommen hatte. Als Marketing-Vorstand war der gebürtige Berliner viele Jahre für den Erfolg der Marke Herlitz verantwortlich. „Immer eine Idee voraus“, lautete das Firmenmotto, mit dem er das Familienunternehmen in der Papier-, Büro- und Schreibwarenbranche national wie international etablierte und im Jahresrhythmus neue Produkte auf den Markt brachte. Vor allem im Bereich Umweltschutz setzte er in der Branche Zeichen und erhielt dafür zahlreiche Umweltpreise.

1997, als schließlich das unternehmerisch geführte Familienunternehmen in eine managementgeführte Holding umgewandelt worden war, verließ Herlitz das Unternehmen, das mit seinem Namen über Jahrzehnte hinweg Berlin in alle Welt gebracht hatte. „Als Manager bin ich ungeeignet“, hat er einmal in einem Interview gesagt und damit seinen Ausstieg begründet. Und in der Tat: Der Vater von drei Söhnen und Großvater von  vier Enkeltöchtern ist mit ganzem Herzen Unternehmer, der heute statt in einem Milliardenkonzern an der Spitze einer kleinen Firma mit acht Mitarbeitern arbeitet – ehrenamtlich und gemeinsam mit seiner Frau Eva Herlitz.

Dort kann sich der promovierte Diplom-Betriebswirt so richtig austoben – und hat es in den vergangenen 15 Jahren auch getan. Über zwei Millionen Euro hat die Buddy Bär Berlin GmbH mit Versteigerungen und diversen Aktivitäten als Gesamterlös erwirtschaftet, die dann Kinderorganisationen wie Unicef, SOS Kinderdorf, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), der Bürgerstiftung Berlin, Berliner helfen e.V., Buddy Bear Help e.V. oder der Arche in Berlin zugutegekommen sind.

Aber gehen wir nochmal zum Anfang dieser Erfolgsgeschichte zurück, als der Buddy Bär entstand. Es war der österreichische Bildhauer Roman Strobl, der die Grundform entwickelte. „Damals hatte ich besonders gute Tage“, beschreibt dieser heute seinen großen (Ent-)Wurf, der nach wie vor aktuell ist. Vier verschiedene Bären-Modelle gibt es: Den „Tänzer“, der auf den Beinen steht, den „Akrobaten“, der einen Kopfstand macht, den „Freund“, der auf allen vieren daherkommt  sowie „Freund Nr. 2“, der sich sitzend präsentiert. Zwei Meter groß sind die Skulpturen, von denen es dann auch noch welche in kleineren Größen gibt.

Doch der Star unter den Buddy Bären ist der zwei Meter große „Tänzer“, der, angeführt von Klaus und Eva Herlitz, seinen Siegeszug um die Welt fortsetzt. 30 Ausstellungen weltweit hat es bislang schon gegeben, „auf allen Kontinenten“, wie der unermüdliche Bärenanführer betont. Die Welttournee der über 140 „United Buddy Bears“, die von den Vereinten Nationen anerkannte Länder repräsentieren, hat 2002 in Berlin begonnen und in Städten wie Hongkong, Istanbul, Tokio, Sydney, Jerusalem, Pjöngjang, Buenos Aires, Helsinki, Kuala Lumpur, Neu Delhi, St. Petersburg, Rio de Janeiro, Havanna oder Santiago de Chile über 35 Millionen Besucher angelockt. Letzte Station war die malaysische Insel Penang, auf der die Bären für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben geworben haben.

Acht Container müssen jedes Mal transportiert werden, um die Bären von A nach B zu bringen. „Ohne die unentgeltliche Hilfe von Transportunternehmen wie der Hamburg Süd Gruppe, Schenker oder Hellmann Worldwide Logistics wäre das alles nicht möglich“, weiß Herlitz die Unterstützung zu schätzen, die ihm und seiner kleinen Mannschaft zuteil wird. Denn ohne sie wären die Bären nicht auch noch ein Verkaufsschlager.

Bevor der erste Prototyp im April 2001 überhaupt gezeigt werden konnte, waren bereits die ersten 60 Zwei-Meter-Bären verkauft. Im Juni wurden die ersten in der Stadt durch die Berliner Stadtreinigung aufgestellt, nachdem sie von verschiedenen Künstlern gestaltet worden waren. Mittlerweile gibt es weltweit über 1 500 solcher Bären, wobei nur 300 in Berlin und Brandenburg zu finden sind.

Besonders gefragt sind die Bären bei deutschen  diplomatischen Auslandsvertretungen und deutschen Firmen auf der ganzen Welt. Eine deutsche Botschaft nach der anderen legt sich einen Buddy Bären zu. „In Addis Abeba beispielsweise hat der deutsche Botschafter zuletzt gemeinsam mit der äthiopischen Langlauflegende Haile Gebrselassie den von einer einheimischen Künstlerin gestalteten Buddy Bären enthüllt“, erzählt Herlitz, „danach wusste selbst jedes Kind in der Stadt, wo sich die deutsche Botschaft befindet.“

Mittlerweile ist aber auch der kleine, ein Meter große Bruder des „Tänzers“ im Einsatz. Über 100 Bären werben unter dem gleichen Motto wie ihre großen Vorbilder für ein friedliches Mit- und Nebeneinander unter den Völkern: „Wir müssen uns besser kennenlernen, dann können wir uns besser verstehen, mehr vertrauen und besser zusammenleben.“ Seit ihrer  ersten Ausstellung in Berlin im Jahre 2004 sind die Minis in über 20 Ausstellungen von Tausenden begeisterten Besuchern bewundert worden.

