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Ein Hauch von Easy Rider – Golf spielen oder Motorrad? In Südafrika geht beides!

Im Dezember beginnt in Südafrika der Sommer. Die Temperaturen liegen zwischen 20 und 25 Grad, es ist angenehm warm. Zwei Ozeane, mehrere Nationalparks, eine faszinierende Tierwelt, kleine Fischerdörfer und Straßen, die an Bergen entlangführen oder am Meer locken Reisende aus aller Welt ins Land. Immer mehr Deutsche entdecken Südafrika für sich. Manche verbringen ihren Urlaub vorzugsweise in der Gegend um Kapstadt oder bleiben über einen längeren Zeitraum und „überwintern“. Auch zieht es immer mehr Freizeitgolfer in die Kap-Region.

Denn alle Golfplätze verfügen über Traumlagen, bieten viel Komfort und unendliche Ruhe. Ihre Ausstattung reicht neben den Klubhäusern von Zigarrenlounges über Bars bis hin zu Swimmingpools. Ein ungeschriebenes Gesetz auf Südafrikas Golfplätzen besagt, dass, wer hier ankommt, erst mal Pause machen muss. Interessant ist auch, dass die Bälle einfach weiter fliegen bei diesen Temperaturen, so heißt es unter Golfern.

Wem das satte Grün und der Blick zu den Weinbergen oder auf das Blau der Ozeane noch nicht genug ist, kann Fahrten von Golfplatz zu Golfplatz inder Gruppe mit einer Harley unternehmen.
Dieses Angebot hat sich Pierre Dohrmann einfallen lassen, selbst Harley-Fahrer und Golfer aus Leidenschaft. Er war langjähriges Mitglied und lizensierter Jugendtrainer im Golfclub Schloss Wilkendorf, bevor er 2004 nach Südafrika ausgewandert ist. Seine von ihm privat geführte Amakhaya Lodge liegt in Hout Bay, einer der schönsten Buchten Südafrikas in unmittelbarer Nähe vom Chapman’s Peak Drive, der Traumstraße Südafrikas, auf der seine Gäste mit einem Auto oder mit einer von seinen 25 Harleys zu ihren Tagesausflügen aufbrechen.

Golfer und Harley-Liebhaber können beide Leidenschaften miteinander verbinden und in einer Gruppe von mindestens sechs bis maximal 12 Personen ein Turnier über fünf Golfplätze austragen. Alle Golfplätze werden dabei mit der Harley angefahren. Auf der Tour gibt es zwei golffreie Tage.

Ausgangs- und Endpunkt der mehrtägigen Tour ist immer die Lodge. Das Gepäck sowie die Golfsachen werden dabei per Lkw transportiert. Die Touren werden stets individuell geplant.

Ein Muss in der Kap-Region

Chapman’s Peak Drive
Der Chapman’s Peak Drive ist eine neun Kilometer lange fast einhundert Jahre alte Küstenstraße auf der Kap-Halbinsel südlich von Kapstadt. Sie schlängelt sich in 114 Kurven unmittelbar zwischen Meer und steilen Felswänden entlang von Hout Bay nach Noordhoek und führt über den Chapman’s Peak, einen 160 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt. Die Straße ist seit 2000 in privater Hand. Die Betreiber haben sehr viel Geld investiert. Jetzt sorgen u. a. Fangnetze, ein Tunnel und ein Halbtunnel für die Sicherheit. Zur Amortisation werden Maut-Gebühren erhoben.

Hermanus
Der vor allem bei den Kapstädtern beliebte Badeort nahe den schönen Sandstränden der Walker Bay ist ein schicker Ferienort mit vielen Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Restaurants und Souvenirshops. In den Hochsommermonaten Südafrikas, vor allem in der Weihnachtszeit, herrscht dort Hochbetrieb. In den Monaten davor aber, von September bis November, kann man von den Klippen der Stadt aus ein ganz einmaliges Naturschauspiel bewundern. Dann kommen Wale in die Bucht hinein, um ihre Babys auf die Welt zu bringen.

Cape Alghalus
Cape Alghalus ist der südlichste Punkt von Afrika, dort treffen der Indische und der Atlantische Ozean aufeinander.

Arniston Village
Arniston, ein kleines verträumtes ehemaliges Fischerdorf ist ungefähr 200 Kilometer von Kapstadt entfernt. Die Hotels am Badestrand laden zum Bleiben ein. Den Namen verdankt der Ort einem Dreimaster, der 1815 vor der Küste in einem Sturm an den Riffen zerschellte. Ein Teil der Überreste des Wracks können noch heute besichtigt werden. Außerdem interessant: die Wagenhaushöhlen, die bei Niedrigwasser begehbar sind.

Pearl Valley Golf Club
Der 18-Loch-Golfkurs ist mit seinen 76 integrierten Bunkern und den vielen Wasserhindernissen ein Platz der Extraklasse; er gehört zu den exklusivsten und anspruchsvollsten Golfplätzen der Kap-Region und ist eine Herausforderung für den passionierten Golfer. Hier wurden schon Champion-Kurse ausgetragen. In der Weingegend zwischen Paarl und Franshoek am Berg River gelegen und mit Zigarrenlounge, Sportsbar, Restaurant und Swimmingpool ausgestattet, lässt sich hier der Tag relaxt ausklingen.

