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Stadt (61 - Winter 2015)

Karlshorst hat sich am besten verwandelt

Der Berliner Ortsteil Karlshorst hat sich in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Projekte zu einem gefragten Wohnort entwickelt. Eines der ambitionierten Standortentwicklungsprojekte ist der „Carlsgarten“. Direkt angrenzend an die Trabrennbahn Karlshorst wird das Projekt seit dem Jahr 2004 sukzessive entwickelt und vermarktet. Berlin vis-à-vis sprach mit dem Architekten Sven Blumers. Sein Büro ging aus einem Architekturwettbewerb als Sieger hervor und wurde mit der Planung hochwertiger Eigentumswohnungen beauftragt.

Was zeichnet den Carlsgarten aus? 

Besonders die Lage des Wohngebietes Carlsgarten ist attraktiv. Es ist innerstädtisch, aber dennoch ruhig gelegen. Das gesamte Areal mit seinem parkähnlichen Charakter und einem sehr alten bemerkenswerten Baumbestand grenzt direkt an die Trabrennbahn Karlshorst. Und in unmittelbarer Nähe befindet sich der Volkspark Wuhlheide, der mit seinen zahlreichen Wander- und Radwegen und dem Sommerbad Wuhlheide vielfältige Freizeitmöglichkeiten bietet. Trotzdem sind es nur wenige Minuten mit der S-Bahn bis zum Alexanderplatz oder mit der Regionalbahn bis zum Flughafen Schönefeld. 

Der Carlsgarten zeichnet sich vor allem durch seine Eigenheime aus. Sie haben jedoch die Pläne für den Bau von hochwertigen Eigentumswohnungen entworfen.

Das stimmt. Die Eigentumswohnungen, die wir planen, sind eines von mehreren Bauprojekten im Carlsgarten. Die TLG Immobilien hat in den vergangenen zehn Jahren hier sukzessive vier Bauabschnitte erschlossen und verkauft. Das gesamte Areal hat eine Fläche von rund 35 Hektar, bestehend aus rund 16 Hektar Bauland und sechs Hektar Verkehrsflächen sowie rund 13 Hektar Grünflächen und Forsten. Zahlreiche Bauträger, darunter die Helma Wohnungsbau GmbH oder NCC Deutschland bauen hier insgesamt rund 500 Eigenheime. Die Eigentumswohnungen, die wir planen, haben daher in dem Eigenheim-Viertel eher einen Ausnahmecharakter.

Wie sieht das Konzept für die Eigentumswohnungen genau aus?

Im Rahmen eines Gebäudeensembles, das aus fünf Häusern besteht, entstehen auf einem rund 13 500 Quadratmeter großen parkähnlichen Grundstück 101 Eigentumswohnungen mit 115 Tiefgaragenplätzen sowie 2 000 Quadratmeter Gewerbeflächen. Die 2- bis 4-Zimmerwohnungen haben eine gehobene Ausstattung mit einem unverbaubaren Blick Richtung Süden auf die Trabrennbahn. Zwischen den Gebäuden sind landschaftlich spannende und erholsame Räume zum Verweilen geplant. Besonders hervorzuheben bei diesem Projekt ist der nachhaltig ökologische Aspekt. So sind ein zentrales Blockheizkraftwerk mit Brennwertkessel zur Erzeugung von Wärme und elektrischer Energie geplant, eine Solaranlage auf allen Gebäuden sowie die Regenwasserrückgewinnung zur Bewässerung der Grünanlagen und eine Stromtankstelle für Elektrofahrzeuge. Der Baubeginn ist in diesem Frühjahr geplant.

Gab es besondere Herausforderungen bei der Entwurfsplanung?

Jedes Projekt hat in allen Phasen seine Herausforderungen, da es immer darum geht, die Interessen und Vorstellungen des Bauherrn zu vertreten. Bei der Planung der Eigentumswohnungen im Carlsgarten mussten wir zum Beispiel aufgrund eines Naturgutachtens alle Entwürfe komplett neu überdenken und planen. Denn in den Eichenbäumen auf dem Grundstück ist der Heldbockkäfer zu Hause.  Dieser streng geschützte Käfer ist vom Aussterben bedroht. In Berlin begegnet man ihm nur noch auf der Pfaueninsel, im Grunewald und im Schloss-park Pankow. Die gesamten Entwürfe mussten daher entsprechend angepasst werden, um den Käfer nicht zu gefährden.   

Wie haben Sie als Westberliner Architekturbüro die Veränderungen im Stadtteil Karlshorst in den vergangenen Jahren wahrgenommen?