Wenn der Chef der Buddy Bären von seinen Babys erzählt, kann man das Herzblut, mit dem Herlitz und seine Frau zu Werke gehen, förmlich spüren. Und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Denn das Paar, das seit 44 Jahren verheiratet ist, hat immer noch Träume und Visionen: Die United Buddy Bears  vor dem UNO-Gebäude in New York oder auf dem Petersplatz in Rom. „Das wär’s“, sagt Herlitz und blickt verschmitzt. Es sieht so aus, als wenn er die Orte bereits fest im Blick hat.

Detlef Untermann

 

68 - Winter 2016

Oben geht‘s weiter

Ob Klunkerkranich oder Fußballhimmel, die Dächer über Berlin bieten ungeahnte Möglichkeiten. 

Wie geht es hier aufs Dach? Vom Parkdeck noch eine Etage höher führt der Weg bergauf zum „Klunkerkranich“. Wie ein ironisch tönendes Fabelwesen ist diese Dachterrasse auf den Neukölln Arcaden der Wirklichkeit der Karl-Marx-Straße entrückt. Die laute staubige Verkehrsader ist plötzlich weit weg. Der Sonnenuntergang ganz nah.

Pflanzkübel, die zum Mitgärtnern einladen, Sitznischen, Livemusik, eine Bar – dieser Ort hat alles, was den Sommer in der Stadt angenehm macht.  Wenn er optisch auch an bestimmte Szeneclubs erinnert, der „Klunkerkranich“ steht allen offen. Einen ähnlichen Weg sind die Macher der Bar „Deck 5“, die sich Freiluftrebellen nennen, auf den Schönhauser Allee Arcaden gegangen. Über den Dächern der Stadt kann man es sich auf dem Parkdeck 5 der Schönhauser Allee Arcaden gut gehen lassen. Zwei Bars bieten Cocktails und Snacks. Abends wird gegrillt. Loungeatmosphäre und Strandbarfeeling mit Liegestühlen in luftiger Höhe. 40 Tonnen Sand wurden hier verkippt.

Welche Faszination Dächer haben, davon haben sich auch die Architekten beim Umbau des Bikini Berlin inspirieren lassen. Das 25hours Hotel bekam die luftige Monkey Bar aufgesetzt. Einige Etagen tiefer bietet nebenan eine weitläufige, begrünte Dachterrasse Gastronomie und Zugang zu diversen Shops. Ein grandioser Blick ins Affengehege des Zoos inklusive. Temporäre jahreszeitlich geprägte Events locken zusätzlich Besucher. Im Winter gibt es dort eine Eislaufbahn, auch kann man sich im Eisstockschießen ausprobieren. Ein Sommerwochenende stand mit dem Flowermarket ganz im Zeichen von Blumen und Floristen. Neben Schnittblumen und floralen Accessoires wurden auch Workshops rund ums Blumenbinden und -stecken angeboten. Manches Mädchen hatte denn auch gleich den selbst gebastelten Blumenkranz im Haar.

Gerade Einkaufszentren bieten sich mit ihren gewaltigen Dachflächen also an, hier etwas Neues entstehen zu lassen. Doch nicht überall lässt es die Dachstatik zu, tonnenweise Sand oder Erde aufzuschütten. Die Architekten der Klax-Kita Karlsson vom Dach auf den Spandau Arcaden haben deshalb leichte innovative Baustoffe gewählt, um die Oberfläche des 1 000 Quadratmeter großen Spielplatzes zu modellieren. Neben Sandkästen und Schaukeln bilden sogenannte Spielwellen aus einem speziellen Schaumstoff die zentralen gestalterischen Elemente. Kunstrasen, Fallschutzbeläge und Holzstege ersetzen die natürlichen Materialien. In Kübel gepflanzte Bäume und an einer Pergola rankende Pflanzen müssen genügen. Damit der Abstieg vom Dach auch Spaß machen kann, haben die Architekten parallel zur Treppe eine Röhrenrutsche vorgesehen. Das Projekt war nominiert für den Architekturpreis Berlin 2016.

Rund ums Spielen dreht sich auch eine Dachnutzung der anderen Art. Auf dem Hellweg-Baumarkt in der Kreuzberger Yorckstraße ist ein Fußballplatz entstanden. Seit Jahren gibt es in der Stadt zu wenige Sportplätze. Trainingszeiten nach Feierabend sind Mangelware. Der junge Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist davon besonders betroffen. Heute trainiert hier unter anderem der Discover Football Club, ein unorthodoxer Frauenfußballverein, dem es ausdrücklich auch um ein Engagement gegen Sexismus, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit geht. Typisch Kreuzberg eben. Nun sind vonseiten der Bezirkspolitik Überlegungen aufgekommen, das Dach ganz den Fußballerinnen zu überlassen und die Männervereine „umzusiedeln“. Prompt kam Widerspruch. Warum Frauenfußball aufs Dach, wo ihn keiner sieht? Einen 8 700 Quadratmeter großen „Fußballhimmel“ gibt es seit Jahren auch auf dem Dach des Metro-Marktes in Friedrichshain. 