Arabella Golfkurs
Nur 15 Autominuten von Hermanus entfernt liegt ein anspruchsvoller und bei Golfkennern hoch geschätzter Championship-Platz. Der internationale Meisterschaftskurs gehört zu den Top 5 in Südafrika und kann auch von Anfängern gespielt werden. Außerdem hat man einen spektakulärem Blick auf die Kogelberg Mountain Range und über die vom Atlantik gespeiste Bot River Lagune. Ein Luxus-Hotel mit großzügigem Wellnessbereich macht den Aufenthalt perfekt.

Mossel Bay / Pinacle Point
Mossel Bay beherbergt einen der besten Golfkurse der Welt – Pinacle Point. Auf seinen atemberaubenden Fairways bekommt man das Gefühl, in die Weiten des Ozeans zu spielen. Dieser Platz ist ein Muss für jeden Golfer.

Erinvale
Nur 30 Minuten vom Stadtzentrum Kapstadts entfernt liegt Erinvale Country, ein großzügiges Landgut mit atemberaubener Aussicht auf die Hottentot Mountains, den Helderberg, den Sie übrigens von hier zu Fuß besteigen können, und über die False Bay. Die Nähe zur Stadt und die bunte Mischung der Bewohner, die Natur und das Lebensgefühl machen diesen Ort zu einem Juwel. Und mittendrin das Golfresort. Auch hier wurden schon Welt-Cups ausgetragen und die SAA Open 2003 und 2004.

Fancourt
Fancourt liegt 400 Kilometer von Kapstadt entfernt an der Garden Route, die entlang der Südwestküste Südafrikas verläuft. Nirgends kann man Golfen besser mit gastronomischem Genuss verbinden. Als Afrikas führendes Golfresort verfügt Fancourt über drei Meisterstücke, darunter das weltberühmte The Links. Dieser 18-Loch-Links-Kurs wurde 2018 zum wiederholten Male zum besten Golfkurs Südafrikas gewählt. Der Platz ist nur in Verbindung mit zwei Übernachtungen in dem Golfkurs-eigenem Hotel zu bespielen. Das denkmalgeschützte Manor House aus dem frühen 19. Jahrhundert ist mit seinen 18 Suiten ein luxuriöser Rückzugsort. Es empfängt seine Gäste als Boutiquehotel des 21. Jahrhunderts mit klassischer Opulenz und erlesener Eleganz, wer mag, auch mit persönlichen Butler-Service. Das Resort bietet darüber hinaus ein ganzheitliches Spa mit Römischem Bad, vier Restaurants, zahlreiche Freizeiteinrichtungen und viel wilde Natur. Die Stadt George mit über 150 000 Einwohnern ist ganz in der Nähe und damit auch ein Flughafen.

 

Aufsitzen und losfahren

In Kooperation mit der Amakhaya Lodge veranstaltet Berlin vis-à-vis eigene Harley-Davidson-Touren zu den schönsten Golfplätzen um Kapstadt. Ausgangspunkt für Tagesfahrten ist die Lodge. Die Motorräder stehen vor Ort zur Abfahrt bereit. Mehrtägige Touren werden von einem Guide mit Lkw begleitet, der Ihr Golfbag sowie das Gepäck zu den Zielorten Ihrer Tour bringt. Die Reisen beginnen und enden jeweils in der Amakhaya Lodge. Sie können Ihren Urlaub als Einzelpersonen oder Gruppe individuell mit uns planen.

Ansprechpartner und Informationen:
Jörg Schenk, js@berlin-visavis.de
www.cuinkapstadt.com

 

76 – Herbst 2018

Vision Opel – AUTO NEWS von Reinhard Wahren

Opel zeigt mit seinem Konzeptfahrzeug GT X Experimental, wie sich der Autobauer seine eigene Zukunft im PSA-Konzern vorstellt. Es ist, wenn wundert es, ein SUV, allerdings vollelektrisch, mit Coupé-Anmutung, voller innovativer Ideen und effizienter als je zuvor, wie es bei Opel heißt. Daher auch in Leichtbauweise. Die Antriebsleistung kommt aus einer 50-kWh-Lithium-Batterie der nächsten Generation. Dabei geht es um Lithium-Schwefel-Batterien, die dreimal so leistungsstark sind wie herkömmliche Lithium-Batterien. Außerdem geschieht das Aufladen induktiv, also ohne Stecker. Unter den innovativen Ideen sind auch die Assistenzsysteme zu verstehen, die z. B. autonomes Fahren auf Level 3 erlauben. Eine Stufe, auf der der GT X selbstständig fahren kann, ohne aber den Fahrer aus der Verantwortung zu entlassen, d. h., wenn angezeigt, sofort einzugreifen.

Neben der neuen Technik will Opel aber mit dem GT X Experimental ebenso zeigen, wie die traditionelle Marke zukünftig wahrgenommen werden soll. So erweist sich das neue Opel-Design sehr ambitioniert als klar und mutig, als eine Philosophie der „visuellen Entschlackung“, die auf unnötige Elemente verzichtet. Allein die ausgewogenen Proportionen und fließenden Oberflächen des Crossover überzeugen, freilich auch dank moderner Hightech-Anmutung. Dass Tradition verpflichtet, beweisen indes die Farben: Sie sind eine Reminiszenz an die traditionelle Opel-Farbgebung grau/schwarz/gelb. Hauptaugenmerk richteten die Designer allerdings auf die Front des GT X. So markieren zukünftig der „Opel-Kompass“, das Mar-kenemblem, und der spektakuläre „Opel-Vizor“ eindrucksvoll das neue Opel-Gesicht. Der Opel-Vizor zieht sich über die gesamte Fahrzeugfront und lässt die Hightech- und Markenfeatures erahnen, die sich dahinter verbergen. Er wird als wichtiges Designelement alle Opel-Modelle ab 2020 kennzeichnen.