Der Stadtteil hat einen enormen Wandel vollzogen. Einst ein Zentrum sowjetischer Präsenz in Berlin und geprägt von KGB und zahlreichen Militärbauten, gehört Karlshorst meiner Meinung nach heute zu den Berliner Ortsteilen, die sich am besten verwandelt haben. Gründerzeitvillen wurden restauriert, Neubauten werten das kleinstädtische Zentrum rund um den S-Bahnhof auf, es gibt gute Einkaufsmöglichkeiten, ein umfangreiches Schulangebot, zahlreiche medizinische Einrichtungen und eine gute Verkehrsanbindung, ohne dass der grüne ruhige Charakter des Stadtteils verloren gegangen ist. Für mich hat sich Karlshorst zu einem hochwertigen grünen Stadtteil für Wohnen, Kultur und Freizeit entwickelt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

61 - Winter 2015

Neue, große Namen am Potsdamer Platz

Internationale Mieter zieht es an Berlins erste Adresse

Erstklassiger Office-Komfort, perfekte Verkehrsanbindung und ein Entertainment-, Shopping- und Gastronomie-Angebot der Extraklasse: Der Potsdamer Platz im Herzen Berlins setzt in jeder Hinsicht Maßstäbe. Nachdem bereits 2014 hochkarätige Nutzer an Berlins erste Adresse gezogen waren, haben zuletzt erneut international renommierte Unternehmen Verträge über größere Büroflächen am Potsdamer Platz unterzeichnet.

Damit zeigt sich einmal mehr der hohe Stellenwert des Quartiers im Herzen der Hauptstadt. Und mit der Weiterentwicklung der Architekturikone Atrium Tower, die zu den Premium Towers of Berlin gehört, definiert Stararchitekt Renzo Piano die Zukunft der Immobilie derzeit neu – ganz nach dem Motto: designed for Berlin.

Ende 2014 hatte sich die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) für den von Architekt Prof. Hans Kollhoff entworfenen Büroturm Potsdamer Platz 1 entschieden – seit 1. Januar 2015 residiert sie auf 670 Quadratmetern in der Immobilie. Mit dem Mietvertrag über 15 Jahre bekennt sich die größte Bank Chinas langfris­tig zum Top-Standort Berlins und unterhält neben den Office-Flächen auch eine Filiale im Gebäude. Chen Fei, General Manager bei ICBC in Deutschland, sprach bei der Verkündung des Abschlusses davon, dass die Bank bewusst ihre Filiale „an der weltbekannten Adresse Potsdamer Platz“ einrichten wollte.

Gleichzeitig verlängerte die inter­national renommierte Anwaltskanzlei Freshfields – ebenfalls am Potsdamer Platz 1 – vorzeitig ihren Mietvertrag über rund 5 800 Quadratmeter für zehn Jahre. Der 103 Meter hohe Büroturm bietet Mietern und Besuchern neben einer erstklassigen Ausstattung und der in Berlin einmaligen neogotischen Fassade auch einen atemberaubenden Ausblick über die deutsche Hauptstadt. Das Panoramacafé in der 24. und 25. Etage erreicht man mit dem schnellsten Aufzug Europas in gerade einmal 20 Sekunden. Zu den weiteren namhaften Mietern gehören unter anderen die internationalen Wirtschaftskanzleien Morrison & Foerster LLP und Olswang sowie die Anwälte von Raue LLP.

Auch im neuen Jahr konnten bereits weitere Mietverträge am Potsdamer Platz unterzeichnet werden. Am 1. April 2015 zieht auch der schweizerische Büro- und Immobiliendienstleister WS Capital GmbH am Potsdamer Platz 1 ein – das Unternehmen hat dort rund 550 Quadratmeter gemietet. Und die Daimler Real Estate GmbH, Tochter des Stuttgarter Weltkonzerns, wird ihre 1 700 Quadratmeter großen Räumlichkeiten in der Linkstraße 2 für fünf weitere Jahre nutzen. 

Premium Towers of Berlin

Highlights der Büroimmobilien am Potsdamer Platz, Wahrzeichen Berlins und zugleich Architekturikonen der Neuen Mitte, sind die Premium Towers of Berlin, zu denen neben dem Büroturm Potsdamer Platz 1 auch der Forum Tower und der 106 Meter hohe Atrium Tower gehören. Der spektakuläre Turm mit seiner matt schimmernden, mediterran anmutenden Fassade wird derzeit auf eine Nutzung als Multi-Tenant-Building in Premiumqualität vorbereitet. Mit der Weiterentwicklung definiert Star-Architekt Renzo Piano die Zukunft der Immobilie neu, deren imposante Atriumhalle mit lichtem Glasdach sich über sieben Geschosse erstreckt. Im Rahmen der Maßnahmen wird der Raum neu strukturiert und öffentlich zugänglich gemacht. Außerdem entstehen separate Eingänge für Mieter und Besucher. Mit Geschossflächen von bis zu 4 000 Quadratmeter bietet das Objekt einmalige Entfaltungsmöglichkeiten im Herzen Berlins. Den nachhaltigen Ansatz des Atrium Towers bestätigte im Jahr 2013 das DGNB Green-Building-Zertifikat in Gold.  