Last but not least bieten Dächer immer wieder auch Raum für den Wohnungsbau. Baufläche wird bekanntlich knapp in der Stadt.  Jede noch so kleine Baulücke wird derzeit geschlossen. Nachverdichtung ist angesagt. Durch Dachaufbau können bislang ungenutzte Flächen dazukommen. Auf dem Dach des Discounters Lidl an der Bornholmer Straße entstanden acht Mietwohnungen gehobenen Standards. Das Baurecht verbot an diesem Ort einen einstöckigen Flachdach-Markt. Es wäre ja auch pure Platzverschwendung gewesen. Der Pankower Grünen-Abgeordnete Andreas Otto hat errechnet: Wenn man auf 500 Supermärkten der Stadt jeweils 40 Wohnungen errichtete, käme man auf 20 000 neu gebaute. Ein Vergleich mit den Planungen zum Tempelhofer Feld ist in dem Zusammenhang erhellend. Dort wollte der Senat 4 700 neue Wohnungen bauen, was sich nach dem erfolgreichen Volksentscheid erst einmal erledigt hat. Wenngleich sich nicht jedes Dach zur Bebauung eignen dürfte, ist eins aber sicher: Dächer stellen ein enormes Potenzial dar. Und einen neuen Star unter den Dachterrassen dürfte Berlin demnächst auch bekommen, schließlich bauen wir nicht nur Wohnungen, sondern auch Schlösser. Das geplante Café auf dem Dach des Berliner Schlosses mit Blick auf Dom und Lustgarten wird unter Garantie einer der großen Anziehungspunkte der Stadt werden. 

Karen Schröder

 

68 - Winter 2016
Stadt

Mitten mang

Die Neue Synagoge feiert ihr 150. Einweihungsjubiläum mit der Ausstellung „Mittenmang & Tolerant“. „Tuet auf die Pforten“ – so steht es als hebräische Inschrift über den Portalen der Neuen Synagoge. Für einen Tag die Poller und Sicherheitsschleusen vergessen. Die Türflügel weit auf! Die Feier mit Rede und Gesang noch vor den Toren, auf dem Gehweg, im Touristen-, man sagt -mekka. So wurde es symbolisch am 5. September 2016 als Geburtstagsgeste gehalten. Foto- und Texttafeln im schmalen Außenraum laden auch jetzt ein, sich ein Bild zu machen über die Geschicke des Gebäudes in der Oranienburger Straße. In diesem Jahr jährt sich die Einweihung der Neuen Synagoge zum 150. Mal und das Jubiläum wird mit der einjährigen Ausstellung „Mittenmang & Tolerant“ begangen. Diese ergänzt den laufenden Betrieb des für alle offenen Centrum Judaicum, das seit 1995 die reichen Facetten jüdischer Kultur charmant vermittelt, einen interkulturellen Dialog initiiert und säkularen Zugang zur jüdischen Kulturgeschichte mit den Funktionen der Gemeindetätigkeit und des Gebetshauses verbindet. Die goldene Kuppel schmückt die Oranienburger Straße und ist ein Orientierungspunkt. Sie überstrahlt mit ihrem Glanz das dichte Straßennetz der Spandauer Vorstadt, die pulsierende heutige Mitte Berlins. 