 

Autonome Lieferanten


Der selbstfahrender Lieferwagen wurde schon im Straßenverkehr getestet [Foto: 2018 udelv inc.]

Nicht nur selbstfahrende Pkws werden unsere Mobilität zukünftig bereichern, auch selbstfahrende Transporter für den Warentransport und die alltäglichen Liefer- und Servicedienste sehen Logistikexperten schon in naher Zukunft als nützliche Mobilitätshelfer.

Prominenter Vorreiter ist Google. Der Internetgigant hatte bereits 2016 einen autonomen Lieferwagen in Form einer Packstation patentieren lassen. Dieser vereinbart mit dem Empfänger die Übergabezeit einer Sendung und fährt selbstständig zu dessen Adresse. Mit einer PIN-Nummer öffnet der Empfänger das wie in einer stationären Packstation angeordnete Schließfach und entnimmt die Sendung. Dann fährt der Lieferwagen autonom zum nächsten Empfänger weiter.

Das Silicon-Valley-Start-up Udelv, von ehemaligen Apple- und Tesla-Mitarbeitern gegründet, hat inzwischen einen selbstfahrenden Lieferwagen tatsächlich im öffentlichen Straßenverkehr getestet. Auf einer vier Kilometer langen Tour lieferte er zwei Supermarkbestellungen aus. Der Frachtraum verfügte insgesamt über achtzehn Fächer. An den vom Supermarkt vorgegebenen Lieferadressen öffneten die Kunden ihre Fächer mittels Smartphone und App und konnten ihre Bestellung entgegennehmen. Trotz Ampelstopps, Abbiegungen und Spurwechsel musste der kontrollierende Mitfahrer während der Fahrt nicht eingreifen.

Dagegen hat Toyota ein Konzeptfahrzeug kreiert, das sowohl für den Liefer- als auch für den Personentransport vorgesehen ist. Die kastenförmige Studie „e-Palette Concept“ ist Teil einer Allianz für Mobilitätsdienste mit Amazon, Pizza Hut und Uber und besticht mit einem sehr flexiblen Innenraumkonzept. Danach kann das Fahrzeug je nach Bedarf in einen Lieferwagen, einen Bus oder einen Mini-Markt verwandelt werden. Erste Machbarkeitsstudien stellt Toyota aber erst 2020 in Aussicht.

Schneller geht es bei Schaeffler. Der fränkische Automobilzulieferer will noch in diesem Jahr einen Prototyp namens Mover präsentieren. Der Transporter verfügt über ein sogenanntes Steer-by-Wire-System – die Verbindung zwischen Lenkrad und gelenkten Rädern wird nicht mechanisch, sondern elektrisch hergestellt –, das einen Radeinschlag bis zu 90 Grad erlaube, heißt es bei Schaeffler. Damit könne der Mover in engen Gassen manövrieren, in kurze Parklücken einscheren und eine Kehre fast auf der Stelle ausführen. Die Fahrtroute wird laufend von einem Zwilling in der Cloud überwacht. Schaeffler sieht den Mover als idealen Transporter für die Stadt.

Auch VW präsentierte bereits zwei autonom fahrende Konzeptfahrzeuge für einen künftigen urbanen Lieferverkehr: eine Packstation und einen Transporter als Ladungsträger. Die Packstation könnte die Paketbelieferung auf Abruf bis nach Hause übernehmen, der Transporter für Gütertransporte fungieren.

Mangels Mitarbeitern und Fahrern werden Lieferdienste, in welcher Branche auch immer und wo es möglich ist, zukünftig zwangsläufig auch selbstfahrende Transportfahrzeuge einsetzen müssen.

 

Pariser Premieren


BMW baut wieder einen echten Roadster: Der mit Toyota entwickelte Z4 hat ein klassisches Stoffverdeck [Foto: © BMW AG/Daniel Kraus]

Im Oktober feierte der neue BMW Z4 auf dem Pariser Autosalon seine Deutschlandpremiere. Nach acht Jahren wurde die Neuauflage der neuen, zweiten Generation sehnsüchtig erwartet. Zumal sich die Fangemeinde nach dem Vorgänger, der als „weichgespültes Schönwetterauto“ galt, wieder nach einem echten Roadster sehnte. Dem kam man bei BMW offensichtlich mit Freuden entgegen, denn der Z4 hat statt versenkbarem Hardtop wieder ein elektrisch bedienbares Stoffverdeck, das bis Tempo 50 in zehn Sekunden auch während der Fahrt öffnet und schließt, er begeistert mit extravagantem sportlichen Design und einem auf das Wesentliche reduzierten Innenraum, und es sitzen Fahrer und Beifahrer tief. Damit kommt der Anspruch zum Ausdruck, wieder die echten Roadster-Fans begeistern zu wollen. Dem entspricht auch die Motorisierung des Einstiegsmodells Z4 M40i mit 340-PS-Reihensechszylinder, der den Roadster in 4,1 Sekunden von Null auf Tempo 100 beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 Kilometer pro Stunde. Im Frühjahr 2019 soll der neue Z4 bei den Händlern stehen.