 

 

61 - Winter 2015
Stadt

Kühne Bauideen im Martin-Gropius-Bau

Der Martin-Gropius-Bau zeigt Architekturentwürfe aus den legendären Moskauer Wchutemas, einst bedeutende Kunstschule und Geburtsort der russischen Avantgarde.

Bevor der Sozialistische Klassizismus – auch „Stalinscher Zuckerbäckerstil“ genannt – in den 1930er-Jahren endgültig die Architektur in der Sowjet-union beherrschte, gab es ein Jahrzehnt, in dem alles möglich schien, eine Aufbruchszeit nach Revolution und Bürgerkrieg, in der Künstler und Architekten der Sowjetunion zur europäischen Kunstavantgarde gehörten. Zwischen 1920 und 1930 ist es vor allem die Moskauer Kunstschule Wchutemas, ein Abkürzungskonstrukt, übersetzt mit höhere künstlerisch-technische Werkstätten, die mit ihrem revolutionären Bildungskonzept zeitweise solch große Popularität genoss, dass ähnliche Institute auch in anderen Städten der Sowjetunion gegründet wurden. Doch die künstlerische Ausrichtung an den Wchutemas war von Beginn an von staatlicher Seite aus, aber auch unter Lehrern und Studenten, umstritten, sodass ständige Auseinandersetzungen um die „Kunst der neuen Zeit“ zum Lehralltag gehörten. Avantgardistische Künstler und Architekten für die Revolution zu gewinnen, hatte sich unter der offiziell angeordneten Maßgabe, auch mit Hilfe der Kunst den „Neuen Menschen“ zu formen, ohnehin als schwierig erwiesen. Dennoch entwickelten sich die Wchutemas nach ihrer Gründung 1920 mit anfangs rund zweitausend Studenten pro Jahrgang zu einem bedeutenden Standort der europäischen Avantgarde, mit Ausstrahlung weit über Sowjetrussland hinaus bis nach New York.

Zu seinen berühmtesten Lehrern gehörten El Lissitzky, Naum Gabo, Moisey Ginsburg, Wassily Kandinsky, Alexander Melnikow und Alexander Rodtschenko. Ähnlich wie am Bauhaus in Weimar und später in Dessau, umfasste das mehrjährige Studium alle handwerklichen Künste mit dem Schwerpunkt Architektur, der ab 1927 eine Schlüsselrolle zukam. Aufgrund großer Bauaufgaben gestand man nur ihr zu, neue künstlerische Ideen adäquat ausdrücken zu können, Rationalismus und Zweckmäßigkeit zu befördern und soziale Wirkungen zu erzielen. Ein Vorzeigeprojekt sollte beispielsweise das „Rote Stadion“ werden, eine raumgreifende Anlage für Sport, Agitation und Unterhaltung. Entwurf und Modell wurden ob ihrer außergewöhnlichen Gestaltung 1925 auf der Internationalen Kunstausstellung in Paris mit dem Grand Prix als innovativstes Architekturprojekt ausgezeichnet, ebenso das revolutionäre Bildungskonzept der Moskauer Kunstschule. 

Etwa 250 Architekturentwürfe und Arbeiten aus der Zeit der Wchutemas zeigt der Martin-Gropius-Bau gemeinsam mit dem Staatlichen Schtschussew Museum für Architektur Moskau. Noch heute beeindrucken die zum Teil kühnen Bauideen und Studienprojekte. Erst in den letzten Jahren wurde die Ausstellung zusammengestellt, gespeist aus den Archiven der Nachfolgeinstitute und persönlichen Sammlungen von Architekten, die an den Wchutemas einst studierten. Zur Auflösung der Kunstschule, ab 1927 als Institut und danach als Hochschule geführt, kam es schließlich 1930 wegen unüberbrückbarer Gegensätze zwischen den Vertretern des Konstruktivismus und der sogenannten Produktionskunst. Nach 1945 setzte sich diese Auseinandersetzung auch in den anderen kommunistisch regierten Ländern als „Formalismusdebatte“ fort. 