Die Neue Synagoge, damals eine der größten in Europa, wurde erbaut, weil das erste jüdische Gotteshaus Berlins in der Heidereuterstraße nicht mehr genügend Platz bieten konnte. Vor allem der Zustrom von Emigranten aus Russland ließ die jüdische Gemeinde mit ihren damals etwa 25 000 Mitgliedern stetig anwachsen. Mit den maurischen Prägungen, ihrer reichen Ornamentik, ihren ausgewogenen Proportionen und der viel gelobten Schönheit symbolisiert die Synagoge das gewachsene Selbstbewusstsein, sich zuerst den Berlinern und weit darüber hinaus auch allen anderen mit Würde zu präsentieren. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums“ notierte, dass der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck zur Eröffnung kam ebenso wie weitere Persönlichkeiten der preußischen Gesellschaft. Tageszeitungen lobten „die neue Eisenbaukunst, die Gasbeleuchtung in den Fenstern und das moderne Lüftungssystem“ des für 3 200 Menschen von den Architekten Eduard Knoblauch und Friedrich August Stüler gebauten Hauses. Ein neues Haus, ein neuer Ritus! Die Neue Synagoge symbolisierte gleichzeitig den Aufbruch zu einer modernen rituellen Praxis mit einem gemischten Chor, mit Orgelbenutzung und vor allem mit einem Gottesdienst in deutscher Sprache auf dem Höhepunkt der jüdischen Assimilation im vorvorigen Jahrhundert. Ein Quantensprung auch in der Geschichte der Berliner Juden, den nicht alle mitvollziehen konnten. Eigene Gebetsvereine entstanden. Auch darüber informiert die Ausstellung. Sie erzählt mit Fotodokumenten, Artefakten und Texttafeln von der wechselvollen Geschichte des Hauses und des jüdischen Lebens drumherum: Rosenthaler Straße, Linienstraße, Gormannstraße, die Große Hamburger ... Man befand sich inmitten der jüdischen Gesellschaft mit Knaben- und Mädchenschule, Lehrstätten, Waschhaus, Hospital, Verlagen, Buchhandel, mit Altersheim, Vereinen und Logen nebst Wohlfahrtseinrichtungen. So wurde 1891 die erste jüdische Volksküche in der Klosterstraße 99 eröffnet. 3 000 durchreisende russische Emigranten fanden 1914 in einem Domizil des Jüdischen Volksvereins in der Auguststraße 20 vorübergehende Unterkunft. Berlin war eine Zuwanderungsstadt. Offenheit und Abschottung in sensibler Balance. Der Besucher erfährt von der Silberwarenfabrik „Lazarus Posen Witwe“, liest von koscheren Tante-Emma-Läden. Milch und Käse dort, Fleischhandel da – und kann sich über die hier tätig gewesenen Rabbiner, Kantoren und andere Persönlichkeiten wie den Komponisten und Chordirigenten Louis Lewandowski (1821–1894) informieren. Und dann der Bruch: In der Pogromnacht 1939 wird Feuer in der Synagoge gelegt. Es war der Couragiertheit des Reviervorstehers vom Hackeschen Markt zu verdanken, dass das Haus nicht vollständig niederbrannte: „Mit vorgehaltener Pistole jagt Wilhelm Krützfeld den SA-Trupp aus der Synagoge. Und bringt anschließend auch die – in dieser Höllennacht so oft zur Untätigkeit verdammte – Feuerwehr dazu, zu löschen“, steht auf der Tafel, die der Ehrung Wilhelm Krützfelds gewidmet ist. 1943 wurde die Synagoge, die den Nazis als Sammellager diente, von englischen Fliegerbomben zerstört. Bis 1988 die Stiftung Neue Synagoge Centrum Judaicum gegründet und der Grundstein für den Wiederaufbau gelegt wurde, blieb allein die Vorderfront an der Oranienburger Straße nebst Gedenktafel als mahnende Ruine erhalten. „Wir wollen mittenmang sein“, sagt Hermann Simon, langjähriger Direktor des Centrum Judaicum, in seiner Jubiläumsrede, „und zeigen, dass jüdisches Leben, trotz seiner oft auch selbst gemachten Probleme wieder möglich ist.“

Anita Wünschmann

 

Informationen

So bis Do: 10–18 Uhr
Fr: 10–15 Uhr

 

68 - Winter 2016
Stadt

Gewerbeimmobilien hoch im Kurs

In Berlin wird sich die Zahl der Bürobeschäftigten bis 2020 um 8,7 Prozent auf rund 775 000 Menschen erhöhen. In der Hauptstadt werden künftig zusätzliche Büroflächen von bis zu 1,6 Millionen Quadratmetern benötigt.Hauptsächlich Bedarf haben Technologie-, Medien- und Telekommunikationsunternehmen, hinzu kommen die öffentliche Verwaltung und unternehmensorientierte Dienstleistungsbetriebe, große Digitalunternehmen sowie Startups. 

Wie bei allen Immobilien spielt die Lage eine wesentliche Rolle. Bei Gewerbeimmobilien sind es citynahe oder Cityrand-Gebiete, die verkehrstechnisch gut liegen. Neben der Anbindung sind urbane Strukturen bei den Büromietern gefragt. Besonders attraktiv sind nach wie vor Berlin-Mitte, City West, Media-Spree, Europacity. In den Fokus von Projektentwicklern rücken nun auch Stadtteil-
lagen in Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg oder auch die Gegend am Südkreuz. 

Ein Unternehmen, das sich in der Europacity, also im Stadtzentrum, niedergelassen hat, ist die 50Hertz Transmission GmbH, die die Netzintegration von etwa 40 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Windkraftleistung sichert und damit für die Stromversorgung von rund 18 Millionen Menschen sorgt. In zehnmonatiger Bauzeit entstand der 13-geschossige Rohbau des Architekturbüros Love architecture aus Graz, im Spätsommer sind die 650 Mitarbeiter, die in die Mitgestaltung ihres zukünftigen Arbeitsplatzes integriert waren, in die neue Unternehmenszentrale eingezogen. Jede Etage bietet Möglichkeiten, im kleineren Kreis oder in größeren Gruppen zusammenzuarbeiten. Und Tische auf den Außenterrassen laden ein, im Freien zu arbeiten.

Die Unternehmensgruppe Project, einer der größten Projektentwickler Deutschlands, entwickelt und baut mit dem Objekt „Reinhardtstraße 49“ im westlichen Mitte einen repräsentativen, achtgeschossigen Büroneubau mit einer Gesamtmietfläche von rund 2 100 Quadratmetern. Die Büroflächen lassen sich flexibel, je nach den individuellen Anforderungen des Nutzers, in Einzel-, Doppel- oder Gruppenbüros aufteilen. Im Frühjahr 2018 soll alles fertig sein.