Eine Weltpremiere feierte Mercedes mit der nächsten Generation des SUV-Modells GLE. Mit einem cw-Wert von 0,29 ist es ein besonders windschnittiger Geländewagen, was die Frage nach dem Grund dafür aufwirft. Denn der GLE ist technisch vor allem für das Gelände gemacht. Dafür sorgen der neue Allradantrieb und vor allem das sogenannte e-ABC-Fahrwerk. Mit ihm kann der Federweg jedes Rades um bis zu zwanzig Zentimeter variiert und dem Geländeverlauf angepasst und die Seitenneigung in Kurven ausgeglichen werden. Zunächst kommt der GLE als Sechzylinder-Benziner mit 367 PS Anfang 2019 zu den Händlern.

 

Porsche-Keimzelle 356


Der Porsche 356, ein offener, zweisitziger Roadster. Seine Serienproduktion begann 1950 [Foto: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG]

Zu sehen war er bereits vor 70 Jahren 1948 beim Grand Prix der Schweiz in Bern. Ein Jahr später feierte er seine Publikumspremiere auf dem Genfer Autosalon: der Porsche 356, ein offener, zweisitziger Roadster. Seine Serienproduktion begann 1950. Es war die Geburtsstunde der Marke Porsche und die Verwirklichung eines Traumes von Ferry Porsche, einen Sportwagen zu bauen, der die relativ globig wirkenden, schweren Sportwagen seiner Zeit in jeder Hinsicht in den Schatten stellen sollte. Das bedeutete nichts anderes, als Gewicht, Leistung und Luftwiderstand des Sportwagens in ein optimales Verhältnis zu bringen. Mit Vierzylinder-Boxermotor, Getriebe und Fahrwerk von VW aus Wolfsburg, Alu-Karosserie und einer bis heute legendären Form erreichte Porsche schließlich sein Ziel und präsentierte den ersten 356er mit einem Gesamtgewicht von 585 Kilogramm und einer Spitzengeschwindigkeit bis zu 135 Kilometer pro Stunde. Mit nur 35 PS waren auch die Beschleunigungswerte damals sensationell, ebenso beeindruckten das Kurvenverhalten und die kurzen Bremswege. Bis 1965 wurden rund 78 000 Exemplare des 356er gebaut, bis der Elfer eine neue Porsche-Ära einleitete.

70 Jahre später kann ein Vergleich mit dem derzeit schnellsten alltagstauglichen Porsche nur Staunen hervorbringen. Der Porsche 911 GT2 RS ist 700 PS stark, 340 Kilometer pro Stunde schnell, mit 1 453 Kilogramm karbonleicht und laut wie ein Gewitter. Aktiviert man die Launch Control, wird die Beschleunigung von Null auf Tempo 100 in atemberaubenden 2,8 Sekunden möglich, bis Tempo 300 in 22,1 Sekunden. Der stärkste 911er aller Zeiten kostet rund 285 000 Tausend Euro in der Basisversion. Der erste 356er war ab 10 200 Mark erhältlich. Inzwischen wird ein gut erhaltenes oder restauriertes Exemplar wie ein Kunstwerk bis zu 250 000 Euro gehandelt.

 

COMEBACK EINER LEGENDE


Mit dem Alpine schreibt Renault seine wiederbelebte Sportwagengeschichte fort [Foto: © Renault]

Nach dem erfolgreichen Relaunch der Alpine A110 namens „Première Edition“, vorgestellt auf dem Genfer Autosalon, schreibt Renault offenbar mit Verve seine wiederbelebte Sportwagengeschichte fort. In diesem Jahr begann bereits die Serienproduktion der neuen Varianten „Pure“ und „Légende“.

Offenbar trifft das Comeback der Alpine-Legende auf reges Interesse von Sportwagenfans, denn von der „Première Edition“ sind bereits über 1 200 Fahrzeuge ausgeliefert worden. Inspiriert sei sie von der berühmten legendären A110 Berlinette, heißt es bei Renault. Doch geht die Legendenbildung im Grunde auf das Premierejahr 1962 zurück. Jean Rédélé, der Inhaber einer Renault-Vertragswerkstatt, hatte 1955 aus einem Renault 4CV den neuen Sportwagen konstruiert. Damit gewann der motorsportbegeisterte Autohändler in der Folgezeit nicht nur etliche Rallyes, es war die Urversion des späteren A110. Zeitgleich hatte er die „Société des Automobiles Alpine“ gegründet.

Der Geist dieses Klassikers aus den 1960er- und 70er-Jahren zeigt sich nun im neuen Sportcoupé A110 mit kompromisslosem Leichtbau aus Aluminium und Carbonelementen, leistungsstarkem 252-PS-Vierzylinder und elegantem Design mit dem eigenen Alpine-Spirit, angelehnt an die Rallye-Legende mit ihren unverwechselbaren Stilelementen. Das Zweisitzer-Coupé beschleunigt in 4,5 Sekunden von Null auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit endet bei 250 Kilometer pro Stunde.