Es versteht sich fast von selbst, dass die Lehrenden und Studenten der Wchutemas damals auch am Bauhaus interessiert waren, denn dort existierten ähnliche künstlerische und theoretische Ansätze. Studentendelegationen besuchten sich gegenseitig und etwa vierzig Bauhäusler lebten und arbeiteten in der Sowjetunion, bis in die 1930er-Jahre hinein. 

Die nachfolgenden totalitären Regime, in Sowjetrussland der Stalinismus, in Deutschland ab 1933 der Faschismus, setzten schließlich die Werke der internationalen Avantgardekunst auf den Index und verfolgten deren Künstler. Angesichts der beeindruckenden Ausstellung im Martin-Gropius-Bau stellt sich die Frage nach Erbe und Pflege der Avantgarde-Architektur im heutigen Russland. Schade, dass in der Ausstellungskonzeption dafür kein Platz war.

Reinhard Wahren 

 

Ausstellung

WChUTEMAS –
Ein russisches Labor der Moderne
Architekturentwürfe 1920–1930
Bis 6. April 2014
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

 

61 - Winter 2015

Neue Bauprojekte verändern die Stadt

Das Bild der Baukräne über dem Berliner Himmel ging in den 90er-Jahren um die Welt. In den Folgejahren ebbte der Bauboom etwas ab, aber heute ist das Zentrum Berlins, in Ost wie West, wieder mit Baukränen gespickt. Neben der Großbaustelle der neuen U-Bahnlinie 5, für die derzeit der Bezirk Mitte umgekrempelt wird, gibt es auch interessante neue Hochbauprojekte, von denen wir die acht prominentesten hier vorstellen. Von Ulf Meyer

 

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Das neue Gebäude des Bundesminis-teriums für Bildung und Forschung liegt zwischen Stadtbahnviadukt und Spree unweit des Reichstags und hat eine Fassade aus grünem Gneis. Entworfen von den Architekten Heinle, Wischer und Partner, basiert der Minis-teriumsbau auf einem doppelt u-förmigen Grundriss. Das Besucherzentrum im Erdgeschoss wurde betont transparent gestaltet. Darüber liegen große Innenhöfe, zu denen sich die Büros hin öffnen. 

 

Bundestagsbau in Mitte 

Auch die zweite Kammer der deutschen Demokratie plant einen Neubau in Mitte, der verschiedene Fachbereiche des Bundestages, eine Arztpraxis des Betriebsärztlichen Dienstes sowie eine Kantine mit 200 Sitzplätzen aufnimmt. Auf dem Grundstück an der Ecke Dorotheen-/Schadowstraße in der Dorotheenstadt steht heute noch ein DDR-Plattenbau aus den 70er-Jahren. Er wird abgerissen und durch einen Neubau vom Büro Code Unique Architekten aus Dresden ersetzt. Der Entwurf fügt sich städtebaulich in die Bebauung ein. Er hat klare Konturen und Traufhöhen, die zu den Altbauten links und rechts passen.

 

Lückenschluss für den Bundesrat


Der Bundesrat erhält einen Anbau mit Besucherzentrum [Foto: © Max Dudler, Berlin]

Ein neuer Erweiterungsbau für den Bundesrat wird eine der noch bestehenden Baulücken am Leipziger Platz in Mitte schließen. Im Architekturwettbewerb dafür setzte sich das Kreuzberger Architekturbüro von Max Dudler durch. Sein Entwurf ist nach Meinung des Bauherren „kraftvoll und eigenständig“. Auf dem Grundstück zwischen dem Leipziger Platz und dem ehemaligen preußischen Herrenhaus – seit 2000 Sitz des Bundesrats – wird der Anbau entstehen, der 5 700 Quadratmeter Fläche für den Bundesrat bietet. Im neuen Besucherzentrum werden Konferenzräume und „Rollenspielsäle für Schülergruppen“ untergebracht. Das große Foyer ist für Veranstaltungen und Ausstellungen vorgesehen.

 

Neubau am Zoo


Neue Läden am Zoo – Perspektive vom Kurfürstendamm [Foto: © Hines / Hascher Jehle]

Neben dem Zoofenster wird das sechsstöckige Büro- und Geschäftshaus am Zoo nach Entwurf der Architekten Hascher Jehle gebaut. Nach Abriss der Gebäudezeile mit dem Aschinger-Haus zwischen Hardenberg- und Kantstraße plant der amerikanische Bauherr Hines auf einem 3 350 Quadratmeter großen Areal Läden und Büros. Der Investor verzichtet auf eine größere Gebäudehöhe, um schneller bauen zu können und ein Bebauungsplan-Verfahren zu vermeiden. Im Erdgeschoss, den ersten und zweiten Obergeschossen sowie dem ersten Untergeschoss werden Läden  entstehen und ab dem dritten Obergeschoss auf 5 000 Quadratmeter Fläche Büros. Der 150 Meter lange Sockel bekommt durchgehende Schaufenster.  