In größerem Stil plant das Unternehmen in Berlin-Schönefeld das sogenannte Frontoffice. Es verfügt über Büroflächen bis 32 500 Quadratmeter in fünf zusammenschaltbaren Gebäuden. Grundrissgestaltung und Raumaufteilung sind ebenfalls flexibel, die Gebäude haben eine hohe Energieeffizienz mit geringen Nebenkosten, außerdem sind Pkw-Stellplätze angeschlossen.

Auch die City West verändert sich weiterhin. An der Joachimsthaler Straße zwischen Bahnhof Zoo und Kurfürs-tendamm entsteht ein weiterer Neubau, nach Abriss der alten ehemaligen Passage, deren bekanntester Mieter das Beate-Uhse-Erotikmuseum war. Vis à vis zum Hochhaus Zoofenster werden Läden, Lokale und Büros einziehen. US-Investor und Bauherr Hines nennt sein sechsstöckiges Geschäftshaus „Zoom“, das Architektenbüro Hascher Jehle stattet die 150 Meter langen Schaufenster der unteren drei Geschosse mit durchgehenden Glasfassaden aus. Bezugsfertig soll das Gebäude 2017 sein.

Ganz in der Nähe am Kurfürstendamm wurde ein schlichter Nachkriegsbau aus den 60er-Jahren durch einen Neubau ersetzt, welcher sich kaum von anderen gründerzeitlichen Bauten in der Umgebung unterscheidet. Die Fassade des Palais Holler lehnt sich in Aufbau und Gliederung an die Nachbarbebauung mit ihren wilhelminischen Elementen an. Der Entwurf des sechsgeschossigen Geschäftshauses mit Dachgeschoss und einer Tiefgarage mit 50 Stellplätzen sowie einer kleinen Gartenanlage stammt vom Architektenbüro Nöfer. Bauherr ist die AKV Immobilien Management GmbH.

Wie wollen wir künftig wohnen, arbeiten und leben? Die Selbstbaugenossenschaft Berlin eG hat sich diese Frage gemeinsam mit den Architekten ifau und Heide & von Beckerath gestellt, als sie 2011 das „Integrative Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt“ (IBeB) in der südlichen Friedrichstadt gegenüber dem Jüdischen Museum im Rahmen eines konzeptgebundenen Grundstücksvergabeverfahrens des Berliner Liegenschaftsfonds startete. Nach den Plänen der Architekten entsteht nun bis zum Sommer 2017 ein viergeschossiges Gebäude aus Wohnungen, Ateliers, Studios und Gewerberäumen, das Wohnen und Arbeiten verknüpfen wird. Auch den weiterhin zunehmenden Besucherzahlen in Berlin wird Rechnung getragen. Bis Frühjahr 2017 errichtet die Münchner Grund Immobilien Bauträger GmbH – eine Tochtergesellschaft der UBM Development AG – ein achtstöckiges Holiday Inn Express. Der Hotelbau unweit vom Alexanderplatz in der Klosterstraße neben der Botschaft der Niederlande und den Berliner Wasserbetrieben wird 185 Gästezimmer und eine Tiefgarage mit 13 Stellplätzen bieten. Christian Berger, Geschäftsführer der Münchner Grund Immobilien Bauträger GmbH, will zeigen, „dass auch Neubauprojekte ästhetisch in ein historisches Umfeld eingefügt werden können. Unter Beachtung des unterirdisch verlaufenden U-Bahntunnels wurde eine maßgeschneiderte Lösung für den Standort gefunden“.

Ein weiterer Hotelneubau entsteht am Alexanderplatz. Unter der Marke Hampton by Hilton wird derzeit an der Otto-Braun-, Ecke Mollstraße ein neungeschossiges Gebäude errichtet. Mit 344 Zimmern soll es das weltweit größte Haus der Hilton-Gruppe im mittleren Preissegment sein. Das Projekt wurde von Collignon Architektur und Design GmbH geplant und mit dem Bauherren Lambert Wohnbau GmbH zusammen entwickelt.

Da nicht nur Berlin-Besucher gern konsumieren, wird ein weiteres Shoppingcenter, die „East Side Mall“, ein Projekt der Freo Group, die Auswahl vergrößern. Zwischen der Mercedes-Benz Arena und der Warschauer Brücke in Berlin-Friedrichshain werden bis 2018 auf knapp 40 000 Quadratmetern und drei Ebenen rund 110 Läden einziehen, darunter Einzelhändler, Dienstleistungs-, Gastronomie- und Freizeitbetriebe. Das Einkaufszentrum wird über zwei Haupteingänge zugänglich sein – von der Warschauer Brücke und von der Mercedes-Benz Arena. Außerdem sind etwa 760 Pkw-Stellplätze geplant.

 

68 - Winter 2016
Stadt

Visionäre Stadtkultur

Allein die Bilder. Dem Charme dieses Projekts kann sich niemand entziehen.  Am Pergamonmuseum vorbeikraulende Schwimmerinnen mit ihren gelben Badekappen, das hat etwas Magisches. Entstanden sind die Aufnahmen während des sommerlichen Flussbad Pokals. Die Wasserqualität war gut, die Berliner Wasserbetriebe haben das bestätigt. Was einmal geht, warum soll das nicht immer gehen, so die Flussbaderfinder und -befürworter vom Flussbad Berlin e.V.