Da das Gesamtkonzept – klein, leicht, kompakt, alltagstauglich und alternativ zu hochpreisigen Markenmodellen –, sportlich ambitionierten Fahrern offenbar sehr entgegenkommt, legt Re-nault nun nach der „Première Edition“ mit neuen Varianten für den A110 nach. So präsentierte Alpine auf dem Pariser Autosalon die Modelle „Pure“ und „Légende“. Bei der Ausführung „Pure“ – mit 1 080 Kilogramm das leichteste Modell der Baureihe – besticht die Fahrdynamik, die auf kurvenreichen Straßen und auf der Rennstrecke ihr ganzes Potenzial entfaltet, während die Variante „Légende“ mit aufwendigerem Interieur ausgestattet ist, das heißt, mit Langstreckenkomfort aufwartet. Beide Ausführungen, wie auch die bereits ausgelieferte „Première Edition“, verfügen über den gleichen 1,8-Liter-Turbobenziner.

Bislang gingen über 5 000 Reservierungen für den A110 ein. In Europa sind 60 Alpine-Stützpunkte eingerichtet, die Vertrieb und Service übernehmen sollen, in Deutschland existieren elf.

 

76 – Herbst 2018

Die Humor-Reizschwelle ist in Berlin sehr hoch

Schlange stehen vorm Kabarett! Dass es so etwas noch gibt: Anstehen für Kultur. Aber Fehlanzeige. Ziel ist die Gemüsedönerbude direkt nebenan. Wie es scheint, ist sie in den Berlin-Reiseführern aufgeführt, was den Andrang erklären könnte. Vorbei an hungrigen Touristen rauf in den fünften Stock ins BKA, in den Comedyhimmel mit Aussicht auf die Dächer von Kreuzberg. Seit 30 Jahren hat die Berliner Kabarett Anstalt (BKA in Anlehnung an die Abkürzung für das Bundeskriminalamt) hier ihren Sitz.

Das Kabarett startete in den 1980er Jahren in einem Zelt am Mariannenplatz. Rainer Rubbert, einer der Chefs des Hauses, war von Beginn an dabei. Auf der Suche nach einem festen Wohnsitz zogen sie in die ehemalige Discothek „Dachluke“, in der früher Schlagerlegende Gunter Gabriel auflegte.

Eine Zelt-Variante blieb, das BKA-Luftschloss löste sich allerdings 2004 auf. Fortan spielte man nur noch unterm Dach am Mehringdamm. Hat man so weit oben einen Überblick über die Kabarett-Szene? Uwe Berger, Geschäftsführer und Programmgestalter ebenso wie Rainer Rubbert, sagt dazu, dass man sich diesen stets erarbeiten muss. „Da muss man immer schauen, neue Leute zu entdecken.“ Zumal sich gerade in dieser Szene vieles schnell verändert. Die Erfahrung schafft Gespür für Leute und für Trends. Ende der 70er Jahre gehörte Rubbert zu den Gründern des Kabaretts „CaDeWe“, aus dem „Die Enterbten“ hervorgingen, ein Musikkabarett, dann folgte die Gründung des BKA. Musikkabarett war neu. Und Rubbert war dafür der richtige Mann, denn er ist Komponist sowohl für Kleinkunstbühnen als auch für große Oper. Er wollte den etablierten Häusern „Die Stachelschweine“ und „Die Wühlmäuse“ etwas entgegensetzen. „Damals kam uns das bieder vor, was sie da auf der Bühne machten“, erzählt Rubbert.
Kostüme und viel Musik hielten Einzug. Die Kleinkunstbühne wurde frech, witzig und politisch. Es war nicht mehr die ganz hohe Dosis Politik und hatte für ein größeres Publikum mehr Schauwert. Die Chansonwelle überspülte Anfang der 1990er Jahre die Bühnen. College of Hearts, Georgette Dee und Tim Fischer, Popette Betancor waren die Trendsetter und gehören auch heute noch zu den Stammkünstlern des BKA. Ein wenig stolz sind die Macher auch darauf, dass sie die Travestie-Szene aus den dunklen Kneipen ins Rampenlicht geholt haben. Das Leben auf den Kleinkunstbühnen wurde damit vielfältiger, bunter. Und das politische Kabarett? „Das ist immer da“, sagt Berger. Christian Ehring, Arnulf Rating, um nur zwei Namen zu nennen, stehen hier regelmäßig auf der Bühne. „Nur“, schiebt Rubbert ein, „viele der jungen Kabarettisten nennen sich heutzutage lieber ‚Comedian‘, das klingt schicker, moderner.“ Und in den Programmen vermischen sich Alltagskritik und Witzeleien aus der Welt der Politik. Besonders auffällig gut gelingt diese Art des Kabaretts, wenn sich Künstler eine Bühnenfigur erschaffen, die aus dem Kiez kommt. So wie Edith Schröder,  die von Ades Zabel zum Leben erweckt wurde. Die Dame, 52, bezieht allerlei Leistungen vom Staat und stammt aus Neukölln, ehemals Problembezirk und heute extrem angesagt (siehe Dönerstand). Diese Bühnenfigur hat sich soweit verselbstständigt, dass sie sogar Stadtrundfahrten anbietet. La Signora ist die italienische Mama mit dem Akkordeon. Carmela de Feo stattet sie reichlich mit Musik und sogar Tanz aus. Das ist sozusagen verlässliche Comedy.