 

Forschungsinstitut für Lebenswissenschaften


Forschungsinstitut für Lebenswissenschaften auf dem Campus Nord der Humboldt–Universität [Abb.: Bodamer Architekten]

In Mitte wird derzeit ein knallgrünes Forschungsinstitut für Lebenswissenschaften auf dem Campus Nord der Humboldt-Universität an der Philippstraße, Ecke Hannoversche Straße gebaut. Mit ihrem Entwurf konnten sich die Stuttgarter Architekten Bodamer Faber 2010 im Wettbewerb durchsetzen. Der Campus der Veterinärmedizin ist eine ruhige Parkanlage, in der die biologischen Institute konzentriert werden sollen.

Die „prägnante, selbstbewusste Gestalt“ des dynamisch geschwungenen Laborbaus wird von weither sichtbar sein. Die Höhe orientiert sich an der Nachbarbebauung. Im Inneren wollen die Architekten eine kommunikative Atmosphäre schaffen, die konzentriertes Arbeiten und einen intensiven Austausch von Lehrenden, Studierenden und Forschenden fördern soll.

 

Berliner Zeitungsviertel

Heute liegt das Berliner Zeitungsviertel zwischen Mitte und Kreuzberg wieder im Zentrum der Stadt und wurde durch den Sitz des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und die Zentralredaktion der Deutschen Presse-Agentur aufgewertet.

Zwei ambitionierte Presseneubauten hauchen dem Berliner Presseviertel wieder Leben ein. Nun werden zwei aufsehenerregende Neubauten für die taz-Redaktion und den Axel-Springer-Verlag gebaut. Das Schweizer Architekturbüro „E2A“ (von den Brüdern Piet und Wim Eckert aus Zürich) entwarf den Neubau der „taz“ am Jüdischen Museum. Der konservativere Axel-Springer-Verlag setzt am anderen Ende der Straße beim Bau seines neuen Medien-Campus auf Rem Koolhaas aus Rotterdam.


Siegerentwurf von Rem Koolhaas für den Axel Springer Campus [Foto: © OMA]

Die taz wird 2017 aus ihrem jetzigen Sitz an der Rudi-Dutschke-Straße in einen Neubau gleich um die Ecke, im „Kreativquartier“ am ehemaligen Berliner Blumengroßmarkt, ziehen. Ein rautenförmiges Fachwerk-Netz aus Druck- und Zugstäben, wird die Fassade aus Glas und Stahl prägen. 20 Millionen Euro soll das Verlagsgebäude kosten, das auf einer Nutzfläche von 5 470 Quadratmetern den 250 Mitarbeitern Arbeitsraum bietet. 


Das Büro E2A Piet und Wim Eckert entwarfen das neue Gebäude der taz [Foto:​ E2A Zürich]

Jetzt möchte auch die Springer AG, heute fast ausschließlich auf elektronische Medien fokussiert, ein Fanal im Quartier. Koolhaas‘ „Medienzentrale für das Internetzeitalter“ soll zeigen, wie die Nachrichtenbranche im digitalen Zeitalter tickt. „Journalismus ist Quatschen auf dem Flur“ – dieses Bonmot von Henri Nannen scheint beim Springer-Neubau in ein Gebäude übersetzt zu werden – denn die zentrale Idee des Entwurfs ist eine große, das ganze Gebäude durchdringende „Arbeits- und Kommunikationslandschaft“, ein Raum, in dem „das individualisierte Arbeiten vor dem Computer wieder als gemeinschaftliche Unternehmung erfahrbar“ werden soll, so der Rotterdamer Avantgarde-Architekt gewohnt selbstbewußt. Der ehemalige Mauerverlauf führt diagonal durch das Gebäude und bildet ein riesiges Atrium, das „das Zusammenwachsen der Stadt thematisieren“ soll. Koolhaas wird mit dem Springer-Campus hinter dem Hochhaus eines der wichtigsten Großprojekte verwirklichen. Der Neubau soll nicht nur für Berlin Maßstäbe setzen, sondern als „Medienzentrale für das Internetzeitalter“ Aussagen treffen, wie sich die Nachrichtenbranche im digitalen Zeitalter präsentiert. In einem großen, das ganze Gebäude durchdringenden Raum soll „das individualisierte Arbeiten vor dem Computer als gemeinschaftliche Unternehmung erfahrbar werden“, so die Architekten.