Auf den ersten Blick mutet es wie eine verrückte Utopie an. Schließlich hat 1925 das letzte innerstädtische Flussbad an der Spree seine Kabinen geschlossen. Schaut man genauer hin, birgt das Projekt zahlreiche Chancen, bringt mehr in Fluss als das zukünftige Schwimmen. Entworfen hat das Flussbad Berlin 1998 die Künstlergruppe realities:united, allen voran die Architekten Tim und Jan Edler. Die Brüder sind ansonsten vor allem für ihre Medienfassaden bekannt und in aller Welt gefragt.  Kern der Idee Flussbad Berlin ist die unmittelbare Zugänglichkeit des Spreekanals in den Bereichen Schloss beziehungsweise Lustgarten. Auf etwa 850 Meter Länge könnten Schwimmer ihre Bahnen ziehen. Es entstünde ein ganz eigener Erlebnisraum. Der Fluss käme an dieser prominenten Stelle den Menschen ganz nah.  „Letztendlich soll der Kanal dazu genutzt werden, der Mitte einen neuen Entwicklungsimpuls zu geben, sodass neben der historisch hochkulturell-touristischen Bedeutung auch wieder die alltagskulturelle, auf Nachhaltigkeit zielende und zukunftsorientierte Bedeutung zunimmt“, so Tim Edler, Projektautor des Flussbads. Dafür müsste die hohe Spundmauer an einigen Stellen aufgebrochen und durch Treppen ersetzt werden. Allein das wäre eine Bereicherung für den Stadtraum. Ein sauberer Fluss ist aber auch schon für sich genommen ein zentrales Ziel des Flussbad Berlin e.V. Damit das Wasser Badequalität bekommt, wären zahlreiche wasserbauliche und technische Maßnahmen notwendig, die ihrerseits den Spreekanal im Innenstadtbereich ökologisch aufwerten würden. Denkbar sind Filteranlagen, Rückhalteräume und eine Begrünung des Ufers im Bereich Fischerinsel. Umkleidekabinen kann man sich etwa im Sockel des 1950 abgetragenen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vorstellen, denn der ist innen hohl und bietet Platz. Dass der Weg dahin lang ist, wissen die Macher. Auf das Bohren dicker Bretter haben sie sich eingestellt. Hinzu kommt, dass es sich hier um eine Bundeswasserstraße handelt und die Museumsinsel Weltkulturerbe ist. Doch was in Bern und München möglich ist, nämlich innerstädtisches Schwimmen, warum soll das Berlin nicht können? Mit dem Gewinn des renommierten Holcim Awards für nachhaltiges Bauen im Jahr 2012 bekam die Vision Rückenwind. Zwei Jahre später wurde das Projekt ins Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen und durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit 2,6 Millionen Euro gefördert. Noch einmal 1,3 Millionen Euro gab es von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Mit Lottomitteln konnte eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, die schließlich bestätigte: Es ist wassertechnisch möglich. Im Fokus standen dabei der erforderliche Hochwasserabfluss über dem Spreekanal, die natürliche Reinigung des Flusswassers durch einen Pflanzenfilter. Und nicht zuletzt der heikelste Punkt, der die Überläufe der Mischwasserkanalisation in den Badebereich betrifft. Was viele Berliner nicht wissen: Bei Starkregen kann die Berliner Kanalisation das Abwasser nicht mehr fassen, es fließt an diversen Überlaufpunkten dann in den Fluss. Ein Zustand, der sich seit dem späten 19. Jahrhundert nicht geändert hat. Durch verschiedene wassertechnische Maßnahmen kann es gelingen, das Volumen von Überläufen im Projektgebiet einzudämmen, das hat die Machbarkeitsstudie unter der Federführung der Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH ergeben. Im direkten Schwimmbereich würden die Überläufe ganz unterbunden werden können. Hier sind natürlich auch die Berliner Wasserbetriebe gefragt. Sie begrüßen das Flussbad Berlin als Leuchtturmprojekt, richtet es doch den Blick der Stadtgesellschaft auf das, womit sie tagtäglich zu tun haben. Ein sauberer Fluss, das ist seit Langem auch ein Anliegen von Senat und Wasserbetrieben. So weist Astrid Hackenesch-Rump, Sprecherin der Wasserbetriebe, darauf hin, dass gerade ein Programm zur Schaffung unterirdischer Stauräume laufe. „Diese zusätzlichen Becken könnten Abwasser bei Überlastung der Kanalisation aufnehmen und für gewisse Zeit speichern“, erklärt sie. Zudem setzten sich die Wasserbetriebe für zusätzliche Sickerflächen wie Gründächer ein. Die Kanalisation würde somit entlastet. Eine grundsätzliche Entscheidung steht noch aus. Bei den Initiatoren des Flussbades gibt es außerdem die Überlegung, ob es nicht auch möglich wäre, ab und an den roten Wimpel zu hissen: Baden heute verboten. Das würde die  Stadtbevölkerung dafür sensibilisieren, dass sauberes Wasser nicht selbstverständlich ist und unsere Zivilisation ihren Preis hat.