Experimente sind schwieriger. „Die Humor-Reizschwelle ist in Berlin sehr hoch. Es braucht manchmal ein bisschen“, sagt Berger. Er sieht das bei den Poetry-Slam-Leuten, die zuhauf auf die Bühnen strömen, und er erinnert sich an einen fast traurigen Fall. Ein Schweizer, der zweifellos gut war, funktionierte in Berlin nicht. Der Humor kam hier weniger an.
Und das Haus setzt in seinem Spielplan einen einzigartigen Kontrapunkt: die wöchentliche Reihe „Unerhörte Musik“ mit zeitgenössischer Tonkunst des ausgehenden 20. und des 21. Jahrhunderts.

Martina Krüger

 

76 – Herbst 2018
Kultur

DalÍ,  Da Vinci und die Weltzeituhr

Der Kultur-Unternehmer Carsten Kollmeier leitet seit zehn Jahren mit „Dalí- Die Ausstellung am Potsdamer Platz“ das erste privatwirtschaftliche Kunstmuseum Deutschlands. Maßgeblich war er an der Entstehung des Spionagemuseums in Berlin beteiligt, zur Zeit entwickelt er ein Museum über Leonardo da Vinci – und ist noch auf der Suche nach einer passenden Immobilie. Als privater Museumsmacher engagiert sich Kollmeier aber auch mit Leidenschaft für den Berliner Tourismus. Sein neuester Coup ist die Weltzeituhr am Alexanderplatz. Berlin vis-à-vis sprach mit Carsten Kollmeier.

Was fasziniert Sie so sehr an der Weltzeituhr?

Die Weltzeituhr ist ein zeitgeschichtliches Denkmal von Weltrang, eine einzigartige Design-Ikone und steht als bedeutendes Symbol Berlins für Freiheit. In der DDR war sie für viele Menschen eine Art Sehnsuchtsort, da die meisten der abgebildeten Städte für DDR-Bürger damals nicht zu bereisen waren. Aber sie steht für weit mehr als nur für ihre Geschichte. Sie ist bis heute Treffpunkt für Menschen aus der ganzen Welt, seit dem Mauerfall Symbol für Weltoffenheit und in der Gegenwart Sinnbild für multikulturelles Zusammenleben. Sie zeigt für alle Zeitzonen und die 144 aufgeführten Städte und Regionen gleichzeitig die richtige Zeit an und veranschaulicht, dass es nur eine Zeit gibt, die aus dem Weltall bestimmt wird.

Sie haben die Vermarktungsrechte für die Weltzeituhr erworben. Was haben Sie vor?

Wir haben nicht nur die Vermarktungsrechte übertragen bekommen, sondern uns damit auch einer verantwortungsvollen Aufgabe angenommen. Denn bislang durfte sie nicht in Form von Reproduktionen bzw. Souvenirs vermarktet werden. Da die Weltzeituhr 2019 ihren 50. Geburtstag feiert, hat ihr Schöpfer, der Formgestalter Prof. Erich John, sie uns anvertraut. Er hat gesehen, wie sorgsam wir als Museumsmacher mit Kulturgut umgehen. Unser Konzept, die Weltzeituhr als hochwertige Sammlerstücke und Designobjekte weltweit zu vermarkten, hat ihm schließlich gefallen. Die auf dieser Grundlage entwickelten Produkte werden mit Lizenzpartnern aus Berlin und Deutschland realisiert. So dass wir, wie beim Original, stets von „Made in Germany“ und wenn möglich sogar „in Berlin“ sprechen können.

Vor zehn Jahren haben Sie Dalí nach Berlin geholt. Die Ausstellung ist immer gut besucht, vor allem von Touristen. Können Sie mit den großen Museen in der Stadt mithalten?

Wir zählen als von Senat, Deutschem Museumsbund und ICOM (Anm. d. Red.: Internationaler Museumsrat) anerkanntes Haus bei der Besucherfrequenz zu den führenden 10 Prozent aller Museen in Deutschland. Das haben wir insbesondere dem florierenden Tourismus in Berlin zu verdanken. Aber auch die Berliner sind gern gesehene Gäste. Allein bei der letzten „Langen Nacht der Museen“ waren es wieder ca. 3 000 Besucher. Als das erste und wohl immer noch einzige privatwirtschaftliche Kunstmuseum in Deutschland, das sich, ohne öffentliche Förderung in Anspruch zu nehmen, alleine trägt, liegt uns das Erlebnis der Besucher sehr am Herzen. So bieten wir zum Beispiel stündlich die Teilnahme an öffentlichen Führungen an. In der geförderten Kulturwelt ist es durchaus nichts Ungewöhnliches, dass gut besuchte Ausstellungen oder Vorstellungen gerne als Erfolg gefeiert werden, obwohl sie rein wirtschaftlich gesehen ein Verlust waren. Oder der Deckungsbeitrag durch eigene Einnahmen nicht selten bei gerade einmal 20 Prozent liegt. Das können sich private Museen nicht erlauben.

Was macht das Dalí-Museum so beliebt?

Dalí ist eine Ikone der Kunstwelt. Er polarisiert wie kaum ein anderer. Man kann ihn und seine Kunst nur hassen oder lieben. Aber in jedem Fall ruft er Emotionen hervor. Die Vielfalt und Vielschichtigkeit seines Werkes, die wir im Museum versuchen abzubilden, sprechen jeden an. Er war seiner Zeit voraus und wusste schon damals die Medien als wichtigen Faktor für sich zu gewinnen. Er hätte heute sicherlich eine Milliarde Follower in den Sozialen Medien, wie zum Beispiel auf Facebook. Das ist es, was die Menschen bis heute an diesem Ausnahmekünstler und Vorreiter für ganze Künstlergenerationen fasziniert.