 

Flussbad an der Spree 


Vision vom Schwimmen in der Spree Mitten in Berlin. Die Realisierung ist für 2020 vorgesehen. [Foto: www.flussbad-berlin.de]

Mehr noch als die neuen Bundesbauten in Berlin könnte ein Freizeit-Projekt das Zentrum Berlins prägen: Der Entwurf für ein Flussbad an der Spreeinsel sieht vor, den Kupfergraben zu einem Schwimmbad und Biotop zu machen. Der obere Spreearm soll zu einem natürlichen Filter umgestaltet werden, der die Wasserqualität so erhöht, dass der untere Arm am Lustgarten mit einer großen Freitreppe zu einem Schwimmbad umgestaltet werden kann. Die Idee hatten Jan und Tim Edler vom Büro „realities:united“ schon Ende der neunziger Jahre. Mit 750 Metern Länge wäre es das längste Flussbad der Welt und sicher eine Attraktion. Das Projekt erhält eine Förderung von 2,6 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Auch das Land Berlin beteiligt sich mit 1,4 Millionen Euro für die Planungsvorbereitung und erste Baumaßnahmen.

 

Neuer Technologie- und Medienstandort in Wilmersdorf


Das denkmalgeschützte Ensemble zwischen Hohenzollerndamm und Cunostraße [Foto: Michael Jungblut]

Der Hohenzollern Campus entwickelt zum wichtigen Technologie- und Medienstandort. Zentral erreichbar über die Stadtautobahn und die Ringbahn, haben sich schon vor Jahren namhafte Mieter aus Film- und Fernsehproduktion für den Standort entschieden. Im Mai 2013 haben die Berliner Investoren Dirk Germandi, Martin Rasch (u. a. Cumberland, Ludwig Hoffmann Quartier Wohnen, Zuckerwarenfabrik) und Klaus Groenke die 24 500 qm großen, denkmalgeschützten Gebäude am Hohenzollerndamm 150 und 151 in unmittelbarer Nähe zum Eisstadion Wilmersdorf übernommen und die Weiterentwicklung des ehemaligen AEG-Areals vorangetrieben. „Wir haben viel in das Gebäude und die Gebäudetechnik investiert, im Außenbereich haben wir in Abstimmung mit dem Denkmalschutz neue Pkw-Stellplätze geschaffen und moderne Tor- und Schrankenanlagen installiert“, sagt der Investor. Kürzlich siedelte sich die Riemser Pharma GmbH mit Sitz in Greifswald erstmals in Berlin an diesem Standort an. Und mit der Somatex Medical Technologies GmbH kam im Dezember 2014 ein weiteres Hochtechnologie-Unternehmen nach Wilmersdorf, das hier mit 15 Mitarbeitern eine Berliner Zweigstelle eröffnet. red.

61 - Winter 2015

Vom Hauptquartier zum Wohnviertel

Sowjetisches Sperrgebiet, KGB-Verwaltung, Paradestrecke für DDR-Staatsgäste. Diese Begriffe verbinden sich mit Karlshorst. Dabei galt der Lichtenberger Stadtteil einmal als „Dahlem des Ostens“ – und mittlerweile zieht der grüne Stadtrand verstärkt neue Bewohner an.

Es ist eines der größten Wohnungsbauvorhaben, das in Berlin derzeit in Planung ist: die Gartenstadt Karlshorst. Alles in allem etwa 1200 Einfamilien- und Reihenhäuser sowie Geschosswohnungen plant der Berliner Architekt Klaus Theo Brenner im Auftrag der zur Unternehmensgruppe Eisen gehörenden WPK Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Keine schnöde Vorstadt-Schlafsiedlung schwebt dem renommierten Planer vor, sondern ein Quartier mit städtischem Charakter, das dem Gebiet an der Zwieseler Straße in den nächsten Jahren ein neues Gesicht geben wird. Erste Wohnhäuser im nördlichenBereich des Planungsgebiets sind bereits fertig; künftig werden rund 3 000 Menschen in der Gartenstadt Karlshorst wohnen.

Ebenfalls bereits saniert und in Wohnhäuser umgewandelt sind einige der ehemaligen Kasernen, die für die Zwieseler Straße typisch sind. Errichtet wurden die Kasernengebäude zwischen 1936 und 1938 als Pionierschule I der deutschen Wehrmacht. Der Ort schrieb am 8. Mai 1945 Weltgeschichte, als im Offizierscasino der Pionierschule Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht unterzeichnete. Das Deutsch-Russische Museum (geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei) erinnert an diese historische Begebenheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte auf dem Areal zunächst die Sowjetische Militäradministration (SMAD) ihren Sitz, danach der sowjetische Geheimdienst KGB, sodass dieser Teil Karlshorsts für die deutsche Bevölkerung über Jahrzehnte nur eingeschränkt zugänglich war.