Wassertechnisch scheint dem Projekt also nichts Grundsätzliches mehr im Wege zu stehen, bliebe da noch der Denkmalschutz. Hier hat sich im vergangenen Jahr Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in einer Tagesspiegel-Kolumne zu Wort gemeldet. Nach seiner Einschätzung wäre der Abriss der Schinkelschen Spundmauer mit dem Denkmalschutz unvereinbar, der Welterbestatus geriete somit in Gefahr. Außerdem könnte der Lustgarten zu einer Partymeile verkommen, mit all den Begleiterscheinungen von Abfall und Lärm, wie man sie aus anderen Stadtteilen kennt. Daraufhin hat der Verein Flussbad e.V. die Pläne modifiziert und sie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vorgestellt. „Demnach ist nunmehr ein Einstieg in Höhe des Auswärtigen Amtes geplant und ein Abbruch der Schinkelschen Ufermauer am Alten Museum nicht mehr vorgesehen.  Seit über das Flussbad diskutiert wird, hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz immer wieder deutlich gemacht, dass ein Eingriff in die bauliche Integrität des Unesco-Weltkulturerbes Museumsinsel nicht in Frage kommt“, so der Sprecher der Stiftung Ingolf Kern. Zu den Grundüberzeugungen des Flussbad Berlin e.V. gehört es, mit allen Beteiligten zu  einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. „Genau darum geht es ja überhaupt bei diesem Projekt: Wir wollen den Ort durch behutsame und intelligente Verknüpfung der Gegebenheiten weiter entwickeln. Selbstverständlich ist dabei, dass diese Lösung auch die Entwicklungsperspektive der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufnehmen muss“, so Tim Edler.  Natürlich sei es schade, wenn es im Bereich Lustgarten keinen direkten Flusszugang geben könnte. Mit dem Denkmalschutz besser vereinbare Alternativvorschläge sehen nun eine zweiteilige Erschließung des Spreekanals vor, durch breite Freitreppen jeweils am Auswärtigen Amt und am anderen Ende, am Bode-Museum. Die von der Stiftung geplante Erweiterung der Museumsinsel über den Kanal hinweg könnte so auch städtebaulich vermittelt werden. 

Erst einmal müsse aber der Fluss sauber sein, heißt es bei den Initiatoren. Das nächste konkrete Ziel, das der Verein Flussbad Berlin e.V. deshalb anvisiert, ist die Inbetriebnahme eines Testfilters im nächsten Frühjahr. Eigens dafür wird ein alter Schiffsrumpf umgebaut, der derzeit noch im Historischen Hafen liegt. Öffentlichkeitswirksam kann dann im Mühlengraben die Wirkungsweise des pflanzenbewachsenen Kiesfilters erprobt werden. Vor dem Garten des ehemaligen Staatsratsgebäudes der DDR, heute European School of Management and Technology, soll eine Holzplattform an eine früher hier existierende Badeanstalt erinnern.

Karen Schröder

 

68 - Winter 2016
Stadt

Weltall über Berlin

Venus ist weiterhin Abendstern, während Jupiter Morgensichtbarkeit zeigt. Dies sind nur einige der astronomischen Höhepunkte im Spätherbst, zu erleben in einer naturgetreuen Simulation des Sternenhimmels im Zeiss-Großplanetarium in der Prenzlauer Allee. 

Nach einer zweijährigen Modernisierungspause und seiner Neueröffnung im August dieses Jahres gehört das Großplanetarium in Prenzlauer Berg zu den modernsten Wissenschaftstheatern Europas. Nicht zu verwechseln mit einer Sternwarte, in der sich die realen Himmelsobjekte beobachten lassen.

Himmelsgestirne beschäftigen die Menschen schon seit Urzeiten. Bereits in der Antike soll es eine von Archimedes konstruierte mechanische Kugel gegeben haben, die die Bewegungen von Sonne und Mond darstellen konnte.

Inzwischen sind Planetarien ganze Gebäude und bestehen aus einer halbkugelförmigen Kuppel, auf deren Innenfläche die naturgetreue Darstellung des gestirnten Himmels mit seinen Sternen, Planeten, Kometen und anderen astronomischen Phänomenen von einem speziellen Projektor erzeugt wird, der die Tages- und Jahresbewegungen zu einer beliebigen Zeit und für einen beliebigen geographischen Ort darstellen kann. Als Erfinder des modernen Projektionsplanetariums gilt der Physiker Walther Bauersfeld, der es 1919 im Auftrag von Carl Zeiss Jena entwickelte und baute.

Neben neuer, digitaler Medientechnik und verschiedenen bautechnischen Veränderungen richtet sich das Berliner Planetarium auch inhaltlich neu aus: Statt wie bisher ausschließlich astronomische Programme zu zeigen, wird es sich in Zukunft auch anderen wissenschaftlichen Gebieten wie der Biologie, der Chemie und Physik, der Geologie oder der Medizin widmen. Besonders durch die neue Fulldome-Technik können wissenschaftlich anspruchsvolle Themen eindrücklich und unterhaltsam vermittelt werden. Als fliegendes Klassenzimmer geben Computeranimationen Einblicke in die Geburt und den Tod der Sterne, dreidimensionale Flüge erlauben die Erkundung  der  Planetenoberflächen und in Zeitraffung wird die Kollision ganzer Galaxien simuliert. Neu ist auch, dass diese Computercluster mit Zugriff auf Datenbanken astronomischer Messungen eine interaktive Bedienung erlauben. Per Mausklick können neue Kometen besucht oder ganz spezielle Fragen zum schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße beantwortet werden. Aber auch Medienkunst, Kultur, Musik und Theater finden den Weg in das Wissenschaftstheater. Das Programm richtet sich an alle Altersklassen. Neben Wissenschafts-, Kinder- und Unterhaltungsprogrammen finden sich auch Vorträge und Sonderveranstaltungen auf dem Spielplan.