Was haben Dalí und Berlin gemeinsam?

Er ist 1989 gestorben, in dem Jahr, als die Mauer fiel. Ich glaube, Berlin ist die Stadt, in der er heute leben würde. Eine weltoffene und multikulturelle Kunstmetropole, modern und exzentrisch.

Jetzt planen Sie die Eröffnung eines weiteren Privat-Museums, das Da Vinci Berlin. Was erwartet den Besucher?

Das Da Vinci Museum Berlin wird ein Museum 4.0. Dabei wird es von der Zeit der Renaissance, die von der Innovationskraft durchaus mit der Entwicklung von heute zu vergleichen ist, über die weltweit berühmte Kunst von da Vinci bis hin zu den bahnbrechenden Erfindungen und Innovationen des Ausnahmegenies gehen, die bis heute unsere Welt nachhaltig beeinflussen. Originale Zeichnungen, gepaart mit digitalen Erlebniswelten, werden den Besuchern zeigen, was uns bis heute bewegt. Denn vom Traum des Menschen vom Fliegen bis hin zur Mobilität durch das Kugellager, ohne das sich auch eine Weltzeituhr nicht bereits 49 Jahre drehen würde und die Industrialisierung nicht denkbar gewesen wäre, verdanken wir vieles bis heute Leonardo da Vinci. Auch in der Medizin, Botanik, Schifffahrt etc. Parallel planen wir weitere Museen und würden natürlich auch der Weltzeituhr am Alex gerne eine Dauerausstellung widmen. Um den Menschen aus aller Welt dieses Symbol nachhaltig näherzubringen.

Danke für das Gespräch.

Ina Hegenberger

 

76 – Herbst 2018

Alles dreht sich – Archäologie in Deutschland

Im Gropius Bau zeigen 70 Leihgeber aus ganz Deutschland ihre besten Exponate aus dem Bereich Archäologie. Der geschichtsträchtige Kölner Untergrund ist derzeit im Lichthof des Gropius Baus zu bestaunen. Darunter die Eichenbohlen einer 2 000 Jahre alten Spundwand des antiken Hafens. Während des U-Bahn-Baus waren all die römischen Scherben, Speisereste und Nägel zum Vorschein gekommen. „Ein großes archäologisches Archiv“ nennt das Matthias Wemhoff, Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte und federführend bei der Vorbereitung der Ausstellung.

Besonders aufschlussreich seien die Amphorenfragmente mit Pinselaufschriften, weil sie den Import von Wein, Öl, Fischsauce und anderen mediterranen Lebensmitteln nach Köln belegen. Die Rheinmetropole gilt als bedeutender Handelsplatz der Zeit. Man ließ es sich gut gehen in der römischen Provinz Niedergermanien. Über der antiken Szenerie schwebt im Lichthof der silberfarbene Zeppelin der zeitgenössischen koreanischen Künstlerin Lee Bul, deren Werke in einer anderen Ausstellung des Gropius Baus zu sehen sind. Die Grenzen verschwimmen. Bewegte Zeiten.
 
Die Ausstellung ist eine beeindruckende Leistungsschau der deutschen Archäologie in den letzten Jahrzehnten. Über 1 000 Artefakte aus Hunderten Fundzusammenhängen sind zu sehen. Darunter Schmuck, Kriegsgerät, Werkzeuge und religiöse Stücke. Ausdrückliches Anliegen der Ausstellungsmacher war es zu zeigen, dass Austausch und Mobilität keine Erfindungen der Neuzeit sind, sondern orginärer Teil der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Der Wissens- und Gütertransfer wird an vielen Stellen der Ausstellung vor Augen geführt. Oft bleiben die eigentlichen Schöpfer im Dunkeln. Wer das Rad erfunden hat, wissen wir zum Beispiel bis heute nicht, auch nicht, ob es in Asien oder Europa zuerst genutzt wurde. Einer der ältesten Funde stammt jedenfalls aus der Bodenseeregion und datiert ins vierte Jahrtausend vor Christus. Während es sich anfangs noch um Scheibenräder handelte, sind die ersten Speichenräder in der Bronzezeit nachweisbar. Im Barnstorfer Moor in Niedersachsen sind Reste eines Speichenrades aus Eichenholz gefunden worden.

Die einzelnen Landesmuseen der Bundesrepublik haben ihre besten Exponate nach Berlin geschickt. Das Highlight jedoch ist sicher die Himmelsscheibe von Nebra, die im Original allerdings nur sechs Wochen zu sehen ist, nicht unüblich bei Stücken dieser Bedeutung. Die Bronzescheibe gilt als älteste kalendarische Darstellung der Menschheit und als Schlüssel zu einem vergessenen Reich, das mutmaßlich vor 3 600 Jahren unterging. Zusammen mit den drei bronzezeitlichen Goldhüten, darunter der Berliner, verbreitet die Himmelsscheibe in dem eigens gesicherten und abgedunkelten Raum eine beinahe mystische Stimmung. Angenommen wird, dass die Hüte ähnlich wie die Himmelsscheibe kalendarisches Wissen der Zeit spiegeln und bei rituellen Anlässen zum Einsatz kamen.
Stolz der Ausstellung ist auch die erst 2008 am Fuß der Schwäbischen Alb gefundene Venus vom Hohle Fels, eine etwa sechs Zentimeter große, aus Mammut-Elfenbein geschnitzte Figur. Man geht von einem Alter von 35 000 bis 40 000 Jahren aus. Somit gehört sie zu den weltweit ältesten plastischen Darstellungen des menschlichen Körpers. Gleich daneben der nächste spektakuläre Fund aus der Gegend: eine kleine Flöte, gefertigt aus Gänsegeierknochen. Sie gilt als das älteste Musikinstrument der Welt und zeugt davon, dass das Musizieren von der Steinzeit an zu den Urbedürfnissen des Menschen zählt. Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb wurden nicht umsonst 2017 in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen.