Dennoch wäre es falsch, Karlshorst auf seine militärische Tradition zu beschränken. Ganz im Gegenteil: Der zum Bezirk Lichtenberg gehörende Ortsteil mit seinen heute 24 000 Einwohnern weist eine fast 120-jährige Geschichte als gehobener Wohnort auf. 1895 bestätigte der Landrat des Kreises Niederbarnim, Wilhelm von Waldow, einen „Colonie-Consens“ für die damals noch Carlshorst geschriebene Siedlung, die sich bald als bevorzugte Adresse besser situierter Bürger etablierte. Vor allem ab 1902, als mit der Fertigstellung des Bahnhofs eine schnelle Verbindung ins Stadtzentrum geschaffen war, entwickelte sich Karlshorst so zum „Dahlem des Ostens“. 

Noch immer zu spüren ist diese gediegene Atmosphäre im Prinzenviertel, das sich südlich der Bahnlinie und westlich der Treskowallee erstreckt. Hier gibt es keine Mietskasernen mit engen Hinterhöfen, sondern frei stehende Stadtvillen mit großzügiger Anmutung. Zur Attraktivität bei trug auch die bereits 1894 eröffnete Trabrennbahn auf der östlichen Seite der Treskowallee, die ein illustres Publikum anzog. Heute heißt die Anlage Pferdesportpark Berlin-Karlshorst und dient immer noch als Austragungsort von Pferderennen. 

Das wohl bedeutendste Baudenkmal von Karlshorst befindet sich weiter südlich, direkt an der Grenze zu Oberschöneweide. Im Karree von Hegemeisterweg, Gleyeweg, Drosselstieg und Am Fuchsbau wurde kurz nach dem Ersten Weltkrieg nach Plänen des Architekten und Designers Peter Behrens die Waldsiedlung errichtet. Insgesamt 117 Wohneinheiten entstanden hier, die meisten in Reihenhäusern. Diese Häuser, besonders schön zu sehen im verträumt wirkenden Drosselstieg, wiesen in der Regel vier Zimmer und außerdem einen 150 bis 300 Quadratmeter großen Garten auf, der auch die Haltung von Kleintieren erlaubte. In der Straße Fuchsbau entstanden darüber hinaus kleine Mehrfamilienhäuser mit jeweils vier Wohnungen. 

Auch heute wird in Karlshorst wieder eifrig gebaut. „Karlshorst“, heißt es beim Bezirksamt Lichtenberg, „hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bevorzugten innenstadtnahen Wohnquartier entwickelt. “So entstand in den vergangenen Jahren südlich der S-Bahnlinie, nicht weit vom Bahnhof entfernt, ein 40 Hektar großes Wohnviertel namens Carlsgarten mit individuell gestalteten Einfamilienhäusern. Und sogar für neue Mietwohnungen rückt der Ortsteil ins Blickfeld: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Howoge errichtet derzeit auf dem ehemaligen Gelände eines Studentenwohnheims der Hochschule für Technik und Wirtschaft die Treskow-Höfe mit rund 400 Mietwohnungen.

„Bioladen und ein Kindercafé mit Second-Hand-Kleidung – beides untrügliche Zeichen für den Aufstieg eines Stadtviertels. Das ist das neue Karlshorst.“

„Wie bei allen Neubauvorhaben setzen wir bei den Treskow-Höfen auf moderne und effiziente Grundrisse sowie einen  hohen energetischen Standard“, sagt Howoge-Geschäftsführerin Stefanie Frensch. Die Fertigstellung kündigt sie für Sommer dieses Jahres an.

Die künftigen Mieter der Treskow-Höfe werden von der besser gewordenen Infrastruktur von Karlshorst profitieren: Es gibt nicht nur die gute S-Bahn-Anbindung an die Innenstadt, sondern auch ein vielfältiges Einkaufsangebot, wozu mittlerweile auch ein Bio-Supermarkt und andere höherwertige Läden gehören. Um den Einkaufsstandort weiter aufzuwerten, hat eine Unternehmerinitiative das Konzept „Karlshorst dabei!“ erstellt und dafür einen Preis im Wettbewerb „MittendrIn Berlin! Die Zentren-Initiative“ erhalten. Geplant ist, im Laufe dieses Jahres eine App zu lancieren, die beim virtuellen und realen Flanieren durch Karlshorst hilft und auch Tipps zu kulturellen Angeboten gibt. Hinweisen wird die App damit sicher auch auf das 2012 in einem Neubau in der Treskowallee 112 eröffnete Kulturhaus Karlshorst. Noch nicht endgültig entschieden ist über die Zukunft des benachbarten Theaters Karlshorst, das 1948/49 als Kulturstätte für die sowjetischen Truppen errichtet wurde.