„Die drei ??? “ im 3-D-Sound 

Einzigartige 3-D-Soundabenteuer gibt es noch bis März 2017 im Zeiss-Großplanetarium. Drei Produktionen der Hörspielserie „Die drei ???“ im Rundum-3-D-Sound ermöglichen den Besuchern ein regelrechtes Eintauchen in die Handlung – ganz ohne visuelle Ablenkung. Die beliebten Detektive aus Rocky Beach bzw. ihre deutschen Stimmen ermitteln in den Folgen „Das Grab der Inka-Mumie “, „Die drei ??? und der Tornadojäger“ sowie „Die drei ??? und das kalte Auge“. Die Hörspiele dauern 80 bis 100 Minuten.

 

Information

Karten für „Die drei ???“ im Zeiss-Großplanetarium (Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin) kosten 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, erhältlich unter www.planetarium-berlin.ticketfritz.de oder Hotline 42 18 45-0 bzw. an der Abendkasse.

 

68 - Winter 2016
Stadt

Zalando ganz zentral

Onlinehändler Zalando bezieht am Ostbahnhof ein ganzes Quartier. Herzstück wird die Hauptzentrale sein, für die im Herbst symbolischer Spatenstich war. Einen Campus aus fünf Bürohäusern leistet sich Online-Versandhändler Zalando auf dem Anschutz-Gelände am Ostbahnhof in Friedrichshain. Für einen noch fehlenden siebenstöckigen Bürokomplex aus zwei Gebäuden erfolgte Anfang September der erste Spatenstich. Bis 2018 soll der Hauptsitz des börsennotierten Berliner Internethändlers fertiggestellt sein.

Nachdem das Architekturbüro Henn den Wettbewerb für sich entscheiden konnte, errichtet die Münchner Grund Immobilien Bauträger GmbH das zweiteilige Gebäude mit insgesamt 45.600 Quadratmeter Geschossflächen. Die Innenräume hat  Kinzo Berlin gestaltet. Als Generalunternehmer wurde PORR Deutschland mit dem Bau beauftragt, der schon einige Projekte in Berlin und vor allem auch für die Münchener Grund realisiert hat. Etwa 2700  der 5000 Berliner Zalando-Mitarbeiter werden in diesem Gebäudekomplex zukünftig Platz finden. 

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller äußerte sich erfreut zum Baustart: „Der heutige Spatenstich ist ein Zeichen für das starke und anhaltende demographische und wirtschaftliche Wachstum Berlins. Durch den weiteren Ausbau seines Firmensitzes hier am Standort entwickelt sich Zalando zielstrebig zu einem der größten Arbeitgeber Berlins.“ Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, betonte: „Es ist ein gutes Zeichen für die Stadt, dass wieder Büroflächen gebaut werden. Denn das bedeutet: Berlin wächst weiter – auch wirtschaftlich. Wir haben in der Stadt noch ausreichend Flächen.“ Das Zalando Headquarter spiegele das Flair Berlins als kreative und innovative Hauptstadt wider, heißt es in der Presseerklärung.  Die Gebäudegrundrisse interpretieren die typische Berliner Blockrandbeba ung neu. Sie verschieben deren Rasterstruktur diagonal zum Bebauungsplan und rücken die Innenhöfe an die Außenkanten der Grundstücke. Durch diese Öffnung entstehen Übergänge zwischen den Büros und dem öffentlichen Raum. Weitere Ein- und Ausblicke gewährt die Kombination aus transparenten und teils lichtdurchlässigen Fassaden, durch welche sich das Unternehmens ganz bewusst nach außen präsentieren möchte. Das Atrium wird sich über alle sieben Etagen des größeren der beiden Neubauten ziehen. Eine Treppe mit Sitz- und Lounge-Bereichen wird diese zentrale Lobby flankieren. Im Erdgeschoss schließen sich eine Kantine und ein Auditorium an. Die räumliche Organisation des Baus ist auf Kommunikation und Interaktion ausgerichtet: Einzelne Büros sind in neighbourhoods gruppiert, in denen Gemeinschaftsräume und Meeting Points angelegt sind. Sogenannte Catwalks verbinden die einzelnen Nachbarschaften.

Dies stehe für den „multidisziplinären Charakter des Arbeitsalltags bei Zalando“, so Henn. Damit formulieren die Architekten ein weiteres Merkmal des Headquarter-Stils: einen manchmal etwas flachen Symbolismus, mit dem die Kultur eines Unternehmens in die Architektur übergehen soll

68 - Winter 2016
Stadt