Bei Weitem nicht so alt, aber nicht minder interessant sind die Grabungsfunde aus Lübeck, denen ein ganzer Raum gewidmet ist. Hier gelang es Archäologen, zahlreiche mittelalterliche Holzkeller auszugraben, die alle nach gleichem Muster in einer Art Fertigteilbauweise gezimmert waren. Schließlich sollte die im 12. Jahrhundert zerstörte Stadt in kürzester Zeit neu und größer Gestalt annehmen. Ein standardisiertes Stecksystem ermöglichte den Bewohnern verschiedene Variationen des Grundrisses, ganz ohne Dübel und Nägel. Die Grundflächen maßen teilweise 50 Quadratmeter und mehr. Ein Teil dieser historischen Balkenkonstruktion ist in der Ausstellung aufgebaut. Sie wurde zum Vorbild für den gesamten Ostseeraum. Damit man sich besser vorstellen kann, wie das damals funktionierte, zimmern Jugendliche aus der Lübecker Jugendbauhütte während der Ausstellung die mittelalterliche Holzkonstruktion nach. Dass es klopft und hämmert im Gropius Bau, ist Teil des Konzepts. Experimentelle Archäologie als Teil der aktiven Aneignung.

Karen Schröder


Information
Die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ ist bis zum 6. Januar im Gropius Bau, Niederkirchner Str. 7, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Montag, 10 bis 19 Uhr

 

76 – Herbst 2018
Kultur

Der Mercedes Platz ist eröffnet

Rocksänger Jack White gab das Eröffnungskonzert in der Verti Music Hall mit Platz für 4 350 Besucher. Berliner und Touristen strömten über den neuen Stadtplatz. Mitte Oktober feierte die Anschutz Entertainment Group (AEG) die Eröffnung ihres neuen Quartiers an der Mercedes-Benz Arena. Es kamen 18 000 Menschen, sagt Moritz Hillebrand von der AEG. Außer der Music Hall gibt es am Mercedes Platz ein Bowling-Center, zwei Hotels, ein Premierenkino, vier Restaurants und mehrere Bars. Damit bekommt schließlich auch die Arena, die vor genau zehn Jahren eingeweiht wurde, einen ihrer Monumentalität angemessenen Zugang.

Dieses „Herz“ (Hillebrand) bildet aber nur einen Teil des riesigen Areals zwischen Postbahnhof und Warschauer Brücke, in dem es stellenweise hoch hinaus geht. In der Nähe des Bahnhofs entstehen gerade zwei Wohnhochhäuser, ehemals namens Max und Moritz, beide bald um die 90 Meter hoch. Seit dem Eigentümerwechsel letztes Jahr werden die Bauten unter dem Namen „Upside Berlin“ vermarktet.
Eine ähnliche Höhe erreicht auf der anderen Seite des Platzes, an der East Side Mall, auch der geplante „Stream-Tower“. Internethändler Zalando hat schon Büros im Nachbarblock des Mercedes Platzes und soll im Tower Hauptmieter werden. Für den mit viel Glas entworfenen Bau hat im Oktober das Baukollegium von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher grünes Licht gegeben. Noch ein viertes Hochhaus ist im Bau: der East Side Tower. Er entsteht zwischen Mall und Warschauer Brücke, wächst 140 Meter hoch! Lüschers Qualitätsgremium hat das Projekt von OVG Real Estate, realisiert durch die dänischen Architekten von Bjarke Ingels Group, bereits zweimal abgekanzelt. Der East Side Tower solle sich mehr in den Kiez öffnen, heißt es. So soll nach neuestem Stand in den Sockel des 400-Millionen-Euro-Projektes schon mal eine Fahrradwerkstatt einziehen.

Hauptprofiteur des nun schlagenden Herzens, des Mercedes Platzes, ist die East Side Gallery. Sie steht nicht mehr alleine da.

Der neue Stadtplatz, der aus der Entfernung eher wie eine breite Straße wirkt, verbindet das Mauerdenkmal mit Berlins neuem Vergnügungsviertel nach amerikanischem Vorbild. Bald, wenn auch die restlichen Gebäude, inklusive der Towers, fertiggestellt sind, arbeiten an der Mühlenstraße 20 000 Menschen. Und vermutlich noch mehr werden den Ort besuchen. Das wird auch die East Side Gallery noch mehr Aufmerksamkeit bringen.

„Mit dem Mercedes Platz ist ein neuer Ort entstanden, an dem Menschen zusammenkommen, ihre Freizeit genießen und sich austauschen können“, sagte Carsten Oder (Mercedes-Benz Cars Vertrieb Deutschland) bei der Eröffnung. Und „Mercedes-Benz ist als einer der größten Arbeitgeber in Berlin seit 100 Jahren eng mit der Stadt verbunden.“

 

76 – Herbst 2018
Stadt