Das Theater ist nicht das einzige geschichtsträchtige Gebäude im aufstrebenden Stadtteil. In der Gundelfinger Straße 10/11 zum Beispiel trifft man auf eine ehemalige Schule, die vor einigen Jahren von der Mietergenossenschaft Selbstbau zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut wurde. Und auch das Portland-Cement-Haus in der Dönhoffstraße 38 ist einen näheren Blick wert: Es wurde 1901 vom Verband der Zementfabrikanten errichtet, um die Leistungsfähigkeit des damals neuen Werkstoffs zu demonstrieren.

Emil Schweizer 

 

61 - Winter 2015
Stadt

50 Jahre Europa-Center – das muss gefeiert werden!

Seit 50 Jahren ist das Europa-Center am Berliner Breitscheidplatz mehr als nur eines der ältesten Einkaufszentren der Stadt – es ist ein Wahrzeichen, das ein Vierteljahrhundert auf keinem Motiv der Postkarten und in fast keinem Film West-Berlins fehlen durfte. Am 2. April 1965 eröffnete mitten in der kriselnden Stadt die Kombination aus Shopping-Center und Bürohochhaus, das seitdem mit dem markanten Mercedes-Stern auf dem Dach jedem Berliner und Berlin-Besucher ein Begriff ist. Und seit 25 Jahren zählt das Europa-Center, dessen 103 Meter hoher Turm anfangs den Höhenrekord aller Berliner Häuser hielt, zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der wiedervereinigten Stadt. Doch welche Rolle spielt das Europa-Center in der heutigen Zeit? Uwe Timm, der als Center-Manager das Haus bereits seit elf Jahren erfolgreich leitet, erklärt: „Wir können klar an der exzellenten Vermietungssituation im Haus und an den zahlreichen Neueröffnungen sehen, welchen bedeutenden Platz das Europa-Center auch heute noch in der City West spielt. Ob Vapiano, Madonnas Fitness-Studio Hard Candy, Nike Town oder Berlins größte Saturn-Filiale – sie alle sind im Europa-Center zu finden. Auch der Besucheransturm mit 25 000 bis 40 000 Besuchern täglich ist nach wie vor erstklassig.“

Zur Feier des runden Geburtstags, der am 2. April zelebriert wird, erscheint die wechselvolle, spannende und untrennbar mit Berlin verbundene Geschichte des Berliner Wahrzeichens in Form des Buches „Berlins Wege in die Wolken“. Darin hat das Autoren-Team um Hagen Liebing eine vielseitige Sammlung verschiedener Geschichten von prominenten und weniger prominenten Berlinern zusammengetragen und ergänzt diese durch zeitgeschichtliche Fakten von der Bauzeit bis in die Gegenwart. Fünf Jahrzehnte hindurch erzählen neben Berliner Ikonen wie Uli Zelle, Rolf Eden, den Ärzten, Klaus Wowereit und Eberhard Diepgen auch die Inhaberfamilie Pepper aus dem Leben des Europa-Centers. Aber auch die Berliner und Touristen kommen zu Wort, erzählen von dem Löschwasserbecken des Centers, in dem heute noch gebadet wird, oder von schlafenden Besuchern, die am 9. November 1989 nachts aus dem Osten der Stadt in die City-West gekommen waren und es sich auf dem Boden bequem machen mussten, da sie entweder nicht mehr zurück in den Osten fahren konnten oder einfach nicht mehr wollten. „50 Jahre sind ein toller Anlass, um einen Rückblick zu wagen – und um gleichzeitig einen Ausblick auf die nächsten fünfzig Jahre vorzunehmen“, freut sich Uwe Timm und fügt hinzu: „Wir haben aber für unseren runden Geburtstag noch viel mehr geplant als nur die Feier am 2. April. So wird es Touren durch das Europa-Center mit einem Blick hinter die Kulissen geben und für die Geburtstagswünsche der Besucher wird im Eingangsbereich eine beschreibbare Wand aufgebaut, vor der sich die Gratulanten mit Hilfe eines Picbuzzers fotografieren und ihre Grüße auf Facebook posten können. Zudem sammeln wir noch die spannendsten Geschichten rund um das Europa-Center und veröffentlichen diese unter www.ec50.de.“ 

 

Information
Geschichte und Geschichten des Europa-Centers mit einem neugierigen Blick auf die City West. Das Buch „Berlins Weg in die Wolken“ erscheint zum Jubiläum im April 2015. Auch als E-Book
www.raufeld.de

24,80 €
ISBN 978-3-987054-0-9


[Foto: © Christian Gahl]

 

 

61 - Winter 2015